Archivale des Monat: Modernisierung der kleinen Kirche in Venwegen zur Mitte des 19. Jahrhunderts

Archivale des Monat : Modernisierung der kleinen Kirche in Venwegen zur Mitte des 19. Jahrhunderts

Zum 900-jährigen Jubiläum der Kupferstadt Stolberg präsentiert das Stadtarchiv monatlich ein Archivale aus einem Stadtteil. Von A wie Atsch bis Z wie Zweifall werden in dreizehn Folgen Stadtteilgeschichten erzählt und Illustriert mit Annoncen aus dem "Stolberger Generalanzeiger" von 1898.

Die kleine Kirche St. Brigida in Venwegen wurde Mitte des 19. Jahrhunderts einer Modernisierung unterzogen, die sich über einige Jahre erstreckte. 1844 war eine neue Schieferverkleidung eine der ersten geplanten Maßnahmen. Vermutlich auch eine der dringlichsten, da die westwärts weisende Front damit einen Schutz vor schädlichen Wettereinflüssen erhielt.

Im Stadtarchiv sind alte Pläne zu Bauprojekten einsehbar. Foto: C. Altena

Die Zeichnung als Archivale des Monats und die zugehörigen Schriftstücke sind Teil der Akte ZW 104 aus der Zweifaller Gemeindeverwaltung.

Schriftverkehr

Der Akteneinband trägt in feiner Tuscheschrift den Originaltitel „Acta specialia betreffend: Bauliche Unterhaltung der Schule zu Veenwegen und Kirche daselbst“. Vielfacher Schriftverkehr zwischen der „Gemeinde Cornelymünster“, zu der Venwegen lange Zeit gehörte, der Ortsverwaltung von „Zweyfall bey Stollberg“ sowie des Aachener Landrats geben Auskunft über Bau-, Schul- und Finanzverwaltungsfragen in Venwegen und auch „Maulardshutt“, wie der außerhalb des Stolberger Stadtgebiets gelegene Ort Mulartshütte teils geschrieben wurde.

Zeichnungen

Etwas unklar ist der Umstand, dass zum einen eine Angelegenheit innerhalb der damaligen Gemeinde Kornelimünster in der Zweifaller Gemeindeverwaltung behandelt wurde, wie zum anderen, dass die bürgerliche Verwaltung überhaupt in eine kirchliche Baumaßnahme involviert war.

Abbildungen, also Drucke oder Zeichnungen, sind in Akten des 19. Jahrhunderts selten und diese umso spannender, da St. Brigida noch ohne Dachreiter abgebildet wird. Unterzeichnet ist der „Plan über die Schiefer Bekleidung des Kirchengiebels zu Venwegen, Bürgermeisterei Cornelymünster“ von Pfarrer Chorus, der noch im selben Jahr Venwegen gen Freialdenhoven verlassen sollte.

Im Folgejahr wurde die bisherige, nur unter dem First befindliche Schieferverkleidung auf ein Drittel der Bruchsteinfassade ausgedehnt. Mit Bleistift eingetragen ist ein hoher Giebelaufsatz mit bekrönendem Kreuz und Wetterhahn. Sehr fraglich ist, ob diese Lösung je zur Ausführung gelangte.

Schließlich muss der Dachreiter zur Aufnahme der Glocken spätestens im Jahr 1853 ergänzt worden sein. Das Kirchlein verrät seine Entstehung im Rokoko durch die segmentbogigen Fenster und das Spiegelgewölbe im Inneren. Die Bezeichnung hat nichts mit Spiegeln zu tun, sondern bezieht sich auf die plane Fläche oberhalb der Gewölbebögen.

Das barocke Drehtabernakel auf dem Altar, 1888 aus der abgebrochenen Aachener Jakobskirche nach Venwegen geholt, passt stilistisch in die 1782 entstandene Kirche. Und mit dem um 1740 entstandenen Objekt besitzt Venwegen ein Kunstwerk des Aachener Stadt-(oder Star-?)architekten Johann Joseph Couven.

Kostenvoranschlag

Baumeister Habes hatte einen zweiseitigen Kostenvoranschlag vorgelegt, der „A. Arbeitslohn, B. Material und C. ad Extra ordinaria“ beinhaltete. Für die Erstellung des Holzunterbaues und die Aufbringung der Schieferplatten wurden etwa zwanzig Taler preußischer Währung veranschlagt, für das einzusetzende „scharfkantige Eichenbauholz“ und den Schiefer, „von Montjoie [also Monschau] hergeholt“, wie es heißt, sollten 123 Taler fällig werden.

Weitere zehn Taler „für unvorhergesehene Fälle aller Art“.

Zusammen also genau 153 Taler, vierzehn Groschen und sechs Pfennig. Mit etwa dreizehn Prozent waren die Personalkosten dabei weitaus geringer als bei heutigen Baumaßnahmen, bei denen dieser Anteil bis zu sechzig Prozent betragen kann.

Spannend für die bauhistorische Forschung ist also nicht nur die Zeichnung, sondern auch Habes‘ Voranschlag, der auch die damalige Konstruktion bis ins Detail der einzusetzenden 6700 Schiefertafeln und 20100 Nägel, also drei Nägel pro Platte, nachvollziehen lässt.

1935 wurde die Schieferbekleidung erneuert und vermutlich dann bis zum Sockel herunter ergänzt. Das Stadtarchiv beherbergt und sammelt als Historisches Kompetenzzentrum und ‚ Gedächtnis der Stadt‘ Akten, Urkunden, Bilder, Bücher, Zeitungen, Nachlässe und andere Sammlungen der Stadtgeschichte. Historische Unterlagen aus allen Stadtteilen stehen dort interessierten Bürgern für Forschung, Wissenschaft und Bildungsarbeit zur Verfügung.

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