Stolberg: Pedelecs im Test: Mit 47 Sachen entlang der Sinziger Schneise

Stolberg: Pedelecs im Test: Mit 47 Sachen entlang der Sinziger Schneise

Andreas Pickhardt schaut immer wieder auf seine Uhr. Der Fachbereichsleiter der Stadt Stolberg (u.a. Amt für Tourismus und Kultur) hat die berühmten Hummeln unterm Hintern.

Kein Wunder: Um ihn herum stehen zehn andere Damen und Herren, die sich in aller Seelenruhe von Anita Stock Fahrräder erklären lassen. Keine normalen Drahtesel, sondern Pedelecs. Das „Parkhotel am Hammerberg”, geführt von Anita und Dirk Stock, bietet bereits seit Mai über den größten europäischen Anbieter für Elektromobilität im Tourismus, „movelo”, zwei dieser Räder für Gäste und Interessierte an.

Ein Pedelec (Pedal Electric Cycle) ist ein Fahrrad, bei dem der Fahrer von einem Elektroantrieb unterstützt wird. Dazu gehört eine elektronische Steuerung, die automatisch verhindert, dass der Motor auch ohne Treten in die Pedale Leistung abgibt. Das Pedelec ist somit versicherungs- und zulassungsfrei und zählt weiterhin als Fahrrad. Davon unterscheiden sich andere Elektrofahrräder, bei denen der Motor auch ohne Pedalieren antreibt.

Wie es sich auf einem Pedelec fährt, testet der Arbeitskreis Tourismus am vergangenen Samstag. Die Mitglieder kümmern sich um die touristischen Belange der Stadt, „und heute möchten wir selber die Vorzüge der akkubetriebenen Fahrräder kennenlernen”, sagt die Leiterin der Stolberg-Touristik, Barbara Breuer, damit die Mitglieder des Arbeitskreises auch als Multiplikatoren „in die Gänge kommen”.

Für den Großteil der „Touristiker” ist die Fahrt eine Premiere. Die, wie sich am Ende herausstellen soll, ein voller Erfolg ist. Einzig der Hammerberg stellt für manche eine kleine Herausforderung dar, deshalb geht Barbara Breuer getreu dem Sprichwort „wer sein Fahrrad liebt, der schiebt” auch zu Fuß runter.

Nachdem sich alle vertraut gemacht haben mit den acht Gängen und der Funktionsweise des Antriebs - man kann entweder komplett mit eigener Körperkraft, niedriger, regulärer oder hoher Assistenz fahren - geht es die Stolberger Vennbahnroute entlang. Ihren Anfang nimmt sie in der Altstadt und bedient sich weitgehend der Streckenführung des gut ausgeschilderten, regionalen Radwegenetzes entlang der Zweifaller Straße.

Wer dem Vennbahnrouten-Logo folgt, biegt hinter der Bleihütte/Linde rechts ab über die kleine Vichtbachbrücke, unterquert das Rüst-Viadukt der Vennbahnlinie und durchquert die Rüst auf einem öffentlichen Weg durch ein privates Werksgelände in Richtung Breinigerberg, wo die Route nach rechts durch eine Unterführung weiter in Richtung Wingertsberg führt - parallel zur Vennbahntrasse. Weitere Stationen auf der Route sind der Breiniger Bahnhof, Kastanienweg und ab Stockemer Straße geht es über Wirtschaftswege neben der Bahntrasse in Richtung Kornelimünster.

Dort, in Blickweite des großen Viaduktes an der Schlauser Mühle, beginnt der etwas problematischer Teil der Vennbahnroute. Von der Aachener Stadtgrenze an haben die Radwanderer erst einmal mit Steigungen und dem Verkehr zu kämpfen, weil das sanierungsbedürftige Viadukt nicht passiert werden darf und entlang der Venwegener Straße (L 12) ein Radweg fehlt bis zum Anschluss an den bestehenden Vennbahn-Radweg.

Auch ein Stück Kupferroute lässt sich die Gruppe nicht entgehen. Hier müssen die Pedalritter so manch einem Schlagloch und größeren Steinen sowie „Hubbeln” ausweichen, schließlich ist sie als Wanderweg ausgewiesen, der ein Zubringer zum Eifelsteig ist - und nicht als Radroute. Mit 329 Metern über Normalnull (NN) ist hier auch der höchste Punkt erreicht. Hinter dem Birkenhof geben sich Barbara Breuer und Andreas Pickhardt ein kleines Wettrennen. Auf 47,4 Stundenkilometer, wohlgemerkt ohne Antrieb, schafft Breuer es.

Eva und Andreas Carlitz fahren den Frackersberg vorneweg herunter, das Paar führt die Gruppe zu ihrem „Hotel zum Walde”. Im Frühjahr wird es auch hier movelo-Pedelecs im Verleih geben. Nach Zwischenstopp und Besichtigung geht es die Apfelhofstraße über Klapperloch und Eisenhüttenweg, Vichter Landhaus, Nachtigällchen, Zweifaller Straße wieder zurück zur Altstadt, wo die Gruppe mit einem Gulaschsüppchen empfangen wird, aufgetischt von Marita Mattousek. Die Wirtin des „Savoy” ist auch Mitglied des Tourismus-Arbeitskreises, „aber ich bin schon über 30 Jahre kein Fahrrad mehr gefahren”, gesteht sie.

Zwei Balken zeigt der Akku noch an, wer nach den 30 Kilometern noch weiter fahren wollte, würde sicherlich noch etwa zehn bis 15 Kilometer schaffen. Und wer mehr machen möchte, fährt einfach zur Stolberg-Touristik - dort gibt es eine Akku-Wechsel-Station.