Stolberg: „Mittagessen im Kindergarten”: Mit Patenschaften Magen füllen

Stolberg: „Mittagessen im Kindergarten”: Mit Patenschaften Magen füllen

Für Hans-Josef Wellmann ist das Projekt eine Herzensangelegenheit.

Seit dem Startschuss von „Mittagessen im Kindergarten” (Mieki) vor zwei Jahren, kümmert sich der Vorsitzende der Stolberger Arbeiterwohlfahrt (AWO) zusammen mit dem städtischen Jugendamtsleiter Willi Seyffarth federführend darum, dass gut 150 hilfsbedürftige Kinder in den 31 Stolberger Kindertagesstätten täglich ein warmes Mittagessen auf dem Tisch stehen haben.

Bis Ende des Jahres ist die Fortsetzung der Hilfsaktion, die alleine durch Spenden finanziert wird, noch gesichert. Doch bei steigendem Bedarf und einem Rückgang der Sponsorengelder steht Wellmann im kommenden Jahr vor einem echten Problem.

Um dieses Problem zu lösen, nahm Wellmann jetzt die Fraktionsspitzen der demokratischen Parteien im direkten Gespräch in die Pflicht - mit konkreten Ergebnissen, die den Initiatoren von „Mieki” Hoffnung für die Zukunft machen.

Nichts für den Wahlkampf

Zwar bat Wellmann die anwesenden Politiker gut eine Woche vor der Kommunalwahl den Wahlkampf „aus dem Raum zu lassen”. Doch es ist auch nicht die direkte finanzielle Unterstützung der Stadt, sondern vielmehr die Unterstützung bei der Akquise von Sponsorengeldern sowie das öffentliche Werben für das Projekt, das Wellmann fordert. „Ich habe das Treffen nicht organisiert, um von ihnen 40.000 Euro im Haushalt für „Mieki” zu fordern, das wäre weltfremd.

Es geht letztlich darum, dass wir ihre Mithilfe benötigen, sei es durch Patenschaften oder Benefizveranstaltungen, wo das Geld „Mieki” zu Gute kommt.” Auch Jugendamtsleiter Willi Seyffarth richtete seinen Appell an die Politiker: „Wir wollen nicht, dass so ein Projekt nach zwei bis drei Jahren einschläft. Die Zahlen und die jüngste Entwicklung zeigen, dass das Projekt ein ganz wichtiger Beitrag zur Hilfe und Förderung von Kindern ist”, so Seyffarth.

Dieser Appell traf bei den Politikern nicht auf taube Ohren. Die Vertreter der CDU, SPD, FDP, UWG und der Linken erklärten sich bereit, gemeinsam an der Finanzierung von „Mieki” auch über das Jahresende hinaus zu arbeiten. „Es ist in der Tat so, dass es unsere Verpflichtung ist, zu reagieren”, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Tim Grüttemeier, der die Bildung eines Arbeitskreises mit Vertretern der demokratischen Fraktionen des Stadtrates vorschlug.

„Wir werden das voll und ganz unterstützen.” Dem schloss sich auch SPD-Ratsmitglied Hildegard Nießen an, für die „Mieki” nicht nur eine Frage der gesunden Ernährung ist. „Das Projekt ist auch eine Frage der sozio-kulturellen Erziehung. Mittags gemeinsam an einem Tisch zu sitzen, kennen viele Kinder leider nicht.” Erste Einnahmen für das Projekt könnten nach Nießen mit dem Verkauf von Buttons im Rahmen des Stolberger Stadtfestes vom 18. bis 20. September erzielt werden.

Weitere Einnahmen verspricht sich Wellmann von einem Benefiztanzabend am 17. Oktober im Jugendheim Münsterbusch. Als eine andere Möglichkeit der finanziellen Unterstützung stellte der AWO-Vorsitzende zudem die Übernahme einer Patenschaft vor (siehe Box). Hans Emonds, Bürgermeisterkandidat der UWG, sicherte zwar auch die uneingeschränkte Unterstützung des Projekts zu, übte jedoch auch Kritik: „Es kann eigentlich nicht sein, dass Kinder von zu Hause aus nichts zu Essen bekommen. Das wäre auch einmal ein Thema, das man im Fachausschuss diskutieren müsste.”

Finanzierung nicht gesichert

Unter dem Strich herrschte jedoch Einigkeit über die Notwendigkeit der Unterstützung von „Mieki”. Gesichert ist die Finanzierung der Hilfsaktion für das kommende Jahr damit aber noch lange nicht. „Aber wir wollen das Projekt gemeinsam weiterführen. Und wir werden dafür kämpfen, bis es eben nicht mehr geht”, betont Hans-Josef Wellmann. Für ihn ist und bleibt die Sache eine Herzensangelegenheit - er hofft, dass das auch für die Politik so ist.