Stolberg: Schleicherpark mit Weiher und Grotte

Stolberg : Schleicherpark mit Weiher und Grotte

Der 126. Teil unserer Serie „Gleich und doch anders - Ansichten über Jahrzehnte“ beschäftigt sich heute mit dem Gelände, das bei der Bergauffahrt in Richtung Münsterbusch rechts der Straße Fettberg liegt.

Dominiert wird das 1972 entstandene historische Vergleichsfoto von dem Tor des Schleicher-Parkes, einem mit Büschen bestandenen Terrain und dem Kamin der Zinkhütte Münsterbusch.

xx. Foto: Stadtarchiv Stolberg und T. Dörflinger</p>

Das in der rechten Bildhälfte liegende Tor, an dem sich beidseitig eine große Bruchsteinmauer anschließt, wird von einer eindrucksvollen Architektur gekennzeichnet. Links und rechts der Torflügel sind burgähnliche Türme zu sehen, die von einem Zinnenkranz bekrönt werden. Zinnen trägt auch das am rechten Bildrand liegende Mauerteil.

Scheinarchitektur

Gebaut hat diese historisierende Scheinarchitektur, schließlich liegt jenseits des Tores keine Burg, sondern ein Park, der renommierte Kupferstädter Architekt und Bauunternehmer Carl Peltzer. Er war um 1900 an dem Bauprojekt Schleicher-Park beteiligt.

Im Auftrage von Emil Schleicher errichtete Peltzer dort eine große Umfassungsmauer mit zwei Toren, eine Grabkapelle, eine Eisenbahnunterführung und einen Treppenaufgang.

Der Schleicher-Park ist ein englischer Landschaftsgarten, den der Industrielle Emil Schleicher im Zeitraum zwischen 1888 und 1908 westlich des Kupferhofes Unterster Hof im Hang des Schlossberges anlegen ließ. Er hatte den später nach ihm benannten Park, der anfänglich etwa 67 000 Quadratmeter groß war, auf einem von Industrieabgasen zerstörten Gelände errichtet.

Schleicher ließ das Gelände wieder aufforsten und mit Wegen, Wasserfällen, Gedenksteinen, Ruheplätzen, Weihern sowie einer Kapelle und einer Grotte ausstatten. Auf dem historischen Vergleichsfoto ist am linken Bildrand ein Kamin zu sehen.

Angebrochen

Der Kamin gehörte zur Zinkhütte Münsterbusch und ist vermutlich im Jahr 1993 abgebrochen worden. Zwischen Kamin und Parkmauer liegt in der Mitte des historischen Fotos ein mit Büschen bestandenes Brachland. Dieses Gelände, das einst ebenfalls der Zinkhütte gehörte, hatte die Stadt Stolberg im Zuge der in den 1970er Jahren erfolgten Rekultivierung der Halde Fettberg erworben.

Dieses Terrain war im Januar 1983 Anlass für einen Presseartikel. Seitens der SPD-Fraktion wurde angeregt, das zwischen der Straße Schlossberg und der Mauer des Schleicher-Parkes liegende Gelände aufzuforsten. Der Erfolg dieser damals in Angriff genommen Maßnahme ist offensichtlich: Wo 1972 nur vereinzelte Büsche für karges Grün sorgten, ist inzwischen ein stattlicher Laubwald entstanden.

Thema ist der Schleicher-Park auch am Dienstag, 25. September, um 19 Uhr, im Kulturzentrum Frankental. Dann wird Toni Dörflinger im Rahmen des 900-jährigen Stadtjubiläums unter dem Titel „Emils Gartenreich - der Schleicher-Park am Schlossberg“, die spannende Geschichte dieses Landschaftsparkes beleuchten. Fotos: Stadtarchiv Stolberg und T. Dörflinger

Mehr von Aachener Nachrichten