Stolberg: Mit Stadtschlüssel und Pfanne an die Macht

Stolberg: Mit Stadtschlüssel und Pfanne an die Macht

„Es darf wieder über überall geraucht werden, und jede Kneipe wird zur Disco“: Das sind die ersten Verordnungen der neuen Stadtführung unter Prinz Edilio I. (Gonzalez). Unter großem Jubel der Narrenschar auf dem Alter Markt entreißt Tollität dem Bürgermeister den Stadtschlüssel.

Alaaf-Rufe mischen sich mit unzähligen „Olé“ und Edilio-Jubelchören. Zurecht, denn der Stolberger Prinz bleibt standhaft, widersteht den Versuchen des Verwaltungschefs ihm den Stadtschlüssel madig zu machen. Mit kulinarischen Genüssen. Oder genauer gesagt mit einer großen Paella-Pfanne, die das Konterfei von Edilio ziert. „Die bekommst Du nur, wenn Du auf den Stadtschlüssel verzichtest“, klammert sich der Verwaltungschef an die Macht im Rathaus. Doch da hat der Bürgermeister die Rechnung ohne die spanische Finesse der Tollität gemacht. „Ich nehme einfach beides“, lacht Edilio gewinnend, nimmt zuerst die Pfanne und dann auch mit dem Stadtschlüssel die Macht bis Aschermittwoch in Empfang.

Happy Birthday Prinz Uli I. (Laschet): Die Vichter Tollität hat für die Feier zu ihrem 4 x 11+1. Ehrentag eine große Kulisse mit vielen Prinzen, wie hier Edilio I. (Gonzalez), bei der Schlüsselübergabe im Schatten der Burg gewählt.

Standhaft bleibt an diesem Nachmittag aber auch der Bürgermeister. Die Bühne auf dem Alter Markt, von der aus die Karmaba Männcher die Jecken auf dem Platz und die über die Burgstraße leise ohne große musikalische Begleitung aufmarschierenden Gesellschaften mit zünftiger Karnevalsmusik ausgezeichnet unterhalten, erscheint dem Verwaltungschef nicht sicher genug, um alle prinzlichen Tollitäten durch das närrische Treiben der Schlüsselübergabe zu geleiten. Doch der Stolberger Karnevalist ist flexibel. Erst recht wenn seine heimatliche Altstadt die besten Bühne von Natur aus parat hält. Kurzerhand disponieren Komitee und Bürgermeister um: Die Schlüsselübergabe moderieren Ferdi Gatzweiler und Vize-Komiteepräsident Michael Bartz wortgewandt vom Luciaweg aus, dem Aufgang zur stattlichen Burg vor der herrlichen Kulisse der St.-Lucia-Kirche. Was durchaus den Vorteil hat, dass die jecken Untertanen das Geschehen noch weit besser verfolgen können.

Mit Trommel, Akkordeon und den Mönsterböscher Jonge an der Spitze ziehen die Komitee-Gesellschaften zur Schlüsselübergabe in die Altstadt.

Immerhin ist die Schar der prinzlichen Würdenträger an diesem Nachmittag stattlich. Eigens vom närrischen Vicht den Vichtbach herab gekommen — obwohl die Lehmjörese keine Komitee-Mitglieder sind — ist Prinz Uli I. (Laschet) aus einem wahrhaft närrischen Anlass: Er feiert seinen 4 x 11+1. Geburtstag vor großer Kulisse.

Kann den Karneval schöner sein, als bunt kostümiert und gut gelaunt zur Schlüsselübergabe zu gehen?

Doch bevor die großen Narrenherscher an der Reihe sind, wird der Jugend Tribut gezollt — und mit printen-süßen Stadtschlüsseln für die Kindertollitäten: Isabel I. (Franck) von der Mölle, Leandro I. (Mehl) von der Ersten Großen, Justin I. und Monique I. (Schartmann) von der KG Büsbach nehmen solch einen Stadtschlüssel aus Printenteig aus den Händen des Bürgermeisters in Empfang sowie Celine I. (Peters) von den Wenkbülle auch einen zweiten aus Messing, den ihre Donnerberger Gesellschaft gestiftet hat.

Bei all diesen närrischen Staatsakten bleibt nun viel Raum für das jecke Treiben. Edilio I. stimmt sein Prinzenlied an: Bei „Stolberg Olé ... mit Kupfer im Herzen und Fastelovvend im Blut“ liegen dem charmanten Prinzen mit dem spanischen Flair die Herzen zu Füßen. Und bei Stimmungs- und Schunkelliedern wird weiter gefeiert auf dem Alter Markt — und angesichts der ungemütlich feuchten Temperaturen schnell wieder in den vielen gemütlichen Kneipen der Altstadt und im Festzelt auf dem Kaiserplatz.

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