Aachen/Stolberg: Prozess gegen Kinderpeiniger: „Sadistisches Potenzial gezeigt“

Aachen/Stolberg : Prozess gegen Kinderpeiniger: „Sadistisches Potenzial gezeigt“

Im Prozess am Aachener Landgericht gegen zwei junge Stolberger, die einen Jugendlichen und ein Kind immer wieder brutal gequält haben sollen, hatten am Montag Gutachter und Zeugen das Wort. Was die psychiatrischen Sachverständigen über Rene M. und (19 Jahre) und Ali-Riza E. (21) und ihre sadistischer Handlungen an einem Bekannten zu sagen hatten, zeichnete kein gutes Bild der Angeklagten.

Schon im vorangegangenen Bericht der Jugendgerichtshilfe — die wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Vergewaltigung angeklagten Täter fallen noch unter das Jugendstrafrecht — blitzte am Montag nur für Rene M. noch ein Fünkchen Hoffnung auf. Der Grund: Die Sozialarbeiterin konnte bei ihm, anders als ihre Kollegin, im Fall von Ali-Riza E. bislang noch keine „schädlichen Neigungen“ feststellen.

Der Begriff „schädliche Neigungen“ bezeichnet juristisch eine Prognose. Hat ein Jugendlicher „schädliche Neigungen“, so ist voraussichtlich bei ausbleibenden erzieherischen Maßnahmen mit weiteren Taten zu rechnen. Der Begriff bezeichnet also eine hohe Rückfallgefahr.

Gutachterinnen

In ihren anschließenden Vorträgen vor der 3. Großen Jugendkammer unter dem Vorsitz von Richter Jürgen Beneking kamen die beiden psychiatrischen Gutachterinnen Konstanze Jankowski und Annette Rauch zu einem eindeutigen Ergebnis. Beide Angeklagte hätten in ihren Handlungen gegenüber den beiden Opfern ein durchaus von innen kommendes sadistisches Potenzial gezeigt.

Jankowski sah bei ihrem Probanden Ali-Riza E. bereits deutliche und verfestigte „Brutalitäten und Unbarmherzigkeiten“. Die beiden Angeklagten hatten gestanden, im Jahr 2017 mehr als ein halbes Jahr lang ihren damals 17-jährigen, geistig leicht behniderten Freund gequält, geschlagen, verbrannt, verbal gedemütigt und die dabei gedrehten Videos auf der Plattform Snapchat ins Netz gestellt zu haben. Auch einen Elfjährigen, im selben Haus in Stolberg lebend, hatten sie misshandelt.

Ihre geäußerte Reue, so stellten beide Gutachterinnen fest, sei eher auf die für die Angeklagten unmittelbar einsetzenden massiven Tatfolgen zurückzuführen als auf innere Einsicht. Im Übrigen seien beide Männer geistig zwar nicht sonderlich leistungsfähig, dies liege jedoch keinesfalls unter einem Level, das zu etwaigen Strafmilderungen führen könne.

Gerade die Frage des Vorhandenseins schädlicher Neigungen dürfte für das Gericht bei der Urteilsfindung entscheidend sein. Es geht dabei um die Grenze für eine mögliche Bewährungsstrafe oder um die Verhängung von Haftstrafen.

Vor den gutachterlichen Berichten hatten am Montagmorgen noch Zeugen das Wort. Zwei gleichfalls noch junge Nachbarinnen der beiden Angeklagten berichteten, wie sie die sadistischen Videos auf Snapchat gesehen hatten — und als Opfer ihren liebenswerten Nachbarjungen erkannt hatten.

Die Nachbarinnen filmten die Beweisvideos ab und gingen zur Polizei, damit die Sache schnellstmöglich ein Ende habe. Am kommenden Mittwoch wird das Urteil in diesem Fall erwartet.

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