Stolberg: Oldtimertreffen am Zinkhütter Hof: Zeitzeugen einer großen Historie

Stolberg: Oldtimertreffen am Zinkhütter Hof: Zeitzeugen einer großen Historie

Es sind Zeitzeugen mehrerer Epochen, rollende Museumsstücke und Träume aus Chrom, Lack und Metall gewesen, die wieder viele Freunde betagter Fahrzeuge auf das Areal des Zinkhütter Hofs lockten. Dabei waren die Bedingungen für das Oldtimertreffen im Vorfeld alles andere als optimal.

„Als ich heute Nacht vom prasselnden Regen wach geworden bin, habe ich die Krise bekommen“, sagte Sebastian Wenzler, Leiter des Museums Zinkhütter Hof. Neben der widrigen Witterung habe er zudem die nahe Konkurrenz gefürchtet, meinte er mit Blick auf Stadtfest und Autoschau in Aachen, zu der auch Oldtimerbesitzer willkommen waren.

Angefangen von Zweirädern, über klassische Pkw bis hin zu Transportern und Treckern reichte die Palette historischer Fahrzeuge beim Stolberger Oldtimer-Treffen am Musem Zinkhütter Hof. Foto: D. Müller

„Doch schon am Vormittag hat sich meine Laune entscheidend gebessert“, erklärte Wenzler, der sich über den dennoch gut gefüllten Bernhard-Kuckelkorn-Platz des Museums freuen konnte. Zu einigen bekannten Gesichtern und treuen Teilnehmern gesellten sich auch viele Fahrer, die ihre rollenden Schmuckstücke erstmalig beim Stolberger Oldtimertreffen zur Schau stellten. Darunter befand sich eine stattliche Anzahl von Kennzeichen, die weitere Anfahrten auch aus den Niederlanden und Belgien belegten. „Das zeigt, wie etabliert das Treffen in Stolberg inzwischen ist“, betonte Wenzler. Und das gilt auch für die Besucher, die sich zahlreich an zeitlosen Formen oder technischen Besonderheiten erfreuten.

Oldtimer-Treffen 2013. Foto: D. Müller

Und an der Vielfalt, denn das Oldtimertreffen offenbarte erneut mannigfaltige Facetten der Fortbewegung in den vergangenen neun Jahrzehnten. Ein Ford A-Modell aus dem Jahr 1930 war ebenso zu bestaunen wie Autos der Marken Porsche, Mercedes, Volkswagen und Opel, die trotz ihres reifen Alters meist aussahen, als seien sie eben erst vom Band gelaufen. Bei deutschen Autotypen blieb es nicht: Französische Citroëns, Peugeots und Renaults reihten sich an italienische Fiats, die unter anderem einem amerikanischen Plymouth Gesellschaft leisteten. Hoch war auch der Anteil britischer Autos, welche die Bandbreite von alten MG‘s bis hin zu „Youngtimern“ wie dem Jaguar XJ-S oder dem schnittigen Lotus Esprit abdeckten.

Oldtimer-Treffen 2013. Foto: D. Müller

Aus dem englischen Tamworth stammte der exotisch anmutende Scimitar der „Reliant Motor Company“ in der Modellvariante Kombicoupé. Nahezu magnetisch zog die Besucher des Treffens aber besonders eine „flache Flunder“ an, die mit gewaltigem Röhren auf das Gelände fuhr: die in Leichtbauweise gehaltene Rennausführung eines Porsche Carreras.

Beim Stolberger Oldtimertreffen waren auch diesmal nicht nur Pkw zu sehen. Transporter, Trecker und alte Geländefahrzeuge waren ebenso mit von der historischen Partie wie Zweiräder und Gespanne, angefangen bei kleinmotorigen NSU-Quicklys bis hin zur BMW mit Beiwagen oder einer seltenen Horex.

Mit dabei war der Stolberger Heinz Jumpers, seit zwei Jahren stolzer Besitzer einer Heinkel Tourist. „Das ist aber schon meine zweite“, erklärte der 66-Jährige, dass er bereits in den 1960er Jahren ein solches Modell gefahren habe. „Der Tourist hat einen luftgekühlten Einzylinder-Viertaktmotor und einen Elektrostarter. Das war damals der Roller schlechthin“, schwärmte Jumpers. Über den Heinkel-Club erwarb er 2011 wieder einen begehrten Motorroller Baujahr 1961, der beim Treffen am Zinkhütter Hof im Neuzustand glänzte. „Ich habe viel Zeit und Liebe in den Roller investiert“, sagte Jumpers.

Wie die Mehrzahl der anwesenden Oldtimerbesitzer fährt er seinen Klassiker auch regelmäßig. Wenn es nicht gerade stark regne, unternehme er mit Gleichgesinnten Ausfahrten, um seinen Heinkel Tourist mit „Langheck“ nicht nur optisch zu genießen, sondern auch „wie es sich gehört“ auf der Straße: „Es ist ein eher gemütliches Fahren und macht einfach Spaß.“ Dass sich der 52 Jahre alte Roller kaum zum rasanten Kurvenjagen eignet, liegt einerseits an der Kombination von 148 Kilogramm Gewicht bei einem Hubraum von 173 Kubikzentimetern und 9,5 Pferdestärken, andererseits ist das „Schmuckstück“ dafür auch viel zu schade.

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