Stolberg: Neues Fußballfeld: Kollektiver Erfolg in der Hermannliga

Stolberg: Neues Fußballfeld: Kollektiver Erfolg in der Hermannliga

Es ist ruhig an diesem Vormittag. Selbst auf der benachbarten Baustelle am Ufer des Vichtbaches scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Das allerdings ist nur eine Momentaufnahme. Denn mit dem Schrillen der Schulglocke ändert sich die Szenerie schlagartig.

Die Kinder kommen in Scharen aus dem Gebäude der Grundschule Hermannstraße gelaufen. Und sie tun das offensichtlich mit großer Freude. Das war keinesfalls immer so, denn lange Zeit herrschte Tristesse auf dem asphaltierten und ummauerten Außengelände.

Jetzt aber ist der erste Meilenstein erreicht auf dem Weg der Sanierung und Aufwertung des Schulhofes: Der Fußballplatz ist fertiggestellt und mit großer Begeisterung aufgenommen worden. „Über 200 Kinder beteiligen sich an der Hermannliga”, berichtet die nicht minder begeisterte Renate Krickel. Für die Schulleiterin geht wie für die Grundschüler die Zeit des Leidens allmählich zu Ende.

„Stolberg hat sich wirklich solidarisch gezeigt”, ist Krickel beeindruckt vom Spendenaufkommen, aber auch vom persönlichen Einsatz vieler Eltern. Beides war und ist erforderlich, weil die von der Überschuldung bedrohte Stadt sich nicht in der Lage sieht, den Umbau des Hofes auf der Mühle zu finanzieren. Die Verantwortlichen machten aus der Not eine Tugend und baten um Hilfe. Der Ruf ist an vielen Stellen angekommen, zumal die Schule, an der derzeit rund 230 Kinder aus 26 verschiedenen Herkunftsländern unterrichtet werden, mit ihrer pädagogischen Arbeit zu überzeugen weiß.

Dazu gehört auch die besagte Hermannliga. Elf Mannschaften beteiligen sich an dem sportlichen Angebot, die Kinder tragen in den Pausen Liga- und Freundschaftsspiele aus, stellen die Schiedsrichter und haben einen Ballwart benannt. „Die Hermannliga wird hervorragend angenommen, das ist wirklich klasse”, freut sich Renate Krickel. „ Sie trägt in einem erheblichen Maße zum guten Umgang und zu einem kultivierten Verhalten bei.”

Vorbei sind die Zeiten, in denen selbst die vier mittlerweile wieder reparierten Reckstangen gesperrt waren und den Grundschülern somit keinerlei Spielgeräte und -möglichkeiten zur Verfügung standen. Und es soll noch besser werden: Geplant ist nun die Anschaffung eines großen Spielgerätes, das im Grenzbereich von altem Schulhof und demnächst zugänglichem Wäldchen seinen Platz finden soll.

Angebote hat die Schulleiterin bereits eingeholt, dank einer großen Spende wird die Bestellung rausgehen können, sobald die noch erforderlichen Bodenarbeiten erledigt worden sind. „Wir haben uns für eine Ausführung mit geringer Höhe entschieden”, so Krickel. Diese habe den Vorteil, vielen Kindern gleichzeitig Platz zu bieten. „Außerdem können wir auf einen Fallschutz verzichten, was eine Kostenreduzierung von rund 50 Prozent ausmacht.”

Immer wieder geht es ums Geld, entsprechend freudig werden Spenden, aber auch Sachleistungen angenommen. So hat die Jugendberufshilfe Stolberg Materialien für die Bewegungsbaustelle geliefert. „Von dieser Kooperation profitieren beide Seiten. Deshalb möchten wir sie auch gerne fortsetzen”, lobt Renate Krickel. Ein Friedensgarten als Rückzugszone auf dem Schulhofgelände steht noch auf der Wunschliste der Schulleiterin. Hier ist an eine Zusammenarbeit mit der multikulturellen Frauengruppe aus der Velau gedacht.

Renate Krickel hofft, die weiteren Resultate der kollektiven Bemühungen beim Schulfest vor den nächsten Sommerferien präsentieren zu können. Es könnte das Ende einer schier unendlichen Geschichte sein. Denn ein Blick in die Archive belegt eindrucksvoll, dass der Schulhof der Hermannschule bereits seit Anfang der 80er Jahre regelmäßig für Diskussionen und Schlagzeilen gesorgt hat.

Mehr von Aachener Nachrichten