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Teich wird saniert: Neuer Lebensraum für den Nachwuchs der Geburtshelferkröte

Teich wird saniert : Neuer Lebensraum für den Nachwuchs der Geburtshelferkröte

Im geschützten Landschaftsbestandteil „Birkengang“ im Stolberger Stadtteil Velau-Steinfurt wird in den nächsten Tagen ein bestehender Teich saniert, damit er zukünftig wieder ganzjährig Wasser führt – zur Freude der Geburtshelferkröte.

Nachdem im Januar dieses Jahres rund um diesen Teich Bäume und Sträucher entfernt wurden, wird nun eine wasserundurchlässige Schicht in das Gewässer eingebracht, damit das Regenwasser nicht mehr versickern kann. Zudem wird eine Trockenmauer gebaut. Danach sind die Maßnahmen vorerst abgeschlossen, die aus dem Gebiet wieder einen geeigneten Lebensraum für die Geburtshelferkröte machen.

Während der Baumaßnahmen kann es zu Sperrungen von Wegen und Beeinträchtigungen durch Baufahrzeuge kommen. Der Erdaushub bleibt vor Ort. Im sanierten Gewässer sollen Kaulquappen der Geburtshelferkröte heranwachsen können.

Der östlich des Wohngebietes Matthiasschacht gelegene Teich eignet sich grundsätzlich als Laichgewässer für Amphibien, war aber in den vergangenen Jahren im Sommer die meiste Zeit ausgetrocknet.

Etwa 30 Prozent der bestehenden Teichfläche sollen so abgedichtet werden, dass auch im Sommer noch Wasser stehen bleibt und das Gewässer im Winter nicht durchfriert. Denn Kaulquappen der Geburtshelferkröte schlüpfen noch im Spätsommer, überwintern dann im Gewässer und wandeln sich erst im Folgejahr zur Kröte um.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Entwicklung der „Nachzügler“ ist, dass das Gewässer – der Lebensraum der Larven – nicht gänzlich zufriert. Auch andere Amphibienarten wie der Bergmolch oder die Erdkröte profitieren, wenn der Teich wieder dauerhaft Wasser führt.

Die Maßnahme sind Teil des Projekts „LIFE Amphibienverbund“, das von der Europäischen Union und dem Land NRW mit rund 4,2 Millionen Euro ausgestattet ist und mit dem die Biologische Station Städteregion Aachen von Alsdorf bis Stolberg und von Eschweiler bis Würselen Maßnahmen zur Förderung der drei gefährdeten und europaweit geschützten Amphibienarten Geburtshelferkröte, Kreuzkröte und Gelbbauchunke umsetzt.

Die Geburtshelferkröte konnte in den an den Birkengang angrenzenden Gärten nachgewiesen werden. In lauen Nächten im Sommer kann man die Rufe der Tiere hören, die an ein Glockengeläut erinnern, weshalb die kleinste unserer heimischen Kröten auch Glockenfrosch genannt wird.

Die Gärten bieten den Tieren aber nicht dauerhaft einen sicheren Lebensraum. Daher sollen sie in dem als geschützter Landschaftsbestandteil ausgewiesenen Birkengang wieder stabile Bestände bilden können. In direkter Umgebung zum Lebensraum der Larven, einem stehenden Gewässer, leben die erwachsenen Tiere, die Kröten in ihrem Landlebensraum, der idealer Weise voll besonnt und in Teilen nur spärlich bewachsen ist.

Nachtaktive Lebewesen

„Geburtshelferkröten sind nachtaktiv,“ erklärt Bettina Krebs, die das Projekt leitet, „tagsüber graben sie sich in den Boden ein, wenn dieser locker und nicht durchwurzelt ist oder verkriechen sich in Kleinsäugerbauten, unter Steinen und Totholz. Amphibien mögen es warm, der Landlebensraum muss sonnenbeschienen sein. Daher haben wir hier Anfang des Jahres Gehölze entfernen lassen.“

Die geplante Trockenmauer bietet den Tieren Versteckmöglichkeiten in den Hohlräumen zwischen den Steinen. Hier können die Tiere zudem geschützt überwintern. Nach dem Abschluss der Maßnahmen steht dem Einzug der Geburtshelferkröte also nichts entgegen.

Landlebensraum und Larvengewässer bedürfen allerdings einer dauerhaften Pflege. Das Gelände um den Teich muss offengehalten werden. Die Stadt Stolberg als Eigentümerin stellt die Flächen langfristig für den Naturschutz zur Verfügung.

Die ehrenamtlichen Amphibien-Rangerinnen Xenia Koch und Sonja Trappe begleiten die Arbeit der Biologischen Station, indem sie die Entwicklung der Besiedelung durch die Geburtshelferkröte und den Zustand ihres Gesamtlebensraumes im Auge behalten. Auch die Mitglieder des gemeinnützigen Vereines „Interessengemeinschaft Interkulturpark Velau“ unterstützen das Projekt.

Stolberg ist mit rund zehn Populationen in der Städteregion Aachen das Gebiet mit den meisten der Geburtshelferkröte. In Nordrhein-Westfalen und deutschlandweit ist die Art, die in Mitteleuropa verbreitet ist, sehr selten geworden. „Mit dem Projekt wollen wir die noch vorhandenen Vorkommen der drei seltenen Amphibienarten stabilisieren, zu ihrer Vergrößerung beitragen und Korridore schaffen, die die derzeit isolierten Populationen miteinander verbinden,“ resümiert Bettina Krebs: „Wir hoffen, hier mit dem Birkengang einen wichtigen Trittstein für die Geburtshelferkröte halten zu können.“

Weitere Informationen: www.life-amphibienverbund.de