Projekt „Oberstark“ aus dem Handlungskonzept startet in Oberstolberg

Integriertes Handlungskonzept : Mit dem Projekt „Oberstark“ gegen Kinderarmut in Oberstolberg

Vor dem Alten Rathaus ist in diesen Tagen ein neues Projekt gestartet. Es trägt den Titel „Oberstark“ und ist eine Maßnahme aus dem integrierten Handlungskonzept. Angesprochen sollen sich durch das Projekt alle Kinder Oberstolbergs bis zum 14. Lebensjahr mit ihren Familien.

„Was ist das?“ fragen die beiden Mädchen und ihre Augen werden immer größer während sie auf die Antwort warten. „Das ist Rhabarber“ sagt Thomas Graff und zeigt auf die Stangen, die direkt neben ihm auf dem Tisch liegen. „Man schneidet die Blätter ab, würfelt ihn in kleine Stücke, gibt noch einige Zutaten hinzu und dann hat man Rhabarberkompott“, fährt er fort und die Mädchen sind mit seiner Antwort so zufrieden, dass sie selbst einmal davon kosten möchten. Neben dem selbstgemachten Rhabarberkompett füllt Thomas Graff ein wenig Vla in die bunten Schüsseln – natürlich ebenfalls selbst zubereitet. Nach wenigen Minuten sind die Schüsselchen leer und die Kinder zufrieden.

Vor dem Alten Rathaus ist in diesen Tagen ein neues Projekt gestartet. Es trägt den Titel „Oberstark“ und ist eine Maßnahme aus dem integrierten Handlungskonzept „Berg- und Talachse – Miteinander für Münsterbusch, Ober- und Unterstolberg“. Es wird mit insgesamt 90 Prozent – also 400.000 Euro – aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Zehn Prozent beträgt der Eigenanteil für die Stadt Stolberg.

Das Ziel: Alle Kinder Oberstolbergs bis zum 14. Lebensjahr sollen mit ihren Familien durch das Projekt angesprochen und zum Mitmachen eingeladen werden. Denn: Rund 50 Prozent der insgesamt 450 Kinder und Jugendlichen bis 14 Jahren, die in Oberstolberg leben, sind von Armut betroffen. Dazu hat sich ein Trägerverbund aus Helene-Weber-Haus (HWH) Stolberg, Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Stolberg und dem Verein Betreute Schule Aachen-Land gemeinsam mit der Stadt formiert, der ab Januar bis einschließlich Dezember 2020 das Projekt umsetzen will.

Luftballons für die kleinen Stolberger gab es von Yvonne Rößner (SkF). Für ein neues Projekt ist sie auf der Suche nach Kinderfahrrädern. Foto: ZVA/Sonja Essers

Nun fiel der Startschuss: Jeden Mittwoch sollen bis zu den Sommerferien von 15 bis 17 Uhr Aktionen stattfinden, um auf das Projekt aufmerksam zu machen. Die regelmäßig stattfindenden Aktionen vor dem Alten Rathaus sollen nur der Anfang sein, verrät Yvonne Rößner (SkF Stolberg). Gemeinsam mit ihren Kollegen Tea Rasch (AWO/Betreute Schulen Aachen Land) und Thomas Graff (Helene-Weber-Haus) erfüllt sie die Ideen mit Leben. So auch an diesem Nachmittag. Während Thomas Graff fleißig Rhabarberkompott und Vla verteilt, füllt Yvonne Rößner Luftballons auf, die sich bei den kleinen Stolbergern großer Beliebtheit erfreuen.

In der ersten und zweiten Woche der Sommerferien sind Kinder und ihre Eltern zudem montags bis freitags zwischen 10 und 13 Uhr zum Sommertreff auf dem Schulhof der Grüntalschule eingeladen. In diesem Rahmen will man ins Gespräch kommen, kreative Projekte anbieten oder auch Hochbeete zur Verschönerung des Schulhofes gestalten.

Eine Aktion, für die Rößner, Rasch und Graff die Unterstützung der Stolberger brauchen: Die Kinder in Oberstolberg sollen das Radfahren lernen. Dort begleiteten sie nun die Radfahrprüfung und stellten fest, dass etliche Kinder nicht richtig Radfahren können, weil sie kein Fahrrad besitzen. Aus diesem Grund sei man nun auf der Suche nach Kinderfahrrädern. Diese können in der Grüntalstraße 5 abgegeben werden und die Mitarbeiter der Wabe bringen diese auf Vordermann, damit die Kinder nachmittags – oder auch im entsprechenden Schulunterricht – Radfahren lernen können. Gelagert werden sollen die Räder dann in der Grundschule an der Grüntalstraße.

In der fünften und sechsten Ferienwoche wird es zudem zwei Schwimmkurse für Kinder der Grüntalschule geben. In den Herbstferien könnten weitere starten. Mit Hilfe des Schulamtes wolle man entsprechende Projektgelder beantragen, so Rößner.

Jeden Dienstag (9 bis 12 Uhr) und jeden Donnerstag (15 bis 17 Uhr) findet ein offener Treff in der Grüntalstraße 5 statt, bei dem jeder willkommen ist. „Wir sind eine Anlaufstelle für Kinder und Erwachsene. Wir helfen und begleiten“, sagt Rößner. Visionen, die darauf warten umgesetzt zu werden, gebe es eine ganze Menge. Der erste Schritt in diese Richtung ist seit dem Auftakt in dieser Woche gemacht.

Mehr von Aachener Nachrichten