Projekt Zoom: Jugendwerkstatt Stolberg und Stadt fördern Jugendliche

Projekt „Zoom“ : Jugendliche sollen sich mit dem eigenen Quartier identifizieren

Ein weiteres Projekt aus dem Integrierten Handlungskonzept steht in den Startlöchern. Unter dem Titel „Zoom – Jugendliche aktiv im Quartier“ sollen vor allem benachteiligte Jugendliche in den Fokus rücken.

Aber was verbirgt sich dahinter eigentlich? Das wissen Holger Vanicek (Vorstand der Jugendberufshilfe Stolberg) und Katja Knopse (pädagogische Leiterin der Jugendwerkstatt). „Es ist eine Chance für Jugendliche sich mit einzubringen. Das wollen wir unterstützen“, sagt Knospe. Doch von vorne.

Mit diesem Projekt sollen benachteiligte und bildungsferne junge Erwachsene erreicht werden. Das Ziel: Sie sollen eine individuelle Begleitung erfahren, aber auch in Gruppen gemeinsam Lernen und selbst aktiv werden. Ein Fokus soll dabei auf den Bereichen Medien und Gestaltung im Quartier liegen. Was sich die Verantwortlichen – also die Stadt Stolberg und die Jugendberufshilfe – davon versprechen? Dass die jungen Erwachsenen sich mit ihrem Wohnviertel identifizieren, das Miteinander unterschiedlicher Kulturen und das Selbstwertgefühl der Jugendlichen wieder gestärkt werden.

Hohe Mindestsicherungsquote

Das dies oft nicht der Fall ist, wissen Vanicek und Knospe aus eigener Erfahrung. „Unsere Gesellschaft spaltet sich immer mehr. Da lauert die Gefahr, dass viele sich nicht mehr dazugehörig fühlen. Jugendliche sind meist die ersten, bei denen das der Fall ist. Da muss man ansetzen“, sagt Holger Vanicek.

Zum Hintergrund: Die Mindestsicherungsquote der Personen unter 18 Jahren liegt in Stolberg bei 24 Prozent – der zweithöchste Wert in der gesamten Städteregion, nur in Eschweiler liegt dieser Wert noch höher. Besonders ausgeprägt ist diese Quote in den Sozialräumen Oberstolberg (31,6 Prozent), Unterstolberg (29,7 Prozent) und Münsterbusch (17,8 Prozent). Gerade in diesen Stadtteilen spielen auch Themen wie Jugendarbeitslosigkeit oder auch Bildungsbenchteiligung immer wieder eine Rolle. Jugendliche, die sich in prekären Lebenssituationen befindet, gibt es in diesen drei Vierteln besonders häufig. Das Projekt „Zoom“ soll deshalb eine Schlüsselmaßnahme im Integrierten Handlungskonzept sein und richtet sich an die Zielgruppe der sozial im Abseits stehenden Jugendlichen.

Stolbergs Erster Beigeordneter Robert Voigtsberger sowie Sozialplaner Leo Jansen und Sozialamtsleiter Paul Schäfermeier wissen – nicht zuletzt durch den Sozialbericht der Stadt Stolberg –, dass gerade in Münsterbusch, Ober- und Unterstolberg das eigene Viertel oft eher negativ wahrgenommen wird. „Oft ist es so, dass der eigene Input als gar nicht so wertvoll für das Viertel erachtet wird. Ziel des Projekts ist es, dass die Jugendlichen Motivation entwickeln, sich für das eigene Viertel einzusetzen“, sagt Voigtsberger. Und das kann auf verschiedene Weisen stattfinden. Eine Fotografin und ein bildender Künstler sind bereits mit von der Partie. Welche konkreten Projekte sich daraus entwickeln, soll die Zukunft zeigen.

Das Projekt „Zoom“ besteht aus insgesamt drei Bausteinen: die kulturpädagogischen Aktionen, die Netzwerkarbeit und die aufsuchende Sozialarbeit. Zum Team der Mitarbeiter gehört eine hauptamtliche Vollzeitkraft, die als sogenannter Kümmerer und Impulsgeber in den Quartieren fungieren soll. An dieser Stelle kommt Sozialarbeiter Thomas Bell ins Spiel. Anfang April hat er seine Arbeit aufgenommen. Derzeit verschafft er sich einen Überblick über die einzelnen Viertel und nimmt Kontakt zu verschiedenen Einrichtungen – wie beispielsweise zum Jugendbus, zum Jugentreff Westside oder auch zur Volkshochschule – auf. So soll zunächst geklärt werden, welche Jugendlichen überhaupt angesprochen werden können.

Grundsätzlich richtet sich das Angebot an junge Erwachsene zwischen 14 und 21 Jahren. Unterstützt wird Bell zudem durch Fachkräfte aus der Jugendkulturarbeit, die sich um die kulturpädagogischen Aktionen kümmern. Eng verknüpft arbeitet dieses Team zudem mit den Mitarbeitern der Jugendwerkstatt der Jugendberufshilfe Stolberg zusammen. Mit von der Partie sind natürlich auch Sozial- und Jugendamt, die das Kooperationsnetzwerk aufbauen.

Offener Einstieg

Zu den Handlungsstrategien des Projekts zählen: Die Teilnahme der Jugendlichen geschieht freiwillig, es besteht die Möglichkeit eines offenen Einstiegs im Verlauf des Projekts, die Jugendlichen haben Mitbestimmungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Außerdem sollen die Gegebenheiten und Stärken der Quartiere genutzt werden.

Und wie sehen nun die weiteren Schritte aus? Gerade erst ist das Projekt gestartet. Die Pilotphase im Sozialraum Unterstolberg soll voraussichtlich zwischen Mai und Dezember dieses Jahres stattfinden. Eine zweite Phase, in der die Ausweitung auf das Viertel Münsterbusch/Liester im Fokus stehen soll, steht voraussichtlich zwischen Januar und Juni 2020 auf dem Programm. In der dritten Phase (Juli bis November 2020) ist dann die Ausweitung auf den Sozialraum Oberstolberg an der Reihe. Im Dezember 2020 soll das Projekt abgeschlossen sein und für die Zukunft weiter aufgestellt werden.

Die Stolberger Politik hat sein Okay bereits gegeben. Sowohl der Ausschuss für Soziales und Generationengerechtigkeit (ASG) wie auch der Kinder. und Jugendausschuss (KJA) sowie Hauptausschuss und Rat sprachen sich dafür aus. Die Politik stellte damit auch sicher, dass der Eigenanteil im Umfang von 18.774 Euro für die Haushaltsjahre 2019 und 2020 gewährt wurde.

180.000 Euro Fördervolumen

Die Projektmittel stehen der Jugendberufshilfe für die Betreuung des Projekts in Zusammenarbeit mit der Stadt zur Verfügung. Das gesamte Fördervolumen beträgt 180.000 Euro und wird zu 90 Prozent von Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds gefördert.

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