Ratssitzung Seniorenzentrum Stolberg: Kritik im nicht-öffentlichen Teil

Seniorenzentrum auf der Liester : Wurde der Rat nicht ausreichend informiert?

Der Rat fungiert gleichzeitig als Gesellschafterversammlung des städtischen Seniorenzentrums. Als es nun im nicht-öffentlichen Teil der Ratssitzung um das Thema ging, fühlten sich wohl einige Mitglieder nicht ausreichend informiert.

Eigentlich fand am Dienstagabend eine ganz normale Ratssitzung statt. Die Politik diskutierte – teils angeregt – über die verschiedenen Themen, und gegen 19.30 Uhr war der öffentliche Teil dann auch beendet. Doch wer sich auf einen frühen Feierabend gefreut hatte, lag falsch.

Laut Informationen unserer Zeitung dauerte der nicht-öffentliche Teil der Sitzung nämlich noch zwei weitere Stunden und das vor allem wegen eines Themas: der städtischen Seniorenwohn- und Sozialzentrum GmbH. Überraschend: Geschäftsführerin Gabriele Makola, die zum 1. September 2016 die Heimleitung und einen Monat später die Geschäftsführung auf der Liester übernommen hatte, stand diesmal nicht am Pranger. Dafür hagelte es allerdings Kritik an Bürgermeister Patrick Haas.

Allerdings nicht primär dafür, dass die 53-jährige Makola vom Dienst suspendiert werden sollte, sondern weil er den Rat, der gleichzeitig als Gesellschafterversammlung der Einrichtung fungiert, nicht genügend Informationen an die Hand gegeben habe. Das erklärten gleich mehrere Quellen gegenüber unserer Zeitung. Es sei sogar überlegt worden, ob die Sitzung auf den Mittwoch vertagt werde, damit die Mitglieder der Gesellschafterversammlung die Unterlagen in dieser Zeit erhalten. Doch schließlich habe man noch eine Entscheidung treffen können – wenn auch keine einstimmige.

Zwar wurde die Geschäftsführung des Seniorenzentrums vom Dienst suspendiert, allerdings wurde über das Thema ausführlich diskutiert. Foto: Jürgen Lange

Erst in der vergangenen Woche berichteten wir, dass es im Seniorenzentrum einen Neuanfang geben sollte. Immer wieder war die Einrichtung in der Vergangenheit in die Schlagzeilen geraten. Die entwickelte sich unter Makolas Leitung nämlich immer weiter zu einem Fass ohne Boden. Die 600.000 Euro, die die Stadt 2017 bereits zusätzlich zur Wahrung der Liquidität in die SWZ gepumpt hatte, waren längst aufgebraucht. Alle Prognosen überholten sich schneller, als es einem Kämmerer lieb sein kann. „Anfang dieses Jahres sah der genehmigte Wirtschaftsplan für 2019 noch einen Zuschussbedarf von 300.000 Euro durch die Stadt vor“, berichtete Haas. „Im April war dieser bereits auf eine Höhe von 1,185 Millionen Euro angewachsen.“

Zehn Monate nach dem Einzug in das auf 25 Jahre angemietete Gebäude auf dem Gelände der früheren Propst-Grüber-Schule sprachen Bürgermeister Patrick Haas und die Geschäftsführerin Gabriele Makola über eine einvernehmliche Auflösung des Vertrages. Unmittelbar nach der Entscheidung des Stadtrates sollte mit einer Interimsgeschäftsführung schließlich der Neuanfang der Einrichtung eingeleitet werden, bestätigte Haas in der vergangenen Woche gegenüber unserer Zeitung.

Pflegedienstleitung und Mitarbeiter des Seniorenheims waren über die Entwicklung informiert worden, nachdem zuvor die Kölner Unternehmensberatung Rosenbaum Nagy im Rathaus die Ergebnisse ihrer sieben Wochen währenden Analyse vorgestellt hatte. „Das vorgelegte Gutachten zeigt transparent die aktuellen Defizitquellen, -höhen und -ursachen“, berichtete der Bürgermeister. Im Einvernehmen mit der Verwaltungsspitze und in Absprache mit den Vorsitzenden der Ratsfraktionen hat Patrick Haas die Konsequenz gezogen und das vertrauensvolle Gespräch mit Gabriele Makola gesucht.

Rückfragen im nicht-öffentlichen Sitzungsteil

Dass bei dem städtischen Seniorenheim Konsequenzen ins Haus stehen würden, war spätestens seit der Sitzung des Stadtrates im Juli nur eine Frage der Zeit. Einstimmig wurde Makola die Entlastung für das Geschäftsjahr 2018 verweigert. Die zuvor von ihr vorgestellte Wirtschaftsplanung für das laufende und folgende Jahr war für die politischen Vertreter nur schwer bis gar nicht verdaulich. Sie schickten eine Unternehmensberatung ins Seniorenzentrum auf der Liester. Die Kosten dafür: 80.000 Euro. Die Ergebnisse hätte die Gesellschafterversammlung allerdings bis heute nicht zu Gesicht bekommen und das, obwohl der Bürgermeister dazu mehrfach aufgefordert worden sei.

Das habe dann auch zu Rückfragen im nicht-öffentlichen Sitzungsteil geführt, die von Haas allerdings nicht beantwortet worden seien. Vielmehr habe Haas den Anwesenden eine dreiseitige Vorlage präsentiert, in der – laut Informationen unserer Zeitung – keine Neuigkeiten enthalten waren. Und damit nicht genug. Auch Informationen, über welche Qualifikationen Makolas Nachfolgerin verfüge – sie soll an zwei Tagen in der Woche in der Einrichtung eingesetzt werden und einen Tagessatz von rund 1200 Euro erhalten – habe es nicht gegeben. Auf Nachfrage habe Haas erklärt, dass man die Personalien ja googeln könne. Ein Tropfen, der das bildliche Fass zum Überlaufen gebracht haben soll. Von nahezu allen Seiten soll es Kritik gehagelt haben. Man könne schließlich nicht über etwas abstimmen, das man nicht kenne, habe es geheißen. Die Informationspolitik des Bürgermeisters gegenüber der Gesellschafterversammlung muss sogar für so heftige Debatten gesorgt haben, dass die Entscheidung fast vertagt worden und der Rat am gestrigen Mittwoch erneut zu einer Sondersitzung zusammengekommen wäre.

Letztlich sei dann doch der mehrheitliche Beschluss gefasst worden, Makola zu suspendieren. Hans Emonds (UWG) war laut Informationen unserer Zeitung allerdings der Einzige, der dagegen stimmte. Aufgelöst wird der Vertrag mit Makola übrigens zum 31. März 2020. So lange soll sie weiterhin ihr Gehalt beziehen.

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