Aachen/Stolberg: Opfer erklärt dem Polizeibeamten: „Es war der Thomas”

Aachen/Stolberg: Opfer erklärt dem Polizeibeamten: „Es war der Thomas”

Es war der Tag der Polizeibeamten im Zeugenstand, die am Donnerstag im Totschlagsverfahren gegen den Angeklagten Thomas T. (29) vor dem Aachener Schwurgericht aussagten.

Einer von ihnen, ein 51-jähriger Kriminalbeamter, war zwei Tage nach der Tat ins Stolberger Krankenhaus gegangen, um das Opfer der Messerattacke vom vorherigen 12. September 2009 zu vernehmen.

Denn der 56-Jährige hatte nach den zwei Messerstichen in Brust und Bauch seine Notoperation nur scheinbar gut überstanden. Was der Beamte nicht voraussehen konnte und rückblickend dem Gericht (Vorsitz Dr. Gerd Nohl) schilderte: Einen Tag später, am Dienstag, verschlechterte sich der Zustand des Messeropfers. Der Verletzte wurde ins künstliche Koma versetzt, aus dem er nie wieder aufwachen sollte. Zwei Monate später starb er.

An dem Montag nach der Tat aber, berichtete der Beamte, „war Herr A. völlig klar.” Er habe zunächst in Deutsch geantwortet. „Immer wenn er sich aufregte, fiel er ins Französische, ein Freund übersetzte dann”, erläuterte der Polizist die Vernehmung. Die Tat hatte sich im Umfeld von seit langem in Deutschland lebenden Migranten abgespielt, zu denen auch der Angeklagte Thomas T. gehört.

„Es war der Thomas, er hat zwei Mal gestochen”, habe das Opfer laut und deutlich auf Deutsch gesagt. Das war wichtig, weil nach der Tat in der Eschweilerstraße die Lage vor Ort zunächst verworren war. Denn auch der Sohn des Besitzers der Wohnung, in der zuvor ein Zechgelage stattgefunden hatte, das gegen 22.15 Uhr abrupt beendet worden war, musste mit einer blutigen Schnittverletzung im Stolberger Krankenhaus behandelt werden.

Doch Wohnungsbesitzer und Sohn waren offenbar nicht beteiligt, beide hatten sich bereits vor der Messerstecherei draußen auf der Straße auf den Weg zum Krankenhaus gemacht, nachdem der Sohn aus Versehen eine Scheibe eingeschlagen und sich verletzt hatte. Trotzdem habe man, so ein Polizist, zunächst einmal alle in Frage kommenden Personen mit aufs Revier genommen.

Die Freundin hören

Denn draußen war es zur Sache gegangen. Thomas T. soll der Frau des Opfers, die ebenfalls eine tiefe Schnittwunde im Gesicht davontrug, ein Küchenmesser abgerungen und zwei Mal auf den Mann eingestochen haben. Der wiederum soll am Boden auf der 23-jährigen Freundin des Angeklagten gelegen und sie misshandelt haben, schilderte jener zu Prozessbeginn. Um diesen Tatteil aufzuklären, soll die in Bonn lebende Frau nun gehört werde.

Das kann allerdings erst nach Ostern geschehen, da sie gerade entbunden hat - sie war also im September bereits bereits schwanger. Die Kammer will auf eine Aussage der damaligen Freundin des Angeklagten nicht verzichten. Ein genauer Termin für ihre Aussage steht jedoch noch nicht fest.

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