Interview zum Wochenende: Neue Perspektiven in Kunst und Musik eröffnen

Interview zum Wochenende : Neue Perspektiven in Kunst und Musik eröffnen

Der Geiger und Kurator des Stolberger Klassik-Festivals „Momentum“, Yury Revich, äußert sich im Interview zur Veranstaltung und zu seinem Werdegang.

Für das Konzept des 4. Klassik-Festival „Momentum“ im Museum Zinkhütter Hof übernehmen Intendantin Patricia Buzari und Echopreisträger Yury Revich aus Wien gleichermaßen Verantwortung. Beide haben im letzten Jahr einen Kooperationsvertrag geschlossen. Mit dem Kurator Revich sprach unsere Mitarbeiterin Marie-Luise Otten:

Was macht ein Kurator!

Revich: Seit fünf Jahren bin ich als Kurator unterwegs und habe viel Erfahrung mit verschiedenen Locations und interessierten, guten Künstlern aus allen Sparten gewonnen. Ich organisiere Konzerte und stelle Kontakte zwischen Menschen her. Was mich jedes Mal beeindruckt, ist, dass jedes Konzept einzigartig ist.

Wien und Kultur sind untrennbar miteinander verbunden. Lässt sich diese Verbindung auf die Kleinstadt Stolberg übertragen? Was ist Ihre Motivation als Kurator im Klassik-Festival?

Revich: Menschen und Kultur sind zwei Begriffe und seit Ewigkeiten verbunden, es gibt daher keine Grenzen für Kultur und Musik. Wir finden sie überall. In Wien ist es nur sehr konzentriert. In Stolberg habe ich im letzten Jahr erfahren dürfen, dass die Leute hier sehr inspirierend und kulturinteressiert sowie offen für Neues sind, daher der Kooperationsvertrag.

Was ist das Besondere an diesem Kooperationsvertrag?

Revich: Diese Kooperation ist mir gleich eingefallen, als ich Patricia Buzari kennenlernte. Sie hat so viele kreative Ideen, die sich lohnen, umgesetzt zu werden. Wir möchten dem Publikum über die Musik ein neues Erlebnis vermitteln. Kultur ist für uns etwas positiv Besetztes, Schönes, das Gesellschaften leben lässt.

Schon mit Anfang zwanzig trugen sie den Titel „Young Artist of the Year 2015“. Sie geben regelmäßig Konzerte über die ganze Welt verteilt: Carnegie Hall in New York, Théâtre des Bouffes du Nord in Paris, Tschaikowski-Halle in Moskau oder Musikverein Wien, um nur einige zu nennen. Was schätzen Sie an diesem Festival in Stolberg besonders?

Revich: Es herrschte eine gute Stimmung im letzten Jahr, und das Museum Zinkhütter Hof ist ein großartiger Veranstaltungsort. Die Zuhörer waren neugierig auf die Malerin und Tänzerin. So war es für mich selbstverständlich, dass ich mich für die diesjährige Gestaltung auch mit kreativen Vorschlägen eingebracht habe.

Und was ist das Besondere an „Friday Nights“ with Yury Revich in Stolberg 2019?

Revich: Die Friday Nights in Stolberg stehen unter dem Titel „Clara Schumann und ihre Schwestern“. Patricia und ich spielen Werke von Clara Schumann. Und daneben gibt es eine Uraufführung von Johanna Doderer, einer in Wien lebenden Komponistin, die auch nach Stolberg kommt. Der Abend wird von Ingo J. Jander von den Bremer Philharmonikern moderiert.

In welchem Alter haben Sie mit dem Geigespielen begonnen?

Revich: Mit fünf Jahren habe ich mit dem Geigespielen angefangen, und das in vierter Generation. Ich hatte quasi keine andere Wahl. Meine Eltern gaben mir eine Geige, und ich habe Interesse gezeigt. Dass ich das Violinspiel zum Beruf machen wollte, war ein natürlicher Prozess.

Wer waren Ihre Lehrer?

Revich: Mein erster Lehrer war mein Großvater. Von 2005 bis 2009 war ich Schüler von Viktor Pikayzen in Moskau und von Pavel Vernikov in Wien. Mein Hauptlehrer ist allerdings immer noch mein Vater.

Wie viele Stunden mussten/müssen Sie täglich üben, um solche großen Erfolge zu erzielen?

Revich: Wenn ich Zuhause bin, täglich zwischen sieben bis neun Stunden. Ich bin aber sehr oft auf Reisen, da spielt man etwas weniger. Wenn ich mit dem Flieger fünf Stunden unterwegs bin oder mit dem Taxi durch die Stadt zu den Proben reise und Essen und Schlafen einkalkuliere, dann fällt die Übungszeit natürlich kürzer aus.

Was kennzeichnet das neue Format, die „Friday Nights“?

Revich: Ich möchte allen Leuten zeigen, dass es keine Grenzen zwischen den Künsten gibt. Musik ist genauso wichtig wie angewandte Kunst, Tanz, Schauspiel, Mode. Wir möchten neue Perspektiven eröffnen, um Kunst hörbar und Musik sehbar zu machen. Der Dialog zwischen allem ist wichtig. Alle Künste sprechen die gleiche Sprache, haben die gleichen Emotionen und leben von der Inspiration, ob bei Modeschauen, in den Galerien, im Theater oder auf der Konzertbühne.

Wie wurden die „Friday Nights“ in Wien aufgenommen?

Revich: Wien ist mit zwei Millionen Einwohnern eine relativ kleine Stadt. Jeden Tag gibt es viele Konzerte, und der Kampf, das Publikum für etwas Neues zu gewinnen, ist schwer. Die Kunstinteressierten in Wien sind ein bisschen konservativ und möchten im Vorfeld wissen, was sie erwartet und lieben daher eher das Traditionelle. Nach fünf Jahren ist es jetzt so, dass wir immer mehr von Menschen angesprochen werden, die wir für das Neue begeistern konnten und die es an Freunde und Bekannte weiter erzählt haben. Bei jedem Konzert gibt es also neue Leute, die sich selbst davon überzeugen wollen, was es mit den „Friday Nights“ mit Yury auf sich hat. Das Feedback und die Mundpropaganda sind da ganz wichtig.

Was versprechen Sie sich von dem diesjährigen Festival in Stolberg?

Revich: Tolle Musik, tolle Künstler, tolle Atmosphäre, hoffentlich auch schönes Wetter und gute Emotionen und viel positive Energie.

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