Naturnahe und generationenübergreifende Grünanlage entsteht in Büsbach

Rund um den Spielplatz im Neubaugebiet : „Ribbecks Garten“ im „Barenland“ wird nun bepflanzt

Was Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau Anfang des 19. Jahrhunderts in der Lausitz geschaffen hat, versucht im Kleinen und nach der Charakteristik der Voreifel Bernhard Frings in Büsbach anzulegen.

Der breiten Masse bekannter ist das Eis, das nach einem der großen Gartenarchitekten Deutschlands benannt ist: Aber nachhaltiger als der schnell flüchtige süße Genuss sind die großflächigen Landschaftsgärten, die Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau Anfang des 19. Jahrhunderts in Mitteldeutschland beispielsweise in Bad Muskau nach britischem Vorbild geschaffen hat. Aufwendig und kostspielig wurde auf rund 830 Hektar eine neue Landschaft geschaffen, die mittlerweile den Rang eines Unesco Welterbes genießt.

Ganz so anspruchsvoll, aufwendig und kostspielig sind die Pläne nicht, die Bernhard Frings auf dem Büsbacher Brockenberg verfolgt, wenngleich auch dort einem großen preußischen Dichter aus dem 19. Jahrhundert gehuldigt wird: Theodor Fontane und seiner Ballade „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ wird mit dem Spielplatz und die umgebende Grünanlage im Herzen des Neubaugebietes von Eburonen- und Gallierweg gehuldigt:

Typische Voreifellandschaft

Die Arbeiten sind angelaufen in „Ribbecks Garten“. Er ist der erste generationenübergreifende Spielplatz im Stadtgebiet, und die in der Ballade besungene Birne ist nur eine von vielen alten Obst- und Beerensorten, die zu einer neuerlichen Premiere in Stolberg beitragen: Die Kupferstadt gestaltet ihre erste naturnahe Grünanlage.

Der „Beerenweg" entsteht in „Ribbecks Garten“ im „Barenland“: Die Gründanlage rund um den generationenübergreifenden Spielplatz in Neubaugebiet auf dem Brockenberg wird gestaltet. Foto: Jürgen Lange

Frings orientiert sich bei seinem Konzept an den dörflichen und botanischen Strukturen des Standortes, der zugleich die Verbindung zwischen Hostet und Brockenberg – zwischen historisch gewachsenem Dorfkern und Neubaubereichen – optimieren soll. Über 4000 Quadratmeter zieht sich der Grünzug durch das Neubaugebiet. Er soll mehr sein als ein grüner Rahmen für die 2000 Quadratmeter messende Spielplatzfläche: „attraktiv, vielseitig und individuell“, sagt Tobias Röhm: „Und zudem „generationenübergreifend nutzbar und ökologisch wertvoll mit einem hohen Aufenthaltswert“, so der Technische Beigeordnete weiter.

Die Charakteristik der Voreifellandschaft, die früher landwirtschaftlich und industriell genutzten Naturschutzgebieten Brockenberg und Rüst, die gleich nebenan am Rande des Neubaugebietes beginnen, bieten Bernhard Frings den Rahmen für „sein Bad Muskau“.

Aber ganz anders als Fürst Pückler sind dem Venwegener Gestaltungselemente englischer Landschaftsarchitektur fern. Frings großes Vorbild ist die heimische Landschaft und Natur. Er konzentriert sich auf eine Streu- und Wildobstwiese mit etwas geordneteren Strukturen, die von barrierefreien Wegen durchzogen wird.  Sitz- und Ruhemöglichkeiten sowie interessante Objekte sollen ebenso zum barrierefreien Benutzen wie zum Verweilen einladen, um die Naturlandschaft genießen zu können.

Im Norden gibt es zwei Zugänge. Vom Gallierweg her kommend, bildet das Entree eine „Gefühlsdusche“. Darunter muss man sich eine Holzkonstruktion mit unterschiedlich dicken Seilen und Ketten vorstellen, an denen Jung und Alt spielen können. Vom Höhenkreuzweg aus schreitet man dagegen durch ein von Hopfen beranktes Tor – und steht im „Prummehuck“.

Der Weg durch den Pflaumengarten führt vorbei an einer Sitzkombination und einer Slackline, vereinigt sich mit dem zweiten Zugang kurz oberhalb des Spielplatzes, um zwischen Quitten im Osten sowie Kirschen, Holunder und Apfelbeere im Westen oberhalb des Spielplatzes durch die Beerengärten sanft talwärts zu führen. Zwischen Johannis-, Him- und Brombeeren mündet ein weiterer Zugang vom oberen Gallierweg aus auf dem Beerenweg durch „Ribbecks Garten“.

Dort wo der Spielplatz mit dem Karussell endet, säumen Holunder, Sonnenblumen und Schilf einen Barfußpfad aus unterschiedlich großen Steinen, während ein Aussichtspunkt den Blick über das Stolberger Tal hinweg in Richtung Mausbach erlaubt.

Talwärts führt ein Abstecher des Weges durch ein größeres Birnenwäldchen, in dem auch eine hölzerne Wellenliege stehen soll, zu einem eingelassenen Steinkreis, auf dem man sich niederlassen kann. Gegenüber bilden nördlich des Spielplatz-Zugangs verschiedene Wildobstsorten und -arten eine Abgrenzung zur Bebauung.

In Richtung Süden säumen am Eburonenweg Berberitzen, Wildrosen, Ölweiden und Schlehen den Rand von „Ribbecks Garten“. Seine Spitze an der Einmündung von Gallier- und Eburonenweg markiert ein „Wildgarten“.

Jedermann darf sich bedienen

Spannend wie Bernhard Frings Landschaftsplan sich liest, dürfte auch die Gestaltung der Anlage in den nächsten Tagen interessante Eindrücke bieten. Und wenn Beerensträucher und Obstbäume angewachsen sind und Früchte tragen, dann darf Jedermann sich daran laben. So wie in Fontanes Ballade am Birnbaum auf dem Grab des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland – nur eben im „Barenland“.

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