Offizieller Abschied von Horst Berzborn

Nach 46 Jahren : Offizieller Abschied von Schiedsmann Horst Berzborn

Horst Berzborn hat 46 Jahre lang als Schiedsmann für möglichst friedliche Vergleiche gesorgt. Nun wurde er bei einer Feierstunde im Rathaus von Bürgermeister Tim Grüttemeier offiziell aus seiner Funktion verabschiedet.

Wer einmal mit Horst Berzborn gearbeitet hat, der vergisst ihn nicht. Zwar hat der Zweifaller sein Amt als Schiedsmann im Bezirk III (dazu zählen Breinigerberg, Büsbach, Dorff, Elgermühle, Venwegen, Vicht und Zweifall) schon vor einiger Zeit an seinen Nachfolger Hubertus Thelen aus Mausbach übergeben. Aber wunderbarerweise scheint für Berzborn der Titel von Trude Herrs legendärem Lied „Niemals geht man so ganz“ besondere Gültigkeit zu haben.

Und so stand er noch einmal im Mittelpunkt: bei einer kleinen Feierstunde im Rathaus der Stadt, bei der ihn Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier offiziell aus seiner Funktion verabschiedete.

Sehr speziell

Dass es mit dem Schiedsmann außer Dienst etwas sehr Spezielles auf sich hat, stellte Gastgeber Grüttemeier – selbst Jurist – mit Absicht an den Anfang seiner kurzen Rede und wunderte sich erst einmal über „die unfassbar lange Amtszeit von 46 Jahren“. Denn das Beständige gehört zu den Charakterzügen von Horst Berzborn, der tief in seiner heimischen katholischen Gemeinde verwurzelt ist.

Geschichte miteinander

Stolberg und der Mann aus dem Süden der Stadt haben einfach eine Geschichte miteinander. Und weil dem so ist, hatten ihm die Mitarbeiter des Rechtsamtes, die mit einer stattlichen Abordnung an der Feier teilnahmen, am Computer eine Chronik seines Wirkens gebastelt – randvoll mit Presseberichten, Fotos und ähnlichen Dokumenten.

Eine Ehrenurkunde der Stadt? Natürlich gab es die, begleitet von noch mehr lobenden Worten des Bürgermeisters. Der lud den Mann im Mittelpunkt, der von mehreren Kollegen wie Josef Kochs aus Atsch (mit dem er bei Schulungen oft eine Fahrgemeinschaft gebildet hat) und Fritz Kuckartz, dem stellvertretenden Bezirksvorsitzenden im Bund Deutscher Schiedsmänner, begleitet wurde, erst einmal ein, die Gäste an seinen Erinnerungen teilhaben zu lassen.

Berzborn ließ sich nicht lange bitten und packte ordentlich Anekdoten auf den Tisch. Ein „Dankeschön an die Verwaltung“ - das war so etwas wie die Deko-Kirsche auf der saftigen Torte.

Dabei war es in der Schiedsmann-Praxis von Horst Berzborn nicht immer lustig gewesen, ganz im Gegenteil. Von zerstrittenen Geschwistern, die vor seinem Tisch von ihrer Mutter zur Ordnung gerufen wurden, war zum Beispiel die Rede – das Originalzitat auf Platt mit inbegriffen.

Worauf Berzborn denn besonders stolz sei? Vor allem auf eine Tatsache: „Wenige Fälle sind danach vor Gericht gegangen.“ Will sagen: Fast jede Streitsache wurde unter der Regie des Schiedsmanns friedlich und ohne Anwalt friedlich-schiedlich beigelegt.

„Versuch‘s doch mal im Guten“, definierte dann auch Fritz Kuckartz als Vize-Bezirksvorsitzender seiner Zunft in der Städteregion die Leitlinien des Handelns im Verhandlungszimmer, das meist das Wohnzimmer des Amtsinhabers ist.

Der Kollege aus der Atsch, der es meist mit „zwischen fünf und zehn Fällen pro Jahr“ zu tun hat, denkt derweil weniger prinzipiell als vielmehr praktisch: „Wir sind sehr, sehr billig.“

Mehr von Aachener Nachrichten