Stolberg: Namen werden in Stein gemeißelt

Stolberg : Namen werden in Stein gemeißelt

An dem 1995 installierten Roma-Mahnmal vor dem Stolberger Hauptbahnhof nagte der Zahn der Zeit, und im Zuge der Umbaumaßnahmen musste es vollständig weichen. Es ist derart desolat, dass es nicht mehr aufgestellt werden kann. Zukünftig soll ein neues Mahnmal an die 37 Stolberger Roma erinnern, die 1943 von den Nazis nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet worden sind — zwei Drittel von ihnen waren Kinder.

„Die Zeitzeugen werden immer weniger, umso wichtiger ist es, die Erinnerung festzuhalten“, beschreibt Karen Lange-Rehberg, Autorin der von der „Gruppe Z“ herausgegeben Broschüre „Nach Auschwitz verzogen“, die sich mit dem Nazi-Terror in der Kupferstadt befasst.

Diskutieren über das Roma-Mahnmal: Karen Lange-Rehberg, André Hennecken, Jörg Veltrup und Bürgermeister Ferdi Gatzweiler. Foto: D. Müller

Die 94-seitige Broschüre ist bei der Stolberg-Touristik und der Bücherstube am Rathaus für fünf Euro erhältlich, und die Einnahmen aus dem Verkauf sollen in die Finanzierung des neuen Mahnmals fließen, das von der „Gruppe Z“ (Zukunft ohne Faschismus, Fremdenhass und Krieg) und der VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes — Bund der Antifaschisten) initiiert wurde. Kern des Mahnmals wird eine von dem Breiniger Bildhauer André Hennecken angefertigte 2,70 Meter hohe steinerne Stele sein, die die Namen der 37 ermordeten Roma trägt und dauerhaft gegen das Vergessen steht.

Das Mahnmal soll an der östlichen Seite des Bahnhofsvorplatzes, der nach dem jüngsten Familienmitglied der damals deportierten Roma den Namen Gustav-Wassilkowitsch-Platz trägt, aufgestellt werden. Auf rund zehn Metern Länge und fünf Meter Tiefe soll der Standort von einer Begrünung eingefasst werden; eine Bank soll zum Verweilen dienen. Das entsprechende Gelände stellen die Stadt Stolberg und die EVS (Euregio Verkehrsschienennetz GmbH) zur Verfügung, die EVS steuert zudem Schüttmaterialien und die Kosten für die Erstbegrünung bei, die Stadt will die Anlage künftig pflegen.

Dennoch bleiben für die Initiatoren Kosten von mehr als 5000 Euro, um das Mahnmal zu verwirklichen, so dass sie auf Spenden angewiesen sind (siehe Infokasten). Realisiert werden soll das neue Mahnmal mit der Umgestaltung der Rhenaniastraße im Jahr 2014 — ein Jahr nach dem 70. Jahrestag der Ermordung der 37 Stolberger Roma. „Wir überlegen daher gemeinsam, ob und wie wir schon 2013 ein Provisorium errichten können, um den Opfern im nächsten Jahr zu gedenken“, sagt Bürgermeister Ferdi Gatzweiler.

(dim)
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