Stolberg: Regionalkantor begeistert mit eigener Improvisation

Stolberg: Regionalkantor begeistert mit eigener Improvisation

Von Beginn an präsentierte Regionalkantor René Rolle die Qualitäten und Möglichkeiten der neuen Scholz-Orgel in der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt imposant, als er am Sonntag bei einem Konzert Werke aus knapp drei Jahrhunderten der Musikgeschichte intonierte.

Rolle beeindruckte die vielen Gäste auf der Mühle durch sein musikalisches Können, mit dem er die stilistische Bandbreite der Kirchenorgel hervorragend zur Geltung brachte.

Er eröffnete das Konzert mit Johann Sebastian Bach (1685-1750). Die virtuose „Dorische Toccata” mit ihrem reizvollen ständigen Spiel der Manuale mündete in die majestätische Fuge, bei der das Instrument zu seiner vollen klanglichen Schönheit aufbrauste (BWV 538). Auf Bachs „Liebster Jesu, wir sind hier” (BWV 731) folgte der erste Stilwechsel: Nach den opulenten, wuchtigen Werken Bachs ließ Rolle leichtere Klanggefüge erklingen, indem er „Schmücke dich, o liebe Seele” und „Jesus, meine Zuversicht” von Gottfried August Homilius (1714-1785) vortrug.

Improvisation aus dem Stehgreif

Rolle schloss mit Felix Mendelssohn-Bartholdys (1809-1847) Sonate IV in B-Dur (op. 64,4) an, um darauf den 200. Geburtstag von Franz Liszt (1811-1886) zu würdigen. Seine „Seelentröstungen”, die „Consolation Des-Dur” und die „Consolation E-Dur”, begeisterten das Publikum in St. Mariä Himmelfahrt. Als Finale erwartete die Gäste ein ganz besonderes Musikwerk: „Freie Improvisation über ein gegebenes Thema” von René Rolle.

Der Regionalkantor improvisierte tatsächlich aus dem Stehgreif - die Musik war nicht nur live gespielt, sie entstand auch live, denn das Publikum selbst machte Vorschläge für das gegebene Thema und rief Lieder aus dem „Gotteslob” in Richtung Orgelempore. Rolle entschied sich für „Maria, breit den Mantel aus”, das erstmals 1640 erschien.

Mit seinen moderaten Variationen des Motivs im Stile des französischen Impressionismus aus dem frühen 20. Jahrhundert führte Rolle das Konzert konsequent fort. Die logisch aufgebaute Improvisation schmeichelte den Ohren der Gäste und überraschte sie gleichermaßen. Lang anhaltender Applaus der Zuhörer war der Dank für seine Darbietung.

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