Stolberg: Netzwerk für Entspannung auf der Liester

Stolberg: Netzwerk für Entspannung auf der Liester

Die Beispiele Gressenich und Büsbach haben es gezeigt: Am runden Tisch kann einiges erreicht werden. Aber nicht immer ist es sinnvoll, gleich alle Betroffenen an diesem Tisch zu versammeln. Das Jugendamt der Stadt Stolberg hat aus seinen Erfahrungen Konsequenzen gezogen und setzt bei den Bemühungen um Deeskalation im Stadtteil Liester auf ein neues Konzept.

„Wir haben zunächst einmal die in der Jugendarbeit Tätigen mit den Anwohnern zusammengebracht”, berichtet Jugendpfleger Josef Offergeld von einem ersten Schritt in die richtige Richtung. Statt durch das direkte Aufeinandertreffen von Beschwerdeführern und Jugendlichen ein unnötiges Reizklima zu schaffen, wurde den Erwachsenen Gelegenheit gegeben, ihre Sorgen und auch ihren Ärger los zu werden, ohne dass es zu einer unmittelbaren Reaktion kam.

„Zuhören kann manchmal auch schon sehr viel bewirken”, weiß Offergeld, wobei diese Aussage für alle Beteiligten gelten soll. Parallel nämlich versucht der mobile Jugendsozialarbeiter Frank Döhla, die Jugendlichen von der Liester zu kontaktieren und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Zu bereden gibt es offenbar einiges, denn die Klagen über Lärm, Pöbeleien, Vandalismus und Graffiti häufen sich. „Die Anwohner haben klar zum Ausdruck gebracht, was sie stört. Gleichzeitig haben wir aber auch ein gewisses Verständnis für die jungen Leute ausmachen können”, so Frank Döhla.

Das Verständnis rührt wohl in erster Linie von der Einsicht her, dass den Jugendlichen auf der Liester keinerlei Freizeitangebote unterbreitet werden. Die Aktionen der katholischen Pfarre St. Hermann-Josef richten sich an die Zielgruppe bis 14 Jahre, darüber hinaus gibt es wenig, was ältere Jugendliche begeistern könnte.

Auch für sie vorgesehene und geeignete Treffpunkte existieren nicht. Deshalb versammeln sich die unterschiedlichen Cliquen immer wieder auf den Spielplätzen oder im Grado- und Marie-Juchacz-Park. Auch die Gelände der Kindergärten werden bisweilen aufgesucht - vor allem abends und nachts.

Das sorgt nicht selten für Ärger, zumal schon mehrfach Scherben hinterlassen oder auch Pflanzen in den Vorgärten des Viertels ausgerissen wurden.

„Uns geht es darum, als Vermittler aufzutreten”, hat Josef Offergeld eine klare Vorstellung von der Rolle des Jugendamtes. Nicht nur die Stadt, sondern ein örtliches Netzwerk soll auf Dauer dafür sorgen, dass ein konfliktfreies Miteinander in einem auch für Jugendliche ansprechenden Viertel möglich ist.

Dafür wollen sich auch die Probst-Grüber-Schule, die Pfarre St. Hermann-Josef und der SKM sowie die Polizei im Rahmen ihrer Ordnungspartnerschaft einsetzen. Auch der Jugendbus könnte mit einem regelmäßigen, wöchentlichen Halt eine wichtigen Beitrag leisten. Und nicht zuletzt soll auf der Liester ein Jugendtreff gebaut werden, für den allerdings zuvor ein Konzept und auch Sponsoren gefunden werden müssen.

Am 13. April wird zum ersten Mal die neu gegründete Planungsgruppe zusammenkommen. Dann soll überlegt werden, welche konkrete Maßnahmen möglich sind. Und nicht zuletzt auch, wann den Jugendlichen ebenfalls ein Platz am runden Tisch angeboten werden wird.

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