Open-Air-Kino "Schau!Burg" in Stolberg feiert Premiere

„Schau!Burg“-Premiere : Der Stolberger muss mal an die frische Luft

Hoffen und Bangen am Vormittag: Der Blick von Marita Matousék und Timo Abels richtet sich immer wieder gen Himmel, als sie mit ihrer Mannschaft dem oberen Burghof den letzten Schliff verleihen und die große Leinwand aufbauen.

 „Ob das Wetter hält?“, zeigen sich die beiden Aktivposten der Gesellschaft für Stadtmarketing und der städtischen Wirtschaftsförderung besorgt. Seit Monaten arbeitet das Team an der „Schau!Burg“. Stolbergs ersten Open-Air-Kino knüpft an an dem Namen des großen Lichtspielhauses an der Rathausstraße, das sogar der legendären Marlene Dietrich eine – trockene – Live-Bühne bot.

Anders sieht das beim oberen Burghof aus. Und am Nachmittag werden die Befürchtungen wahr. Der Himmel öffnet seine Schleusen. Werden die Mühen der vergangenen Monate vom Regen hinfort gespült? Die Wetterstation des Flughafens Merzbrück verspricht Hoffnung: Am Abend soll sich der Regen verziehen. Und als nach 19 Uhr die ersten Besucher – jeder erhält zudem kleine Präsente – den oberen Burghof erklimmen, hellen sich die Anlitze der Organisatoren auf: Die Stolbergs Kinofans erweisen sich als handfeste Outdoor-Experten.

Gar nicht so einfach: Gegenseitig helfen sich Besucher dabei, die verteilten Plastikponchos überzustreifen. Foto: Jürgen Lange

Wetterfestgekleidet und gut gelaunt erobern sie ihre Plätze. Die werden vom SMS-Team individuell trocken gewischt. Wem es bei den noch immer anhalten Regenschauern doch zu nass ist, der erhält einen Plastikponcho – der bei den  schwülwarmen Temperaturen nicht Jedermanns Sache ist. Aber die Stimmung ist bestens. Bei kalten Getränken, Nachos und Popcorn lässt es sich das Premierenpublikum gut gehen. Unter den 272 zahlenden Karteninhabern sind auch Städteregionsrat Tim Grüttemeier und Bürgermeister Patrick Haas mit Gattinnen, die sich auch erst einmal in die Plastikhülle zwängen, während es am Horizont über der Silhouette des Goethe-Gymnaiums auf der anderen Talseite langsam aufhellt und fast nur die Plätze in der ersten Reihe frei bleiben sollen.

In der Tat. Gegen 20.45 Uhr hört der Regen auf, genau zum Beginn des Films. Und der beginnt wir im „richtigen“ Kino mit der Werbung. Doch im Schatten der Burg sind es ausschließlich Beiträge aus der Kupferstadt. Sponsoren und Förderer stellen im großen Kinoformat ihr Produkte und Leistungen vor – angefangen bei Dalli und Grünenthal über die EWV bis hin zum Bethlehem Gesundheitszentrum ist der Vorfilm ein ganz besonderes Stück Stolberg.

Für Verpflegung sorgte die Burggastronomie von Serkan Sistermann. Foto: Jürgen Lange

Während die letzten Werbeminuten flimmern, verblassen zunehmend die Strahlen der Abendsonne und die hereinbrechende Dunkelheit sorgt bei guter Akustik dann auch für einen wohltuend guten Blick auf die Leinwand: auf den Premierenfilm der „1. Schau!Burg“. Passender hätte der für den Auftakt des Open-Air-Kinos nicht gewählt sein können. „Der Junge muss an die frische Luft“ erzählt aus den Jugendjahren von Hape Kerkeling im ruhrpott anno 1972.

Da gibt es für die älteren Besucher ein Wiedersehen mit der eigenen Jugend, für die jüngeren einen authentischen Blick in die Vergangenheit. Das Publikum fiebert mit dem jungen Hape, lacht, weint, hofft und trauert. Auf dem oberen Burghof spürt man die Atmosphäre mindestens so gut wie Kinossal und hat doch mehr Freiheiten. Besucher decken sich mit neuen Getränken und Knabbereien ein oder können abseits der Ränge in einer stillen Ecke dem Tabakgenuss frönen ohne Szenen zu verpassen.

Der Regen vor der Premiere kann die Stimmung nicht trüben. Foto: Jürgen Lange

Als zum Schluss der kleine Hans-Peter den Hape Kerkeling der Gegenwart erblickt, herrscht absolute Stille bis in den Abspann hinein. Dann brandet Applaus auf – für den Film und für die Idee der „Schau!Burg“.

Voll des Lobes für einen tollen Abend ist das Publikum, das mit den verteilten Bons für Freigetränke nach der Vorführung schnell die Gastronomie in der Altstadt füllt.

Fast nur die erste Reihe bleibt bei der Premiere mit Regen-Vorspann frei. Foto: Jürgen Lange

Nicht minder schnell träumen viele von einem regulären Kino-Angebot in der Kupferstadt, etwa von einem Comeback des gemütlichen kleinen Burgtheaters am Offermann-Platz. Das schloss Ende der 90er Jahre, und heute residiert im alten Kinosaal das Tourismusamt. Bislang blieben aber alle Versuche, Stolberg wieder zu einem Kino zu verhelfen ohne Erfolg.

Aber das Angebot der „Schau!Burg“ wird in diesen zehn Tagen dankbar angenommen von Jung bis Alt. Viele der Premierengäste haben sich bereits mit Tickets für weitere Vorführungen eingedeckt. Und weil Wirtschaftsförderung und SMS die Kapazität auf 340 Sitzplätze ausweiten durften, gibt es auch noch wenige Restkarten im Vorverkauf und mit ganz viel Glück an der Abendkasse.

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