Ökumenischer Kreuzweg

Ökumenischer Kreuzweg : Den Spuren des Lichts bis hin zur Auferstehung gefolgt

Ökumenisch auf den Weg machten sich am Karfreitag bei herrlichem Frühlingswetter die Evangelische Kirchengemeinde und die Angehörigen der Pfarrei St. Lucia zum Kreuzweg „Ans Licht“ von Ben Willikens.

deutsche Maler (Jahrgang 1939) ist bekannt für seine streng komponierten, in der Farbe Grau gehaltenen Raumkonzeptionen. 13 Fotografie-Malereien, die auf den ersten Blick fremd wirkten, kennzeichnen Abstufungen von Dunkelheit und Licht. Beim näheren Betrachten waren es Orte, an denen Menschen mit ihrem Leben Jesus auf seinem Kreuzweg begegnen können, Orte ihrer Ängste, Sorgen, Nöte, ihres Leidens, ihrer Verzweiflung, ihrer Leere und Sehnsucht.

Davon erzählen auch die Texte, die in der Du-Anrede verfasst sind. Mal richteten sie sich an Jesus „du, Jesus, bist den Weg durch die Dunkelheit gegangen“ und mal an den Menschen „du, Mensch, der du diese Bilder siehst, kennst deine dunklen Momente.“

Von der Urteilsverkündigung bis zur Auferstehung zeigte sich in allen 13 Stationen das Licht als ein zentraler Faktor bei der Betrachtung der Bilder.

Aber auch Leere und Räume sind wichtige Merkmale des Schaffens dieses Künstlers. Kahle Wände und kalte Böden wechseln sich ab mit seltsamen Wellen und lassen einen weiten Raum für eigene Interpretationen.

Immer zwei Stationen gehörten an diesem Freitag zusammen. „Du bist verurteilt“ und „Du trägst dein Kreuz“ hieß es am Anfang des Steinwegs, nachdem Pfarrer Funken die Einführung ins Thema an der Vogelsangkirche vorgenommen hatte.

Einzelne Presbyter und die Pfarrer Andreas Hinze, Dieter Grode, Christoph Schneider und Hans-Rolf Funken wechselten sich mit den Erklärungen, die den jeweiligen Stationen zugeordnet waren, ab und/oder sprachen gemeinsam mit den Gläubigen die Gebete.

Musiker der Stolberger Sing- und Spielgemeinschaft unter Leitung von Jo Schulte begleiteten die zu singenden Lieder oder ließen sich nur instrumental vernehmen. Immer gab es auch Zeit zum Innehalten und Nachdenken.

Vom Steinweg ging es über Ecke Kortumstraße („Du triffst deine Mutter“ und „Du stürzt zum ersten Mal“) zur Rathaustreppe („Dir hilft jemand“ und „Du stürzt wieder“), dann zum Kupferhof Grünenthal („Du triffst Frauen, die weinen. Sie haben nicht verstanden, worum es geht“ und „Dir werden deine Kleider ausgezogen“), zur Stadthalle „Du wirst ans Kreuz geschlagen“ und „Du bist tot“).

Am ökumenischen Gemeindezentrum wurde Jesus vom Kreuz abgenommen und in die Arme seiner Mutter gelegt und dann ins Grab. Nach der dunklen Nacht, in der die Felsen rissen wie der Vorhang des Tempels (Mt 27,51) dämmert der Schein des Ostermorgens herauf.

Der schrecklichen Finsternis folgt das Morgengrauen und das Licht. So steht die letzte (13.) Station in der Kirche St. Mariä Himmelfahrt im Zeichen der Auferstehung („Du lebst“). Das Leiden ist vorbei und sichtbar wird der Weg, der ins Licht führt.

Mit der Erinnerung an den Leidensweg Jesus setzten die Teilnehmer in Stolberg ein deutliches Zeichen, seinem Weg im Einsatz für Nächstenliebe, Frieden und ein tolerantes Zusammenleben zu folgen, wissend, dass der Glaube trägt und eine Kraft ist, die Dunkelheit und Widerstände überwindet.

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