Stolberg: Schmuckstück: Das frühere Walzwerk an der Eisenbahnstraße

Stolberg : Schmuckstück: Das frühere Walzwerk an der Eisenbahnstraße

Vor einigen Jahren hat das Unternehmen den an der Eisenbahnstraße liegenden Werksteil aufgegeben. Unter dem Namen „KMD“ konzentriert es sich heute als Joint Venture mit der chinesischen Dragon-Gruppe an der Kupfermeisterstraße. Dort am Giebel des Verwaltungsgebäude ist inzwischen das sanierte Schild „Ältestes Messingwerk ...“ zu sehen.

Die Metallwerke und ihre Niederlassung an der Eisenbahnstraße haben eine lange Geschichte. Im frühen 18. Jahrhundert kaufte Guilleaume Schleicher den dort liegenden Kupferhof „Unterster Hof“ und etablierte eine Manufaktur zur Herstellung und Verarbeitung von Messing. Bereits im späten 16. Jahrhundert hatte Leonhard Schleicher an der Burgstraße eine erste Messingmanufaktur gegründet.

Erhalten blieb nur das links liegende frühere Pförtnerhaus und das einstige Walzwerk. Foto: Toni Dörflinger

Neue Betriebsanlagen — Gießerei und Walzwerk — entstanden 1873 im nördlichen Bereich des Untersten Hofes. Dort konzentrierte sich in der Folgezeit die Firma Schleicher, die in den 1930er Jahren nach der Vereinigung mit der an der Kupfermeisterstraße ansässigen Metallfirma „Von Asten & Lynen“ den Namen Stolberger Metallwerke annahm. 1912 erstellte man an der Eisenbahnstraße Pförtnerhaus und Walzwerk.

Das Gebäude aus Bruchstein ist ein Schmuckstück. Ins Auge fallen die auf der Front angebrachten schmiedeeisernen Verzierungen, die aus Mauerankern, den Initialen E.S. (Emil Schleicher) und der Jahreszahl 1902 bestehen. Auch das einst als Wohnung dienende Pförtnerhaus hat eine Besonderheit. In seiner Front ist eine Wappentafel aus Blaustein eingelassen, die neben dem Schleicher-Wappen ebenfalls die Buchstaben E.S. und die Zahl 1902 zeigt.

Laut einem im Stadtarchiv vorhandenen Briefbogen von 1907 wurden im Schleicher-Werk unter anderem Stecknadeln aus Messing, Haken, Ösen und Ketten für die maschinelle Nutzung hergestellt. Diese Palette veränderte sich nach dem Kriege in der Herstellung von Wärmetauschern und Kühlerbändern für die Automobilindustrie sowie Kabel- und Koaxialbändern für die Energie- und Kommunikationsindustrie.

1987 verließ Geschäftsführer Karl Schleicher als letzter Kupfermeister das Unternehmen. Es wurde eine Tochter von Kabelmetal Osnabrück und 1995 Teil der europäischen „KME-Gruppe“.

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