Stolberg: Peltzer-Werke: So soll der Erfolg wieder zurückkehren

Stolberg : Peltzer-Werke: So soll der Erfolg wieder zurückkehren

Einige Wochen war es ruhig um die Peltzer-Werke, doch in den vergangenen Tagen gab es wider Gerüchte: Aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr unsere Redaktion, dass das Unternehmen neustrukturiert werden soll. Bedeutet: Ein Teil der Belegschaft würde am Stolberger Standort bleiben, ein weiterer Teil der Belegschaft würde allerdings an Fremdfirmen vermittelt. Auch von einem Umzug der Peltzer-Werke nach Düren sei die Rede gewesen.

Geschäftsführer Hans-Josef Mertes widerspricht nun diesen Gerüchten. Es werde keine Betriebsverlagerung geben, sagte er am Donnerstag im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir wollen alle Arbeitsplätze erhalten. Dafür müssen wir aber Sicherheit schaffen.“ Allerdings scheint es massive Zweifel in der Belegschaft zu geben, dass der Geschäftsführer seine Pläne umsetzen kann.

Umsatzeinbußen, Personalabbau und nicht gezahlte Löhne und Gehälter brachten dem Stolberger Traditionsunternehmen in den vergangenen Jahren immer wieder Negativschlagzeilen ein. Im August 2015 stellte Mertes beim Amtsgericht Aachen einen Antrag auf Eröffnung eines gerichtlich kontrollierten Eigenverwaltungsverfahrens. Die Zustimmung erfolgte im Oktober.

Als Eigenverwalter fungierte Geschäftsführer Mertes dann selbst, ihm wurde ein Sachwalter zur Seite gestellt. In einer Gläubigerversammlung wurde die Firma damit beauftragt, den Geschäftsbetrieb fortzuführen und gleichzeitig einen Insolvenzplan zu erstellen, in dem die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen zur Weiterführung eines profitablen Geschäftsbetriebes festgehalten werden sollten.

In diesem Verfahren reduzierte das Unternehmen die Energiekosten und verkleinerte die Räume, wie Mertes Ende des vergangenen Jahres in einem Gespräch mit unserer Zeitung erklärte. Einst saß das Unternehmen in der Prattelsackstraße, mittlerweile findet die Produktion in den Räumen am Schwarzen Weg statt. Das fast 160 Jahre alte Traditionsunternehmen ist ein Spezialist für die Be- und Verarbeitung von Blechmetallwaren. Ende Dezember 2017 wurde das Insolvenzverfahren gegen die Peltzer-Werke schließlich offiziell aufgehoben.

In der Eigenverwaltung habe er erkannt, wo die Schwachstellen des Unternehmens liegen, sagt Mertes heute. Dazu zähle vor allem die Einhaltung der Liefertermine, die gleich mehrere Gründe habe. Einer davon seien die Maschinen. „Einige unserer Maschinen sind bereits älter. Sie sind zwar unverwüstlich, es besteht aber immer die Gefahr, dass sie ausfallen, und dann würde es zu einem Produktionsstopp kommen.“

Mangelnder Investitionswille ist einer der zentralen Kritikpunkte aus dem Umfeld des Unternehmens. Zahlreiche Maschinen sollen bereits seit Jahren nicht mehr funktionstüchtig sein. Nicht einmal simpelstes Arbeitsmaterial, wie Schleifpapier, sei vorhanden.

Ankündigungen zu investieren, gab es jedoch immer wieder. Eine neue Pulveranlage sollte Ende des vergangenen Jahres in Betrieb genommen werden, erklärte Mertes damals gegenüber unserer Zeitung. Von Neuanschaffungen sei im Unternehmen nichts zu sehen, heißt es aus Kreisen der Belegschaft. Im Gegenteil! Es gebe keine Umkleidekabinen und auch keine funktionierende Heizung. Im Winter soll bei Temperaturen um die null Grad gearbeitet worden sein. Noch nicht einmal Toilettenpapier sei in ausreichend vorhanden. Für die Nutzung des WCs würden einige Mitarbeiter sogar nach Hause fahren.

Darüber hinaus seien sogar Maschinen verkauft worden. Das bestätigte auch Mertes. Derzeit wird eine Nibbelanlage abgebaut. Die Begründung des Geschäftsführers für diese Vorgehensweise: „Diese Anlage brauchen wir nicht mehr.“ Laut Informationen unserer Zeitung sollen auch ein Gabelstapler und eine Bolzenmaschine verkauft worden sein. Ohne diese sei eine Produktion allerdings kaum noch möglich, fürchten Teile der Belegschaft.

Das Ziel, das Mertes mit dieser Vorgehensweise verfolgt: „Die Schwachstellen sourcen wir aus, die Stärken bauen wir aus — hier am Standort.“ Derzeit verhandle man mit einer Dürener Firma über die Auslagerung von Maschinen. Auch bis zu acht Mitarbeiter seien davon betroffen. Sie sollen allerdings bei ihrem neuen Arbeitgeber unbefristete Verträge erhalten, erklärte Mertes.

Martin Peters, 1. Bevollmächtigter der IG Metall am Standort Stolberg, steht diesen Plänen skeptisch gegenüber. Wechseln die Mitarbeiter das Unternehmen müssten sie sogar unbefristete Verträge erhalten. „Das, was hier passiert, ist unseriös und widerrechtlich“, erklärt Peters auf Nachfrage unserer Zeitung. Bereits in die Planungen hätte der Betriebsrat des Unternehmens einbezogen werden müssen. Das sei allerdings nicht der Fall gewesen. In der kommenden Woche will Mertes Gespräche mit seinen Mitarbeitern führen, erklärte er gegenüber unserer Zeitung. Peters hingegen warnt die Belegschaft davor, Einzelverhandlungen zu führen und vorschnell Verträge zu unterschreiben.

Und es gibt einen weiteren Grund, warum sich die IG Metall in Stolberg regelmäßig mit den Peltzer-Werken beschäftigen muss: Wiederholt gibt es unpünktliche Lohnzahlungen. Die Gehälter von März stehen derzeit noch aus, erklärte Peters. Ein Zustand, der die Mitarbeiter enorm belaste, wie aus dem näheren Umfeld des Unternehmens deutlich wurde. Einige seien mit den Nerven so runter, dass wochenlange Krankschreibungen zum Arbeitsalltag dazugehören.

Auch das will Mertes ändern. „Das Ziel ist, dass wir die Erfolgsspur wieder erreichen“, sagt er. Das beinhalte natürlich auch die fristgerechte Zahlung der Löhne. Abhängig ist das vor allem davon, dass die Kernbereiche des Unternehmens profitabel sind. Diese sind das Stanzenziehen und -pressen sowie die Pulverbeschichtung, die Montage, die Schlosserei und die Schweißerei. Sie seien „die Existenzsicherung“ für die Peltzer-Werke.

Laut Informationen unserer Zeitung soll es in der kommenden Woche Gespräche zwischen dem Geschäftsführer, dem Betriebsrat, der mittlerweile rechtlichen Beistand hinzugezogen hat, und der IG Metall geben. Das Ziel soll eine Einigung sein, mit der alle Seiten zufrieden sind.

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