Mitreißendes Konzert in Stolberg

Melodien aus Oper und Operette : „Zigeunermusik“ entzückt in der Stolberger Burg

Im 19. Jahrhundert rückte das Volk der Roma in das Bewusstsein schaffender Künstler, die noch völlig unbefangen den Ausdruck Zigeuner verwendeten. Die Kunst setzte sich allerdings nicht ernsthaft mit der Lebenswirklichkeit der Zigeuner auseinander, sondern entwarf romantisierende, idealisierte Bilder, die in verschiedenen musikalischen Werken umgesetzt und jetzt im gut gefüllten Rittersaal in einer Auswahl dargeboten wurden.

Mit unvergesslichen Liedern, Arien und Hits aus Opern bis hin zur Ungarischen Operette stellten Alexandra Bernd (Sopran), Anita May (Alt), Tobias Richartz (Tenor), Josef Otten (Bass) und Klaus Weiß (Klavier) ihre große Klasse unter Beweis. Das Programm war ein Hochgenuss. Nicht nur gesangliche Spitzenleistungen wurden vernommen, auch ein heiterer Dialog zur Begrüßung und komödiantische Aspekte schafften eine stilgerechte Atmosphäre.

Begonnen hatte das Ensemble mit Robert Schumanns „Zigeunerleben“ op. 29,3 auf einen Text von Emanuel Geibel, in dem mit unterschiedlichen Klangfarben, Emotionen und Stimmungen alle Zigeunerklischees über das ungebundene Leben heraufbeschworen wurden. Die beliebten „Zigeunerlieder“ von Johannes Brahms in abwechslungsreicher Besetzung standen dem nicht nach: Wie ein roter Faden zog sich durch die fünf von acht Liedern die Darstellung seelischer Gefühle mit ihren Höhen und Tiefen. Textlich und musikalisch tauchten immer wieder Anklänge an die ungarische Volksmusik auf.

„Dass die Liebe vom Zigeuner stammt“, wusste Sopranistin Alexandra Bernd und bestätigte in französischer Sprache, dass die Liebe nicht zu zähmen ist und sich an kein Gesetz hält. Als „Carmen“ aus der gleichnamigen Oper von Georges Bizet präsentierte sie die Habanera verführerisch gut, während ihre drei Kollegen in den Chor einstimmten. Ein lyrisches Märchen ist die Oper „Rusalka“ von Antonin Dvorák, und nicht fremd ist das poetische Lied aus dem ersten Akt. Rusalkas tiefe Sehnsucht nach Liebe kommt in „Du lieber Mond“ zum Ausdruck, das Alexandra Bernd tonschön und zart und in Originalsprache (tschechisch) interpretierte.

Nach der Pause gab es in wechselnder Folge Arien und Duette aus verschiedenen Operetten. So hörte man die Sopranistin beispielsweise als Ilona in der „Zigeunerliebe“ und als rassiges, gefühlvolles Zigeunermädchen Saffi im „Zigeunerbaron“. Tobias Richartz, in der Höhe über Honigsüße verfügend, zeigte große Unterhaltung im „Wolgalied“ aus dem „Zarewitsch“ und gefiel besonders den Damen mit „Dein ist mein ganzes Herz“ („Land des Lächelns). Auch Anita May präsentierte sich in guter Form mit „Spiel auf deiner Geige das Lied von Lust und Freud“ von Robert Stolz und dem „Viljalied“ aus der „Lustigen Witwe“.

Voll beschäftigt an diesem Abend war Klaus Weiß, dessen pianistisches Spiel voller kniffliger Passagen die Stimmung zwischen ausgelassenem Frohsinn und leiser Melancholie vermittelte. Nach lang anhaltendem Beifall und Rufen nach Zugaben wiederholte das Ensemble das Eingangsstück.

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