Stolberg: Preisschock an der Zapfsäule trifft Pendler und Spediteure

Stolberg: Preisschock an der Zapfsäule trifft Pendler und Spediteure

So mancher reibt sich in diesen Tagen verwundert die Augen: Benzin- und Dieselpreise erreichen derzeit neue Höchststand. Der Preisschock an der Zapfsäule trifft vor allen Dingen all jene, die auf ihr Auto angewiesen.

Etwa die Hälfte der 8,3 Millionen Erwerbstätigen in Nordrhein-Westfalen pendelte im Jahr 2010 jeden Tag über die Grenzen ihrer Wohnsitzkommune hinweg zur Arbeit.

Wie die neue Pendlerrechnung des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik zeigt, sind in Stolberg rund 20.163 Erwerbstätige beschäftigt. Davon pendeln jeden Tag 9434 aus anderen Gemeinden und 10.729 aus Stolberg zur Arbeit. Macht eine Einpendlerquote von 46,8 Prozent. Die meisten kommen aus Aachen (2704) und Eschweiler (1819) zur Arbeit nach Stolberg. Umgekehrt pendeln jeden Tag rund 8004 Menschen zur Arbeit nach Aachen.

Kopf nicht in den Sand stecken

Ob der Preisentwicklung steigen immer mehr Pendler auf Bus und Bahn um. Das liegt aber nicht nur an den saftigen Preisen, sondern auch daran, dass das Angebot im Öffentlichen Personennahverkehr und auf der Schiene in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut wurde, sagt Hans-Joachim Sistenich, Geschäftsführer des Aachener Verkehrsverbundes (AVV): „Insgesamt stellen wir fest, dass der Trend weiter nach oben geht. In den vergangenen zehn Jahren haben wir einen Zuwachs von 65 Prozent bei unseren Kundenzahlen.”

Von solchen Zahlen können die Stolberger Tankstellen-Pächter nur träumen. Sie erleben in den vergangenen Tagen den Frust der Autofahrer, die sich über die hohen Preise beschweren. Dabei wissen die Pächter nicht einmal selber, wann sich die Zahlen auf der Preistafel bewegen. Denn das wird von Mutterkonzern quasi ferngesteuert. „Wenn ich wüsste, wann der Sprit am billigsten ist, würde ich mir einen Vorrat anlegen”, sagt ein Tankstellen-Pächter.

Helmut Haas, dessen Bussflotte nicht nur Urlauber fährt, sondern auch für den ÖPNV im Einsatz ist, rechnet mit 480.000 Euro an Mehrkosten durch die gestiegenen Diesel-Preise in 2011. „Wir brauchen so ungefähr 1,6 Millionen Liter Diesel pro Jahr”, sagt Haas. Und ein Liter sei durch die Bank weg im Schnitt um mehr als 30 Cent gestiegen. „Im Moment ist die Situation für uns relativ schwierig”, sagt der 61-Jährige. die Preise seien zwar etwas erhöht worden, doch könne man nicht die kompletten Kosten auf die Verbraucher umlegen. Sonst verliert ein Unternehmen seine Wettbewerbsfähigkeit. „Aber den Kopf in den Sand setzen, kann man auch nicht”, sagt Helmut Haas.

Hart trifft es auch die Speditionen: Beispiel Rütgers aus Stolberg. 2,4 Millionen Liter verbraucht der Fuhrpark durchschnittlich im Jahr. „Über die Mehrkosten brauchen wir uns also gar nicht zu unterhalten”, sagt Geschäftsführer Heinz Rütgers. Bisher musste das Unternehmen noch niemanden entlassen. Das will der 85-Jährige auch für die Zukunft vermeiden. Doch zu den ohnehin hohen Preisen kommt im Winter ein weiterer Faktor hinzu: Wegen der tiefen Temperaturen muss Winter-Diesel getankt werden. Der flockt bei Minus-Graden nicht. Auch ist er nicht wesentlich teurer als der normaler Diesel, aber dafür ist die Qualität schlechter und er somit im Verbrauch höher.

Und so rechnet Heinz Rütgers hin und her, wie er im Konkurrenzkampf mit den Mitbewerben aus Europa, wo vielerorts der Sprit billiger ist, noch mithalten kann. „Was uns helfen würde oder zumindest ein Zeichen setzen würde: Alle Transportunternehmen in Deutschland müssten für eine Woche mal die Lkw auf dem Hof stehen lassen”, plädiert Rütgers. Doch ob sich das realisieren lässt? Da ist selbst er skeptisch.

Zumindest im Internet dürfte Vorschlag viele Anhänger finden. Eine Facebook-Gruppe ruft dazu auf am 1. März in ganz Deutschland nicht zu tanken. Innerhalb weniger Tage haben sich mehr als 480.000 zugesagt. Ob an diesem Tag auch in Stolberg niemand mehr tankt? Wir dürfen gespannt sein...