Stolberg/Aachen: Prozessauftakt: Angeklagter soll Nichten mehrfach missbraucht haben

Stolberg/Aachen : Prozessauftakt: Angeklagter soll Nichten mehrfach missbraucht haben

Am 25. November war der Angeklagte Lorenz S. dabei erwischt worden, wie er in einem Wäldchen nahe eines Parkplatzes in Stolberg sexuelle Handlungen mit einem Kind ausführte. Ein Zeuge hatte die Szene von dem Parkplatz aus gesehen und die Polizei gerufen.

Am Mittwoch begann vor der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts Aachen der Prozess gegen den 57-jährigen Arbeiter wegen zwölffachen schweren sexuellen Missbrauchs zweier Mädchen im Alter von heute acht und neun Jahren. Damals bei der Verhaftung wusste zunächst niemand, dass es sich bei den Opfern des mutmaßlichen Täters um seine beiden Nichten handelte.

Seit Anfang April des vergangenen Jahres soll der 57-Jährige, der aus einer einfachen Familie stammt und angab, zwölf Geschwister zu haben, nach den in der am Mittwoch verlesenen Anklageschrift erhobenen Vorwürfen die beiden Mädchen mit zum Spielen auf den nahen Parkplatz genommen haben. Dann lockte er sie mit Geldversprechen in das nahe Wäldchen, um sie dort „oben und unten“ anfassen zu können, wie es in der Anklage heißt. Dabei habe sich der Angeklagte selbst befriedigt. Zunächst sei nur das größere Mädchen betroffen gewesen, dann vergriff er sich laut Staatsanwaltschaft auch an der zur Tatzeit siebenjährigen Schwester.

Aussage verweigert

Weil der Angeklagte jede Auskunft verweigerte, mussten am Mittwoch vor der Kammer unter Vorsitz von Richter Florian Handke die beiden Kinder vernommen werden. Das geschah unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Vorher jedoch erklärte sich der Vater der beiden Mädchen bereit, als Zeuge auszusagen, obwohl er dies als naher Verwandter gemäß der Strafprozessordnung nicht hätte tun müssen.

Doch der 51-Jährige gab Auskunft über die Zeit, seit der vorher allein lebende Bruder seiner Frau 2016 mit ihnen gemeinsam eine Wohnung in Stolberg bezogen hatte. Die beiden Männer hätten sich eigentlich ganz gut verstanden, berichtet der Vater der Mädchen, er habe sich nicht auffällig verhalten. Der Schwager sei morgens sehr früh zur Arbeit gegangen, entsprechend früh ging er auch zu Bett. In seiner Freizeit habe er sich um die Kinder gekümmert, wie das in Familien so sei, „ganz normal“. Die beiden Mädchen seien gerne mit dem Onkel gegangen.

Das habe sich erst zwei Monate vor der überraschenden Festnahme des Schwagers geändert. Da sei insbesondere die Ältere zurückhaltender geworden. Die Verhaltensänderung habe aber keinen Anlass zur Sorge gegeben.

Fortsetzung am 4. Juli

Die Mutter der beiden Mädchen hatte jegliche Angaben zu ihrem Bruder verweigert. Der Prozess wird am 4. Juli ab 9 Uhr im Aachener Landgericht fortgesetzt.

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