Närrisch wie in „Stolberg am Rhing“

Gala-Kostümsitzung : Närrisch wie in „Stolberg am Rhing“

Immer wieder hätte man meinen können, durch Stolberg fließe nicht die Vicht, sondern der Rhein: Bei ihrer Gala-Kostümsitzung präsentierte die Erste Große KG mehrere Hochkaräter des Kölner Karnevals in der Stadthalle und setzte damit einmal mehr Maßstäbe, was den Stolberger Sitzungskarneval anbelangt.

Daran, dass es nicht nur am Rhein, sondern auch an der Vicht sehr schön ist und jeck zugeht, erinnerten die eigenen Programmpunkte der Ersten Großen, die verdienter Maßen lautstarken Applaus erhielten.

Allen voran der Stolberger Prinz Ecki I. (Eckhard Braun), der mit seinem schwungvollen Hofstaat und der Prinzengarde der Ersten Großen die Stadthalle in ein närrisches Tollhaus verwandelte. Sympathisch, temperamentvoll und pratschjeck begeisterten Ecki I. und seine Mannen das Publikum mit dem aktuellen Prinzenlied, das Erste-Große-Präsident Michael Bartz komponiert, getextet und arrangiert hat. Ebenfalls den Nerv des Narrenvolks getroffen haben Prinz und Hofstaat, als sie ein Medley schmetterten, in dem gekonnt schöne alte Fastelovendschlager und moderne Karnevalshits miteinander verbunden sind. 

Ein Heimspiel 

Die Tanzgarde brillierte bei der Gala-Kostümsitzung der Ersten Großen, bei der die KG mit sehenswerten Programmpunkten aus eigenen Reihen überzeugte. Foto: Dirk Müller

Ecki I. hat sein Heimspiel bei der Gala-Kostümsitzung in der Stadthalle zweifelsfrei als eine rauschende Prinzen-Party gestaltet, für die der närrische Regent mit tosendem Beifall belohnt wurde. Zu seinem Auftritt gehörte natürlich auch das traditionelle Element des „Stippeföttche“, zu dem Stadtkommandant Daniel Heinrichs die Prinzengarde der Ersten Großen antreten ließ. Zu Ehren der Tollität zeigte die Tanzgarde der gastgebenden KG eine eindrucksvolle Darbietung, und das Mariechen der Ersten Großen, Eva Schulz, verzückte die Zuschauer mit ihrem Tanz.

Anschließend flossen ein paar Tränen, als Präsident Michael Bartz und Prinz Ecki I. Mariechen Eva in ihre Mitte nahmen, und Bartz erklärte, dass es ihre letzte Session als Tanzmariechen der Prinzengarde sei, und Eva am Aschermittwoch die Tanzschuhe an den Nagel hängen werde. Mit einer kurzen und anrührenden Rede verabschiedete Eva sich jetzt schon und rief ihre erste aktive Session als Gardemarie in Erinnerung, in der 2016 ihr Vater Holger Schulz, Oberehrenhut und Vizepräsident der Ersten Großen, als Prinz Holli I. die Narren der Kupferstadt regierte.

Gardemarie Eva Schulz hängt Aschermittwoch die Tanzschuhe an den Nagel und wurde von Präsident Michael Bartz und Prinz Ecki I. verabschiedet. Foto: Dirk Müller

Zu Beginn der gut fünfeinhalbstündigen Gala-Kostümsitzung bewies der Nachwuchs der KG sein Talent und Können. Jugendmariechen Charlotte Claßen, seit stolzen 11 Jahren aktives Mitglied der Ersten Großen, wirbelte mit viel Ausstrahlung über die Bühne, und Kindermariechen Olivia Roßbruch verzauberte das Publikum ebenso wie die stattliche Jugendgarde der KG. Den musikalischen Rahmen der Gala-Kostümsitzung steckte die professionelle Sitzungskapelle „Skyline“ in bester Manier, und Präsident Bartz moderierte natürlich wie fachmännisch den abwechslungsreichen Abend mit vielen Höhepunkten. 

Pointierte Scherze 

Dazu zählten die pointierten Scherze von „De Frau Kühne“ und der beeindruckende Auftritt der „Ratsherren Unkel“. Die „wohl bekannteste Blasmusik-Boygroup des Rheinlandes“ war eindeutig erste Wahl und sorgte in Frack und Zylinder und vor allem mit handgemachter Livemusik von Karneval bis Jazz für feinste Stimmung bei der Gala-Kostümsitzung der Ersten Großen. Die „Westerwaldsterne“ nutzten die Deckenhöhe der Stadthalle effektiv aus und präsentierten atemberaubende Hebe- und Wurffiguren sowie riesige Pyramiden bei ihrem sehr ansprechenden Gardetanz mit Showelementen.

Die Brauchtumsgruppe „Fidele Kölsche“ brachte viel Livemusik und zahlreiche kölsche Originale, das Hänneschen-Theater und Vertreter Kölner Traditionskarnevalsgesellschaften auf die Bühne, und Stolberg lag wieder am Rhein. Die angekündigte Band „Boore“ trat nicht auf.

Bartz erklärte, ein Zahlendreher bei der zuständigen Buchungsagentur sei Schuld an der Panne gewesen. Eine Panne, die nun die „Mädcher op Jück“ erfreuen wird, denn statt am 26. Januar bei der Gala-Kostümsitzung spielen die „Boore“ jetzt am 26. Februar in Stolberg – bei der Mädchensitzung der Ehrenhut der Ersten Großen im Büsbacher Saal von „Angie‘s Bistro“.

Für die Gala-Kostümsitzung aber hatte die KG einen mehr als adäquaten Ersatz gefunden: Die Band „Kölsche Adler“ überzeugte mit musikalischer Qualität, starken eigenen Liedern und ihrem charismatischen Sänger Timo Tiggeler und begeisterte das Publikum.

Ein prachtvolles Bild lieferte das Reiter-Korps Jan von Werth, als die Kölner Traditionsgesellschaft von 1925 in voller Stärke in die Stadthalle einmarschierte, vor der die drei großen Reisebusse der KG parkten. Lediglich die Band „Poether Show Fanfaren“ aus Mönchengladbach konnte das Topniveau der Gala-Kostümsitzung der Ersten Großen nicht halten und kämpfte arg mit der Abmischung ihres Sounds.

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