Stolberg: Nach den Sommerferien: Die Vorfreude auf die Schule ist groß

Stolberg: Nach den Sommerferien: Die Vorfreude auf die Schule ist groß

Ordentlich gepackt, als würde es jeden Moment losgehen, steht die kunterbunte Schultasche an dem Basteltisch der kleinen Leonie (Name von der Redaktion geändert). Direkt daneben, im gleichen Muster, ihre neue Sporttasche mit Turnschuhen darin.

Leonie wird in diesem Jahr eingeschult, ein ganz neuer Lebensabschnitt beginnt. Mit uns hat sie sich über ihre Erwartungen für die Zukunft unterhalten.

Leonie ist eines von insgesamt 470 Stolberger Kindern, das in diesem Jahr zum ersten Mal eine Schule besucht. An diesen Zahlen wird sich auch in den kommenden Jahren in der Stolberger Schullandschaft wohl nicht viel ändern.

Einer Prognose zufolge, die im Schulentwicklungsplan der Stadt veröffentlicht wurde, soll es im Jahre 2021 insgesamt 518 Erstklässler geben. Dann sollen die Zahlen wieder leicht fallen, sodass heute in zehn Jahren etwa 450 Kinder in der Kupferstadt eingeschult werden.

Zu diesem Zeitpunkt wird Leonie den größten Teil ihrer Schullaufbahn bereits hinter sich haben. Doch zunächst gilt es, sich richtig auf den ersten Schultag vorzubereiten. Die Sechsjährige mit den wachen Augen greift nach dem Ranzen, öffnet ihn und präsentiert lächelnd ihr farblich passendes Federmäppchen: Reihenweise unbenutzten Buntstifte sind darin, ein Lineal, ein Radiergummi und ihr Hausaufgabenheft.

Auch Klebestift, Schere und Spitzer gehören zur Erstausstattung. In einer DINA4-großen Mappe, die noch leer ist, soll das Mädchen Post an die Eltern nach Hause transportieren. „Das müssen wir alles schon am ersten Tag dabei haben“, erzählt sie aufgeregt. Schulhefte, Arbeitshefte und Bücher hat sie noch keine, die werden als Sammelbestellung direkt über die Schule geordert.

Ihre Schultasche mit Pferd und Herzchen drauf hat die Sechsjährige vom Christkind bekommen. Die Tasche verfügt über Reflektorstreifen, ein zusätzlicher kleiner, leuchtend gelber Reflektor aus Kunststoff baumelt an der Seite ihrer Tasche herunter.

Einen Regenschirm hat Leonie an die Seite ihrer Tasche gesteckt, aber nicht den von der gleichen Firma, von der auch die Tasche ist: Der war ihr einfach zu schwer. „Zum Glück sind die Taschen nicht mehr ganz so klobig wie früher“, sagt ihr Mutter. Idealerweise wiegt so ein Ranzen, wenn er ganz leer ist, bis zu 1,3 Kilogramm. Zu leicht soll er aber auch nicht sein, erklärt der TÜV, und eine feste Rückseite haben. Sonst wird der Rücken von Kindern zu stark belastet, warnt der TÜV.

Wie die meisten anderen Kinder auch, ist Leonie vorher in einen Kindergarten und in die Vorschule gegangen. Und zwar sehr gerne gegangen. „Das war schön“, sagt sie ein kleines bisschen wehmütig. Aber: Sie freut sich schon sehr auf die Schule. Außerdem werden ein paar der Kinder ihrer Gruppe in die gleiche Klasse kommen. „Und ich kenne noch andere Kinder aus meiner Nachbarschaft, die auch auf die Schule gehen. Die treffe ich dann in der Pause.“

Wie sie zu ihrer neuen Schule kommt, dass weiß Leonie auch schon ganz genau. Den Weg ist sie mit ihren Eltern einige Male durchgegangen. Weit hat sie es nicht. Dass sie beim Überqueren der Straße, die auf dem Schulweg liegt, vorsichtig sein muss, das haben ihr ihre Eltern schon erklärt. „Aber der Schülerlotse passt ja auch auf uns auf“, sagt sie.

Ihren neuen Klassenraum hat sie auch schon angesehen, die Klassenlehrerin schon kennenlernen dürfen: „In so einer Schule sieht es ganz anders aus als im Kindergarten, ist ja klar“, sagt sie und lacht. Der Klassenraum sei riesig, mit vielen Tischen und Stühlen, damit alle Kinder sitzen können.

„An manchen Tischen sitzen nur zwei Kinder, manche Tische sind aber zusammengeschoben, da sitzen dann sechs Leute dran“, hat sie beobachtet. Mit insgesamt 26 Kindern wird Leonie sich den Unterrichtsraum teilen, davon gehen einige aber schon in die zweite Klasse. „In der ersten Klasse sind wir elf Kinder.“

„An den Wänden sind Bilder. Und vorne, hinter der Lehrerin, ist eine große Tafel.“ Ein digitales Whiteboard gibt es auch, aber auf die gute alte Schultafel greifen die Lehrer immer noch gerne zurück. Auch sonst sind Leonie zwischen Kindergarten und der Schule eine Menge Unterschiede aufgefallen: „Im Kindergarten haben wir gespielt — und in der Schule wird gelernt, das ist doch klar!“

Und was? Rechnen, Schreiben und Lesen, darum geht es in der Schule, das weiß Leonie schon. Sportunterricht wird es geben, Schwimmen kommt erst in einem späteren Schuljahr, schätzt sie. Aber sie trainiert schon fleißig mit ihren Eltern, um das Seepferdchen zu bekommen. Und sie selbst kann auch schon ein bisschen schreiben und zählen: „Bis 100 komme ich!“, ruft sie stolz.

Ein bisschen gelernt haben die Kinder aber auch schon in der Vorschule, erklärt Leonie. Zwar gab es keinen Rechnen- und Leseunterricht. „Wir haben aber die Polizei besucht, und die Feuerwehr“, berichtet die junge Kupferstädterin begeistert.

Während die anderen Stolberger Schüler am Mittwoch schon ihren ersten Schultag haben, müssen die neuen Erstklässler am Donnerstag ran: „Am ersten Schultag haben wir nur eine Stunde“, sagt Leonie. Ihren Stundenplan hat sie zwar noch nicht, aber dass sie in der Regel zunächst vier Unterrichtsstunden haben wird, das wurde ihr schon mitgeteilt.

„Ich bleibe aber länger in der Schule“, sagt sie und grinst. Sie wird, da ihre Eltern berufstätig sind, die Nachmittagsbetreuung besuchen. „Das heißt, wir bekommen in der Schule Mittagessen, und danach kann man zum Beispiel ein Musikinstrument lernen oder Hausaufgaben machen.“

Was sie einmal machen will, wenn die Schulzeit vorbei ist, davon hat Leonie noch keine feste Vorstellung. Ihre Eltern sind selbstständig und haben ein Geschäft in Aachen. „Ich glaube, ich helfe Papa im Laden, wenn ich groß bin. Und wenn er dann zu alt ist, dann mache ich das ganz alleine.“ Viel spannender scheint aber momentan die Frage zu sein, wann sie endlich ein eigenes Kaninchen bekommt.

„In den Ferien kümmern wir uns erst mal um die Kaninchen der Nachbarn“, sagt ihr Vater und lächelt, „dann sehen wir weiter.“ Ansonsten stehen bei Leonie derzeit Pferde ganz hoch im Kurs, sie geht regelmäßig zur Ballettstunde und spielt gerne mit ihrem kleinen Postladen und löst Rätsel wie eine Weltmeisterin. Arzt spielen, oder Detektiv, das findet sie auch spannend. „Aber meistens flitzen wir einfach in der Nachbarschaft rum, wie wir wollen!“

Viele neue Dinge werden in den nächsten Wochen und Monaten auf Leonie zukommen. Siebeneinhalb Wochen hatte sie nun Ferien zwischen dem letzten Tag im Kindergarten und dem ersten Schultag.

Worauf sie sich im Moment am meisten freut? „Die Schultüte!“ ruft sie laut. Die sei ganz toll, was ihre Eltern hineingesteckt haben, weiß sie noch gar nicht. „Das ist eine Überraschung“, erklärt sie und wird ein bisschen hibbelig. Sie kann es kaum erwarten, nach ihrer Einschulung endlich die Tüte aufmachen zu dürfen.

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