In mehreren Sprachen : Gebetet mit Rasseln und Gospelgesang

Schnell das blaue Gospelgewand übergeworfen, dann kann es auch schon losgehen: Vor dem gemeinsamen Ostersonntagsgottesdienst in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Mont- Sinaï bedarf es nicht mehr viel Vorbereitung.

Nur im Raum, wo sich die Chormitglieder umziehen, sind laute Stimmen zu hören, die durcheinander reden.

„Das sind unsere Mütter, die auf Lingala dafür beten, dass Gott uns beim Gottesdienst leiten möge“, erläutert Prisca Kazembe. Die 23-Jährige übernimmt die Moderation des Gottesdiensts in der ehemaligen Neuapostolischen Kirche am Schellerweg 50. Während die Studentin ihr Gospelgewand anzieht, erzählt sie von ihren Beweggründen, sich in der Kirche zu engagieren: „Was ich davon habe? Frieden – wenn jeder das selbst erfahren würde, würden wahrscheinlich alle in die Kirche gehen“, sagt die junge Frau.

Enthusiastisch und mit leuchtenden Augen erzählt sie davon, wie Gemeindemitglieder das Leben aus einer anderen Perspektive betrachten, wie wichtig Werte wie Freundschaft und Familie seien. Ihre Begeisterung kommt nicht von irgendwoher: Seit ihrem fünften Lebensjahr geht sie gemeinsam mit ihrer Familie in die Kirche, ihr Bruder Taty Kazembe ist Leiter der Mont- Sinaï-Gemeinde.

Willkommensgeschenke

Mit dem Gottesdienst auf Deutsch am Ostersonntag wolle die Gemeinde die „frohe Botschaft der Auferstehung Jesu auch an andere Brüder und Schwestern verkünden“, sagt Prisca Kazembe. Deswegen wurden die deutschen Übersetzungen der auf Lingala oder Französisch gesungenen Lobpreislieder wie „Vater, ich komme jetzt zu dir“, „Dir gebührt die Ehre“ und „Wenn ich deine Herrlichkeit bestaune“ mit einem Beamer an eine Leinwand geworfen, so dass jeder mitsingen konnte, der wollte.

Rasseln, Keyboards und Gitarren begleiteten die Lieder, es wurde getanzt und Pastor Dirk Böhme hielt seine Predigt über Johannes 20, 11-18, die Begegnung von Maria von Magdala am leeren Grab: „Es geht darum, dass Jesus lebt und wir ihm heute noch begegnen können“, sagte der Alsdorfer Pastor. Für Nicht-Gemeinde-Mitglieder gab es Willkommensgeschenke, bestehend aus bunt gestalteten Karten mit Bibelversen, zum Schluss kamen alle Besucher des Gottesdienstes zum gemeinsamen Kaffeetrinken und Kuchenessen zusammen.

70 Mitglieder

Die Gemeinde Mont-Sinaï besteht aus circa 70 Christen, die überwiegend aus dem Kongo stammen. Sie gründete sich 2004 und verlegte 2016 ihr Zuhause von Aachen nach Stolberg. Vor genau einem Jahr fand die Eröffnungsfeier am Schellerweg 50 statt.

„In Stolberg sind wir als Gemeinde viel freier geworden und können zum Beispiel mehr Gebetsnächte machen, wie am Donnerstag vor Karfreitag, als wir von 23 bis 6 Uhr gebetet und gesungen haben“, erzählt Prisca Kazembe. In Aachen war die Gemeinde lediglich Untermieter von Räumlichkeiten einer anderen Gemeinde. Die Nachbarschaft in der Kupferstadt beschreibt die 23-Jährige als angenehm: „Das sind ganz liebe Menschen, die uns auch mal besuchen kommen – wir haben keinerlei Probleme.“

Der nächste Gottesdienst der Gemeinde Mont-Sinaï auf Deutsch mit Gospelmusik, Kaffee und Kuchen in der Kirche am Schellerweg findet am Sonntag, 1. September, und Sonntag, 22. Dezember, jeweils von 12 bis 13.30 Uhr statt.

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