Neue Bauleitplanung soll Plateau der Kohlbuschhalde ermöglichen

Erneuter Anlauf nach zwei Jahrzehnten : Neue Bauleitplanung soll Bebauung des Plateaus der Kohlbuschhalde ermöglichen

Nach zwei Jahrzehnten ist die Gewerbeentwicklung in Münsterbusch wieder dort angekommen, wo sie in den 1990er Jahre gestartet war: Bei der Aufstellung eines Bebauungsplanes für das ungenutzte Gelände der Stolberger Zink auf dem Plateau der Kohlbuschhalde.

Der Begriff der „blühenden Landschaften“ bezieht sich bestenfalls auf die seltene Galmeiflora, die auf dem Plateau der Halde anzutreffen ist. Die seltenen Blümchen hatte aber Dr. Günter Minninger nicht gemeint, als er am 24. April 1998 für den „Europapark Stolberg“ eine Vermarktungsoffensive ankündigte – vor zahlreichen hoffnungsfroh strahlenden Vertretern von Rat und Verwaltung. Gut zehn Hektar Industrie- und Gewerbefläche an der Cockerillstraße sollten für Arbeitsplätze, Altlastensanierung und sprudelnde Mieteinnahmen bei der Stolberger Zink AG sorgen, versprach der damalige Vorstandsvorsitzende. Nichts wurde aus dem Projekt.

Und heute ist auch nichts mehr so, wie es einst war. Um 1837 von den englischen Frühindustriellen John und James Cockerill gegründet und seit 1845 eine Aktiengesellschaft, erlebte die Stolberger Zink eine wahrlich wechselvolle Geschichte, und landete in den 1970er Jahren bei der Vereinigte Metallwerke AG. Bis 1967 wurde die Zinkhütte, bis 1985 das Walzwerk betrieben. 1960 waren 900, 1985 noch 300 Menschen beschäftigt.

Mit dem Ende der betrieblichen Aktivitäten blieben im Wesentlichen nur noch Liegenschaftsverwaltung und Pensionskasse. 1996 verkauften die selbst notleidenden Metallwerke die Stolberger Zink dem Kölner Kaufmann Dr. Günter Minninger, der schon bei der Abwicklung der IG Farben im Osten Schlagzeilen geschrieben hatte.

Die alten Pläne anno 1998: Neue Gewerbebauten (blau) waren für das Haldenplateau und das heute städtische Zincoli-Gelände, für das Anfang nächsten Jahres eine neue Bauleitplanung beginnen soll, vorgesehen. Foto: Jürgen Lange

Minningers Zink übernahm die angeschlagene Süßwarenladenkette Most, firmierte um in „Stolberger Telecom AG“ und versuchte mit dem gemeinsamen Verkauf von Pralinen und Telekommunikationsgeräten Gewinne zu machen. 2000 blieb Minninger, der ein ganzes Geflecht von Gesellschaften strickte, den früheren Zink-Familien die Pensionsansprüche schuldig. 2002 folgte der Antrag auf Insolvenz. 2014 zog das Kölner Insolvenzgericht den Schlussstrich unter das Stolberger Unternehmen.

Die Grundstücke an der Cockerillstraße sind offiziell noch immer im Eigentum der „Stolberger Zink GmbH & Co. Gewerbe KG in Liquidation“, auf die die Gläubiger nach Informationenen unserer Zeitung ein waches Händchen halten. Mit Unterstützung des Flächenpools NRW, in den das Areal vor drei Jahren aufgenommen worden war, soll nun ein Neuanfang gewagt werden.

Mittwoch im Ausschuss

Das Modell vom Europapark aus dem Jahre 1998. Foto: Jürgen Lange

Am Mittwoch soll der Ausschuss für Stadtentwicklung dem am 11. Dezember tagenden Stadtrat den Einstieg in eine neue Bauleitplanung empfehlen und die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit beschließen. Es ist die vierte Änderung des Bebauungsplans Nr. 88, der den Titel „Gewerbepark Münsterbusch“ trägt.

Seit 1995 ist der Bebauungsplan gültig, auf dessen Basis Minningers besagter „Europapark Stolberg“ geschaffen werden sollte. Die neuerlichen Änderungen sollen „die planungsrechtlichen Voraussetzungen schaffen, ein wirtschaftlich tragfähiges Flächenangebot unter Berücksichtigung des Gebäudebestandes mit dem Ziel einer flexiblen Weiterentwicklung zur Verfügung zu stellen“; formuliert der Technische Beigeordnete Tobias Röhm in seiner Ratsvorlage.

Gemeint ist, dass der aus Zink-Zeiten verbliebene und weiterentwickelte Gebäudebestand des von unterschiedlichen Firmen genutzten Gewerbeparks aktuell planungsrechtlich abgesichert wird und zum zweiten das ungenutzte Haldenplateau bebaut werden kann.

Die Versiegelung dieser Plateaufläche zur Abdichtung der Altlast steht noch immer aus, während Ende der 80er / Anfang der 90er Jahre die Kohlbuschhalde teilweise abgetragen, neu geformt und mit unterschiedlichen Erdschichten versiegelt worden war. Für die noch ausstehenden Maßnahmen am Plateau ist noch eine Sanierungsvereinbarung zwischen der Städteregion und den Grundstückseigentümern erforderlich. Gespräche darüber laufen bereits.

Das Plangebiet umfasst heute elf Hektar, zieht sich von der Böschungsspitze der Kohlbuschhalde entlang über Heinrich-, Cockerillstraße und Schlossberg und umfasst somit das gesamte nördlich der L 221 gelegene, ehemalige Werksgelände-Gelände der Zink. Das ist in der Regionalplanung als Gewerbe- und Industrieansiedlungsbereich gekennzeichnet, während der bebaute westliche Zipfel als Allgemeiner Siedlungsbereich dargestellt wird. Im Flächennutzungsplan der Stadt ist das Plateau als gewerbliche Baufläche, der Wall als Grünfläche dargestellt; und eine nördliche Ecke liegt innerhalb des Landschaftsplanes III, wenn auch ohne Schutzausweisung.

Ziel bei der Überarbeitung der 23 Jahre alten Planung soll es nun sein, das Gewerbegebiet so neu zu gliedern, dass der Abstandserlass aus dem Jahre 2007 angewendet werden und das Gewerbegebiet dennoch flexibel entwickelt werden kann. Während die interne Erschließung künftig bedarfsgerecht erfolgen können soll, soll die externe Erschließung über bestehende Zufahrten abgewickelt werden. Das ist einerseits der Hauptzugang zum Gewerbepark Münsterbusch an der Kreuzung von Fettberg, Schlossberg, Schellerweg und Cockerillstraße sowie andererseits die derzeit für die Allgemeinheit verschlossene Feuerwehrzufahrt gegenüber dem Dienstleistungszentrum.

Die Bauleitplanung soll im Regelverfahren inklusive Umweltprüfung erfolgen. Bereits jetzt absehbar sind zwei Knackpunkte: Möglich ist, dass Heidelerche und Baumpieper auf der Kohlbuschhalde nisten. Sollten sie nachgewiesen werden, soll überlegt werden, wie eine externe Kompensation erfolgen könnte. Und ebenso ist gewiss, dass die vorhandene Galmeiflora aufgrund der angestrebten Versiegelung vollständig entfernt und gleichwertig ersetzt werden muss. Im Naturschutzgebiet Schlangenberg für solche Fälle vorbereitete Ausgleichsflächen könnten dabei genutzt werden.

Mehr von Aachener Nachrichten