Schließung der KV-Praxis in Stolberg soll verhindert werden

Ratssitzung : Schließung der KV-Praxis in Stolberg soll verhindert werden

„Unverantwortlich“, „nicht nachvollziehbar“ und „nicht akzeptabel“ sei das Verhalten der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KV).

Da waren sich am Dienstagabend im Stolberger Rathaus alle Anwesenden einig. Der Grund für die deutlichen Worte: der Besuch von Stephan Bohnekamp und Dr. Heiko Schmitz. Bohnekamp ist bei der KV Nordrhein Geschäftsführer für den Bereitschaftsdienst, Schmitz bekleidet das Amt des Pressesprechers. Sie waren nach Stolberg gekommen, um über die Schließung der Notfallpraxis am Bethlehem-Gesundheitszentrum zu sprechen und Politik und Bürgern Rede und Antwort zu stehen.

Seit Ende November steht offiziell fest, dass in der Notfallpraxis am Bethlehem-Gesundheitszentrum ab dem neuen Jahr nur noch Kinder behandelt werden. Erwachsene müssen den Weg nach Eschweiler antreten und die KV-Praxis am St.-Antonius-Hospital aufsuchen. Ein Grund dafür: Bereits seit einigen Jahren stehe die KV vor dem Problem, junge Mediziner gewinnen zu können.

Eine Notdienstpraxis in jeder Kommune vorhalten zu können, sei nicht realisierbar. Die Konsequenz seien größere Einzugsgebiete. Negative Auswirkungen, die damit einhergehen könnten, stellten Bohnekamp und Schmitz nicht fest. Im Gegenteil. Vielmehr würde die zentrale Anlaufstelle in Eschweiler, die künftig als sogenannte Portalpraxis – eine Praxis, die gemeinsam von niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern betrieben wird – fungieren soll, eine „qualitative Verbesserung“ darstellen. Auch die Distanz, die überbrückt werden müsse, sei „zumutbar“.

Das sah man im Rathaus allerdings anders. Nicht nur Stefan Doncks, Initiator der Bürgerinitiative zum Erhalt der Notdienstpraxis, machte deutlich, dass gerade Letzteres ein großes Problem darstelle. Busverbindungen nach Eschweiler seien vor allem am Abend und an den Wochenenden nicht ausreichend vorhanden. Eine Fahrt mit dem Taxi von Venwegen bis zum Eschweiler Krankenhaus würde rund 52 Euro kosten. Beträge, die nicht für jeden Bürger zu stemmen seien.

Auch die Politik machte deutlich, dass sie von der Entscheidung der KV nicht allzu viel hält. „Wir haben kein Interesse daran, dass die Praxis in Stolberg geschlossen wird“, meinte CDU-Chef Jochen Emonds und verwies darauf, dass die KV vor zwei Jahren noch zugesichert habe, die Stolberger in die weiteren Planungen mit einzubeziehen. Dafür, dass man dieses Versprechen nicht gehalten habe, hatten Bohnekamp und Schmitz eine einfache Erklärung. 2016 gab es bei der KV Nordrhein noch einen anderen Vorstand. Dieser habe im Laufe der Zeit allerdings gewechselt und so könne auch die Zusage heute nicht mehr gelten.

Ludwig Hahn, Vorsitzender der Senioren Union erklärte in einem offenen Brief an den KV-Vorsitzenden Dr. Frank Bergmann: „Man kann wohl kaum davon ausgehen, dass im Notfall immer Verwandte oder Freunde bereitstehen, die Fahrt nach Eschweiler zu übernehmen.“ Bohnekamp und Schmitz überreichte Hahn 386 Unterschriften von Stolbergern, die sich gegen die Schließung aussprechen.

SPD-Fraktionsvorsitzender Patrick Haas kritisierte ebenfalls, dass die Entscheidung nicht in Rücksprache mit den Beteiligten getroffen worden sei. „Alle Anwesenden fühlen sich vor den Kopf gestoßen. Das können wir so nicht akzeptieren“, erklärte er und verlas eine Resolution, die vom Rat einstimmig befürwortet wurde. In dieser lehnt der Rat die Schließung des Stolberger Standortes ab und fordert die KV auf, die angekündigte Neuausrichtung auszusetzen und gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort im Rahmen eines runden Tisches eine Lösung zu finden. Bohnekamp und Schmitz kommentierten das am Dienstagabend nicht. Die Zukunft wird zeigen, ob die Schließung verhindert werden kann oder das Schriftstück ad acta gelegt wird.

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