Sascha Bitz und die Online-Marketing-Agentur Bitzdesign

Jungunternehmer aus Eilendorf : Aus dem alten „Goethe“ ins moderne Marketing

Die ungewöhnliche Karriere des Sascha Bitz. Aus dem Schrauben an Motorrädern erwächst eine Biker-Kollektion, und aus dem Marketing für einen Barbershop wird eine ganze Pflegeserie für Bartträger.

„Wir sind durch Zufall auf Bitzdesign gestoßen ...“, schreibt Robert Gogic als Referenz auf die Internetseite des jungen Unternehmens. Der Stolberger Gastronom, der sein Engagement vom Vichter Landhaus ins Aachener Restaurant Luna verlagert hat, setzt auf Grafikdesign, Marketing und Socialmedia Management von Sascha Bitz.

Der 27-jährige Jungunternehmer aus Eilendorf wiederum spricht auch gerne von Zufällen, die zum Aufbau seiner Unternehmen und seines Teams beigetragen haben. Und ebenso zufällig zählen dazu immer wieder Absolventen des Stolberger Goethe-Gymnasiums. Es ist wie bei einer großen Familie, immer wieder kreuzen sich die Wege, und immer wieder kennt man einen, der helfen kann ...

So ist Vater Dieter Bitz eigentlich Büsbacher. Aber irgendwann hat es den Werbe- und Industriefotografen an die Eilendorfer Herrenbergstraße verschlagen, während Sohn Sascha am Stolberger „Goethe“ die Schulbank drückte und dort nicht nur Klassenkameraden, sondern wohl auch Freunde fürs Leben traf.

Jedenfalls hat die kreative Ader des Vaters abgefärbt, und schon mit 14 Jahren bastelt Sascha an seinen ersten Designentwürfen und Logos. Aus der 11. Jahrgangsstufe heraus wechselte er in eine Ausbildungsstelle als Medientechnologe Druck bei der unter anderem im Messebau engagierten WWM in Imgenbroich.

„Aber es war schon immer mein Traum, mich selbstständig zu machen“, erzählt Bitz junior. 2014 begann sein Geschäft mit gebraucht erworbenen Großformatdruckern – noch recht konventionell. Heute jettet Sascha Bitz viel mehr durch die virtuellen Welten, hat sich auf E-Learning-Plattformen tief ins Socialmedia Marketing vorgearbeitet.

Das begann aber – ganz zufällig – mit handfestem Schrauben an Motorrädern mit drei Freunden. Vor allem Chopper von Harley-Davidson und Honda haben die Jungs ganz nach eigenem Geschmack von Zubehöhr befreit und umgebaut – „Bobber“ nennt man solch individuellen Motorräder und die Clique sich selbst „Bobberbrother“. Die Jungs machten Fotos von ihren Fortschritten und posteten auf der Foto-Plattform Instagram.

Passendes T-Shirt

Zufällig kamen sie auch auf die Idee, sich ein passendes T-Shirt zu ihrem „Schrauber-Hobby“ drucken zu lassen. Als geübter Designer entwarf Sascha Bitz das Layout, und schon wurden die T-Shirts geordert – genauer gesagt 50 wegen der Mindestbestellmenge.

Die überschüssigen Shirts sollten eigentlich unter Freunden verteilt werden. Aber die Resonanz bei Instagram war überraschend groß. „Also haben wir sie dort zum Verkauf angeboten“, sagt Bitz. Rasend schnell gingen die T-Shirts weg. Und mit wachsendem Feedback war die Geschäftsidee geboren. Mit der Domain „bobberbrothers.com“ entstand ein Onlinestore für eine wachsende Kollektion in einem prosperierenden Abnehmerkreis. So ist – zufällig – ein lukratives Nebengeschäft zur jungen Online-Marketing-Agentur „Bitzdesign“ entstanden.

Und so richtig ab geht es mit den Motorradklamotten, als ein gewisser Paul Teutul die Postes liked und Shirts & Co. in der Staffel der US-Reality-TV-Serie „American Chopper“ trägt.

Auf Instagram und Facebook schnellen die Zahlen der Follower in die Höhe – vor allem dank der amerikanischen Fans und des aktiven Marketings auf den sozialen Plattformen. Über 360.000 folgen auf Instagram. Mittlerweile strebt Bitz mit der Marke einen sechsstelligen Umsatz an.

Bartöl wird selbst in Eilendorf abgefüllt. Foto: Bitzdesign

Längst unterstützen ihn Freunde beim Betreuen der Accounts sowie beim Packen und Verschicken von Bestellungen. „Bobberbrother“ ist mittlerweile so optimiert, dass das Team an der Herrenbergstraße sich auf Design und Marketing konzentrieren kann, während die Logistik ausgelagert wurde. Denn die Agentur „Bitzdesign“ ist weiterhin der Dreh- und Angelpunkt der Aktivitäten einer wachsenden Crew, die das Online und Marketinggeschäft betreut.

Zu der sind aus dem Freundeskreis weitere Goethe-Absolventen hinzugestoßen. Etwa Kevin Olbrich, der an der FH Communication und Mediadesign studierte, als Account Manager. Oder auch der 29-jährige Nick Josten (A2010). Der Sohn des Stolberger Prinzengardisten und Rechtsanwalts Günter Josten studierte Deutsche Literatur und Germanistik an der RWTH, war Mitarbeiter bei unserer Zeitung und dem Lokalradio, betreibt eine Künstleragentur, ist selbstständiger PR-Berater und arbeitet so auch im Team von „Bitzdesign“ mit.

„Wir kannten uns vom Sehen aus Schulzeiten“, erzählt Sascha Bitz. Getroffen haben sie sich aber – zufällig – bei einer Veranstaltung des Aachener Marketing Clubs, der für sie längst eine wichtige Plattform zum Netzwerken in der Region geworden ist. Und auch beim Aachener Gründernetzwerk AC² ist Sascha Bitz mittlerweile aktiv und zählt zum Beraterteam, zeigt dort wie Social Media Marketing für kleinere und mittlere Unternehmen funktionieren kann.

Beratung auf Youtube

Es funktioniert auch für eine andere Marke. Als Shain Eshghi vor einigen Jahren seinen Kings Barbershop in Aachen eröffnen wollte fand er in Sascha Bitz einen Geschäftspartner, mit dem er auf einer Wellenlänge liegt. Im englischen Hastings ausgebildet, wollte Esghi klassische britische Barbiertradition in die Kaiserstadt bringen. Bitz übernahm Branding, Design, Werbung und positionierte die Marke in der Stadt.

Aus dem Bart- und Haar-Styling entwickelte sich rasch der Ruf nach dem passenden Zubehör. Pomade, Shampoo, Öl, Scheren, Kämme sind in der Produktlinie „Charlemagne“ zu finden – und die passende Beratung. Nicht nur im Shop, sondern vor allem auch regelmäßig online auf einem Youtube-Channel.

Die Nachfrage nach den teilweise noch in Handarbeit in Eilendorf angefüllten Produkten wächst, die Agentur platzt in den angemieteten, großzügigen Räumen im Untergeschoss des elterlichen Hauses – wo für „Charlemagne“ mittlerweile eine eigene Abfülllinie aufgebaut ist  – aus den Nähten, und am 4. Januar soll das nächste Projekt nicht nur online gehen, sondern vor allem ganz konventionell im Umfeld des Aachener Marktes eröffnen: ein neuer Barbershop mit Produktverkauf.

Auch das ist nur ein Beispiel einer außergewöhnlichen Karriere eines Schülers des Stolberger Goethe-Gymnasiums. Mittlerweile betreut Sascha Bitz mit seinem breit gefächerten Agenturangebot rund 500 Kunden, beschäftigt acht Angestellte und je nach Aufgabenstellung ein breit gefächertes Team von Freelancern.

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