Stolberg: Petra Grüttemeier freut sich auf die Museumsnacht

Stolberg: Petra Grüttemeier freut sich auf die Museumsnacht

Mit „eine kleine Erfolgsgeschichte“ ist die Festschrift zur zehnten Stolberger Museumsnacht untertitelt. Eine charmante Untertreibung, denn aus den Anfängen hat sich eine Großveranstaltung mit hohem kulturellem und gesellschaftlichen Stellenwert entwickelt, die inzwischen weit über die Grenzen der Kupferstadt hinaus bekannt und beliebt ist.

Wenn am Samstag, 2. November, ab 19 Uhr wieder Kleinbusse und Fußgänger zwischen dem Museum Zinkhütter Hof, der Stolberger Burg, dem Kupferhof Rosental und dem Museum in der Torburg pendeln, ist Petra Grüttemeier dafür hauptverantwortlich. Dirk Müller sprach mit der Organisatorin der Museumsnacht über die groß gewordene Erfolgsgeschichte und ihre Arbeit als Museumspädagogin am Zinkhütter Hof.

Was verbirgt sich hinter der Berufsbezeichnung „Museumspädagogin“?

Grüttemeier: Als Kunsthistorikerin bin ich wissenschaftliche Referentin am Zinkhütter Hof. Meine pädagogische Aufgabe ist es, die Inhalte des Museums für verschiedene Altersgruppen zugänglich und verständlich zu machen. Die Museumsverwaltung ist ein kleiner Betrieb, so dass mein Tätigkeitsbereich durchaus vielfältig sein kann. Ebenfalls zu meinen Aufgaben zählt, unser Museum nach außen so attraktiv darzustellen, wie es ist, und Menschen hinein zu locken...

Zum Beispiel durch Veranstaltungen wie die Stolberger Museumsnacht?

Grüttemeier: Auch, aber grundlegend gilt es, das etwas „verstaubte“ Image von Museum zu relativieren. In einem Museum darf man nicht laut sein und nichts anfassen — das ist im Zinkhütter Hof ganz anders. Hier können Besucher das Museum aktiv erleben, da es zahlreiche Angebote zum selbst und mitmachen gibt. Gleichzeitig erhält der Zinkhütter Hof dennoch seinen musealen Charakter, da wir auch unsere „Heiligkeiten“ haben, also Exponate, die nicht angefasst, sondern mit gebührendem Respekt betrachtet werden.

Wie geht dieses Konzept auf?

Grüttemeier: Sehr gut. Forum und Museum werden von Kindertagesstätten und Schulen der Städteregion und der Kreises Düren stark frequentiert. Unsere Zukunftswerkstatt, die der Berufsorientierung dient, ist bei Schülern und Lehrern gleichermaßen beliebt, und an der Geschichtswerkstatt erfreuen sich Jung und Alt. Die Ferienaktionen im Zinkhütter Hof werden wirklich gut angenommen, und die Anzahl der Kindergeburtstage, die im Museum gefeiert werden, ist groß.

Apropos Geburtstage — die Stolberger Museumsnacht wird zehn Jahre alt. Wie ist diese Veranstaltung entstanden?

Grüttemeier: Vor etwa elf Jahren suchten das Museum in der Torburg und der Zinkhütter Hof nach einem gemeinsamen Maskottchen, dem heute bekannten kleinwüchsigen Bergmann „Galminus“, der von dem Stolberger Grafiker Hartmut Albrecht erschaffen wurde. Im Rahmen dieser Kooperation der beiden Museen kam es zu der Idee, eine gemeinsame Museumsnacht in der Kupferstadt zu etablieren. Die erste Auflage war klein aber fein und mit gut 200 Besuchern damals ein Erfolg. Wir haben gleich bemerkt: Es kommen zu der Museumsnacht auch viele andere Leute, also Menschen, die man sonst in einem musealen Umfeld nicht sieht.

Bei der neunten Museumsnacht waren es dann schon rund 2000 Besucher...

Grüttemeier: Ja, aber fein ist die Veranstaltung geblieben. Unsere Museumsnacht findet zeitgleich mit der Kölner statt, und Gäste aus Köln haben mir erklärt, warum sie den Abend lieber in Stolberg verbrachten: In der Kupferstadt sei die Atmosphäre persönlicher, und man könne das Erlebnis Museumsnacht besser genießen. 2000 Besucher klingt viel, aber sie verteilen sich ja über den langen Abend und auf Torburg-Museum und Burg, Kupferhof Rosental und Zinkhütter Hof sowie die Nachtwächterführungen. Trotzdem denke ich, die Obergrenze der Besucherzahl ist erreicht, denn es sollen nicht einfach die Massen durch die Museen geschoben werden. Die Gäste sollen ausgiebig schauen, hören und ins Gespräch kommen können, dafür muss genügend Zeit und Raum vorhanden sein.

Wie hat die Stolberger Museumsnacht sich entwickelt?

Grüttemeier: In den Anfängen lief der Faktor Musik eher nebenher und es gab weniger Aussteller. Heute spielt Livemusik eine größere Rolle, und bei der zehnten Museumsnacht sind insgesamt circa 50 Künstler und Aussteller vertreten, es gibt Feuershows, Kabarett, Ritterspektakel, Kinderaktionen und mehr. Dadurch dass immer mehr hinzugekommen ist, wird inzwischen ein sehr breites Publikum angesprochen, was sicher geholfen hat, die Stolberger Museumsnacht zu etablieren und über die Grenzen der Städteregion hinaus bekannt zu machen. Viele Gäste reisen etwa aus Belgien und den Niederlanden an. Es ist den vielen Helfern, Aktiven, Sponsoren und Unterstützern zu verdanken, dass dies alles gelungen ist.

Die Eintrittskarte für alle Veranstaltungsorte kostet einmalig sechs Euro, eine Familienkarte nur zwölf. Wie können Sie damit ein derart starkes Programm inklusive kostenlosem Bus-Transfer finanzieren?

Grüttemeier: Eigentlich gar nicht. Nur durch die Eintrittsgelder wäre lediglich ein kleiner Teil der Angebote möglich zu machen. Die Organisation der Museumsnacht beginnt für mich schon vor der eigentlichen Planung damit, erst einmal Geld zu beschaffen. Durch das Engagement von Sponsoren und Partnern, und weil die Veranstaltung kostendeckend und nicht gewinnorientiert ausgerichtet ist, können die Eintrittspreise so niedrig bleiben.

Sie sind Kunsthistorikerin und Museumspädagogin, aber keine ausgebildete Event-Managerin. Wie haben Sie gelernt, derart große Veranstaltungen auf die Beine zu stellen?

Grüttemeier: Indem ich es getan habe, in die Aufgabe hineingewachsen bin und auch viel Lehrgeld gezahlt habe und wohl auch noch zahlen werde. Es ist ein klassischer Fall von „learning by doing“, bei dem Fehler und Pannen dazugehören. Aus den Fehlern kann man lernen und versuchen, sie nicht wieder zu machen, und mit den Pannen muss man halt irgendwie umgehen...

Welche Panne ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Grüttemeier: Einmal sagte am Vorabend der Museumsnacht der musikalische Hauptact ab, weil die Bandmitglieder an Schweinegrippe erkrankt waren. Das war schon sehr kurzfristig und bereitete mir echte Panik. Nachdem ich mich halbwegs beruhigt hatte, habe ich Carlos Cachafeiro angerufen, der dann sofort eingesprungen ist. So etwas funktioniert in Stolberg, und das ist einfach großartig. Mittlerweile bringen mich solche unliebsamen Überraschungen nicht mehr so leicht aus der Fassung. Glücklicherweise gibt es auch unspektakulärere Pannen, die man beim nächsten Mal beheben kann.

Zum Beispiel der defekte Kleinbus im letzten Jahr?

Grüttemeier: Genau. Ich hatte vier Kleinbusse geordert, und am morgen der Museumsnacht schloss von einem die Türe nicht mehr, so dass abends nur drei Transfer-Busse zur Verfügung standen und sich an den eigens eingerichteten Haltestellen teilweise längere Warteschlangen bildeten. Die logische Konsequenz daraus ist, dass ich für die zehnte Museumsnacht jetzt fünf Busse organisiert habe. Ein anderes Beispiel sind die Elemente der Experimentierwerkstatt, die eine gewisse Lautstärke verursachen. Diese bauen wir nun vor der Veranstaltung ab, damit der Genuss der Livemusik nicht dadurch gestört wird. Wenn bei der Jubiläums-Museumsnacht nicht alles rund laufen sollte, sehe ich darin Möglichkeiten, die elfte Veranstaltung zu verbessern. Eine Chance habe ich leider jetzt schon...

Worum handelt es sich dabei?

Grüttemeier: Die Stolberger Burg bietet bei der Museumsnacht nicht nur mittelalterliches Spektakel, Feuershow und ein abwechslungsreiches Tanzprogramm im Rittersaal, sondern auch die aktuelle „Artibus“-Ausstellung in der Burg-Galerie. Diese sehenswerte Ausstellung habe ich leider vergessen, im Flyer zu erwähnen, was mir wirklich leid tut. Wieder etwas, was mir wohl nicht mehr passieren wird... Nichtsdestotrotz freue ich mich auf all die Besucher, die tollen Aussteller und ganz besonders auf den Joe-Cocker-Tribut mit Jupp Evert und den „RTL-Allstars“.

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