Stolberg: Projekt Familienpaten: Eine helfende Hand im stressigen Alltag

Stolberg: Projekt Familienpaten: Eine helfende Hand im stressigen Alltag

Jeder will einmal: auf den Arm genommen werden, am Fläschchen nuckeln, auf dem Schaukelpferd sitzen. Und das am besten auch noch zeitgleich. Die zwei Hände von Mama Zofia sind da definitiv zu wenig, wenn Eva (2) und die Zwillinge Inga und Paul (1) lautstark ihren Wünschen Gehör verschaffen. Doch da erscheinen plötzlich zwei weitere helfende Hände.

Es sind die von Gudrun Zipperer. Die 55-Jährige nimmt Inga auf den Arm, setzt Eva behutsam aufs Schaukelpferd und lässt den kleinen Paul bei Mama. Das Gequake der Kleinen erstirbt im Nu, und mit der Ruhe taucht auf den vielen Gesichtern im Raum ein erleichtertes Lächeln auf.

Rückblick: Es ist Mai dieses Jahres. Unsere Zeitung berichtet groß über die Gottschalks — eine achtköpfige Familie aus Stolberg: Mama Zofia, Papa Arnd, Töchter Susanna (11) , Helena (8), Eva (2), Sohn Jan (10) und die Zwillinge Paul und Inga (1). Ein glücklicher bunter Haufen, dem jedoch eins zuweilen fehlt: Zeit. Die Tage sind durchstrukturiert bis in die letzte Minute, vom Einkaufen über das Mittagessen bis zum Zubettgehen. „Trotzdem hat man eigentlich nie genug Hände“, erklärte Arnd Gottschalk damals. Und weil der Alltag der Großfamilie zwar immer schön, aber auch ganz schön kompliziert war, wünschten sich Papa Arnd und Mama Zofia wenigstens für ein paar Stunden in der Woche Unterstützung — einen Familienpaten. Den haben sie jetzt gefunden: in Gudrun Zipperer.

Die 55-Jährige wurde damals über den Artikel auf Familie Gottschalk und das Projekt Familienpaten aufmerksam. Das Kooperationsprojekt von Bethlehem Gesundheitszentrum, dem SkF und SKM vermittelt ehrenamtliche Helfer, die in ihrer Freizeit Familien unter die Arme greifen. So wie jetzt Gudrun Zipperer. Einmal die Woche kommt die Frau aus Eschweiler für ein paar Stunden nach Stolberg, geht mit den Kleinen spazieren, hilft beim Füttern, geht mit den Größeren auch mal ins Kindertheater. „Schon allein diese paar Stunden helfen mir, ein paar Erledigungen zu machen“ sagt Zofia Gottschalk.

Denn wenn die 42-Jährige gerade jetzt in den Wintermonaten die ganze Rasselbande ins Auto packen muss, vorher jedem die dicken Wintersachen anzieht, um dann im Supermarkt ein paar Einkäufe zu erledigen, dann grenzt das zuweilen schon fast an eine logistische Herausforderung. Jetzt kann sie in zwei Stunden das erledigen, wofür sie sonst mindestens vier brauchen würde. Das Stolberger Projekt Familienpaten gibt es seit November 2009. „Derzeit laufen 18 Patenschaften hier in der Stadt“, erzählt eine der Koordinatorinnen, Martina Küpper, vom Bethlehem Gesundheitszentrum. „Zehn Familien stehen derweil noch auf der Warteliste. Drei Paten sind in Vorbereitung.“ Vorbereitung, das heißt: Die Koordinatorinnen Martina Küpper und Sabine Beckers (Sozialdienst Katholischer Männer) treffen eine erste Vorauswahl.

Vorauswahl

Sie prüfen, ob sich die Wünsche des Paten mit denen der Familie vereinbaren lassen. Denn nicht jeder passt zu jedem — die Chemie muss stimmen. Bei Familie Gottschalk und Gudrun Zipperer stimmt sie. „Paul hat mich sofort akzeptiert“, sagt Zipperer und erzählt weiter: „Mit Eva musst ich draußen nur eine Runde Trampolin springen — und das Eis war gebrochen.“ So trifft auf diese Kombination — Gottschalks und Zipperer — genau das zu, was im Sinne der Koordinatorinnen ist: „Wir bringen zwei Puzzlestücke — Familie auf der einen Seite, Pate auf der anderen Seite — zusammen“, sagt Sabine Beckers. Beim ersten Treffen sind die Koordinatorinnen mit von der Partie. Wird die Patenschaft übernommen, bestimmen Eltern und Paten jeweils, wie die Unterstützung aussehen soll. Zudem gibt es eine Probezeit. Und es gibt Schulungen, die von Seiten der Paten gewünscht und dann auch realisiert werden: zum Ausländerrecht, zum Versicherungsschutz oder zur Ersten Hilfe.

Ehrenamtlich macht Zipperer das, was auf der einen Seite Familie Gottschalk hilft, ihr aber auch Freude macht. „Ich liebe Kinder“, betont Zipperer lachend und fügt mit einem Schmunzeln auf den Lippen hinzu: „Und da sich meine beiden erwachsenen Töchter ein wenig Zeit mit dem Kinderkriegen lassen, finde ich hier eben das, was mich glücklich macht.“ Als Ersatz-Omi will sie allerdings nicht gelten. Eben als Familienpatin. Nicht mehr und nicht weniger.

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