Ribbecks-Garten beim Fotorätsel Stolberg in Bewegung

Stolberg in Bewegung : In „Ribbecks-Garten“ wachsen schon die Birnen

„Ribbecks-Garten" liegt in einem Bergwerksgelände des 19. Jahrhunderts: Als „Ribbecks-Garten“ wird ein am Eburonen- und Gallierweg liegendes Areal bezeichnet, das aus einem Mehrgenerationenspielplatz und aus Obst- und Beerenanpflanzungen besteht, die jedermann zur Erntezeit kostenlos nutzen kann.

Ein Bergwerksgelände deswegen, weil auch im Terrain rund um „Ribbecks-Garten“ in der Mitte und im späten 19. Jahrhundert Zinkerz gefördert wurde.

Hauptbetriebspunkt des Grubenfeldes „Büsbacherberg/Brockenberg" war das um 1850 errichtete Schachtgebäude „Lilla" auf einer Anhöhe des Brockenberg. Denn bereits 1846 hatte man dort einen rund 53 Meter tiefen Schacht angelegt. Von der damals aus Maschinenhaus, Förderanlage und Wärterhaus bestehenden Schachtanlage hat nur das ehemalige Wärterhaus überlebt. Das heute als Wohnhaus genutzte Gebäude liegt etwa 100 Meter von „Ribbecks-Garten“ entfernt, dessen zweiter Bauabschnitt mit dem Mehrgenerationenspielplatz im Juli 2017 eingeweiht wurde. Die heimischen Obstbäume und Beerensträucher wurden im Januar dieses Jahres gepflanzt.

Zurück zum Bergbaugelände: Entstanden ist das Fördergebiet für den Abbau von Zinkerz in tieferen Lagen um 1840. Damals hatte der Regierungsrat und Unternehmer Jakob Bredt eine kleine Betriebsgesellschaft gegründet, die unter dem Namen „Kommanditgesellschaft Bredt & Co" den Erzabbau im Terrain Büsbacherberg/Brockenberg vorantrieb. Das Terrain lag südöstlich der Büsbacher Kernbebauung und reichte vom Brockenberg bis zur Liester.

Ein weiteres Schachtgebäude mit dem Namen „Luzilia" hatte man an der Ecke Bischofstraße/Reitmeisterweg errichtet: Dort hat viele Jahrzehnte das pharmazeutische Gummi- und Kunststoffunternehmen „Wimmer" gelegen. Nur wenige Jahre nach der Inbetriebnahme des Grubenfeldes Büsbacherberg/Brockenberg um 1840 wurde die Bredtsche Kommanditgesellschaft von der „Allianz" übernommen. Die als „Allianz“ bezeichnete Gesellschaft unterhielt im Stolberger Raum Erzgruben, die unter anderen in Werth, Mausbach, Büsbach und Breinigerberg lagen.

Aber auch Zink- und Bleihütten gehörten zum Besitz der „Allianz“. Doch die löste sich bereits 1856 auf und übergab ihre Anteile der „Stolberger Gesellschaft", zu der unter anderem die Erzgrube Diepenlinchen und die Münsterbuscher Blei- und Silberhütte gehörten. Das Grubenfeld „Büsbacherberg/Brockenberg“ hatte sich nicht als besonders ergiebig erwiesen. Zinkerz war in den tiefen Lagen nicht so reichlich vorhanden, wie man anfänglich vermutet hatte.

1880 wurde im Gebiet „Büsbacherberg/Brockenberg“ der Zinkerzbergbau endgültig eingestellt. Schon in vorindustrieller Zeit hatte man südöstlich von Büsbach Zinkerz abgebaut – allerdings das oberflächennahe, schwefelfreie Zinkerz Galmei. Galmei hatten die Stolberger Kupfermeister bis ins 18. Jahrhundert hinein gemeinsam mit Kupfer für die Herstellung der Legierung Messing genutzt. Gewonnen wurde das Galmei im Tagebauverfahren. Dazu wurden meist kreisrunde Löcher – sogenannte Pingen – in den Boden getrieben, um das Galmei abbauen zu können. Eine solche Pingenlandschaft aus vorindustrieller Zeit ist heute noch auf dem Brockenberg zu sehen. Besonders viele Pingen liegen rund um das ehemalige Schachtgebäude „Lilla“, das nur rund 100 Meter von „Ribbecks-Garten“ entfernt liegt.

In „Ribbecks-Garten“ grünt und blüht es zurzeit. Einige kleine Bäume tragen schon Birnen, die dem im 19. Jahrhundert entstandenen Fontane-Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland" gerecht werden. Denn dem Gedicht nach hatte Herr von Ribbeck im Herbst aus seinem Garten stammende Birnen an die Kinder der Umgebung verschenkt. Nach seinem Tode entstand auf seinem Grab ein Birnbaum, an dem man sich weiterhin mit dem wohlschmeckenden Obst versorgen konnte. Diese schöne Tradition soll nun zur Erntezeit auf dem Gelände am Gallier- und Eburonenweg fortgeführt werden

(doe)
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