Stolberg: Mit Panzern den Unken das Bett bereitet

Stolberg: Mit Panzern den Unken das Bett bereitet

Auf dem Truppenübungsplatz Buschmühle sieht es aus wie auf einem Schlachtfeld. Gut so, könnte man meinen. Das sind realistische Trainingsbedingungen für die Soldaten. Allerdings stehen weite Teile des Truppenübungsplatzes unter Naturschutz.

Volker Gessenich traut seinen Augen kaum, wenn er sich das Gelände anschaut: „Als ich das gesehen habe, ist mir die Spucke weggeblieben. Spaziergänger kommen selbst auf den Hauptwegen nicht durch“, sagt er. Der Eindruck, den Gessenich auf dem Übungsplatz gewinnt: So gehen Naturschutz, Naherholung und militärische Übungen nicht zusammen.

Oberstabsfeldwebel Siegfried Eitze sagt auf Anfrage unserer Zeitung, dass es sich gerade bei den Fahrten mit einem Bergepanzer um eine Umweltschutzmaßnahme gehandelt habe. Die Untere Landschaftsbehörde habe die Bundeswehr gebeten, mit dem Panzer Rillen in das Gelände zu fahren. „Das stößt bei vielen Anwohnern und Wanderern auf Unverständnis, weil sie den Hintergrund nicht kennen“, sagt Eitze.

Rillen und kleine Gewässer seien ideale Laichplätze für die Gelbbauchunke, erklärt Josef Wegge, Geschäftsführer der Biologischen Station der Städteregion. Diese Rillen entstünden zum Beispiel beim Befahren mit schweren Maschinen auf Feld- und Waldwegen.

Die Biologische Station berichtet, dass Bergepanzer der Bundeswehr alte Panzerspuren auffrischten und kleine, fischfreie Gewässer wieder freilegten. Panzer seien dazu besonders gut geeignet: „Durch ihr hohes Gewicht, verdichten sie den Boden und stören somit die Verlandungsvegetation, so dass die Gelbbauchunken in diesem Jahr hervorragende Laichgebiete vorfinden“, sagt Wegge.

Dass gleichzeitig auch die Wanderwege arg „in Mitleidenschaft gezogen“ worden sind, ist ebenfalls offenkundig. Kurzfristig sollen sie freigeräumt werden, bis sie wieder — wie gewohnt — frei von Dreck und Lehm sein werden, könne es noch ein paar Wochen dauern, sagt Eitze.

Teil der Ausbildung

Solche Fahrspuren ließen sich nicht komplett vermeiden. Schließlich handele es sich um ein Übungsgelände der Bundeswehr. Und Fahrten im Gelände gehörten zur Ausbildung der Fahrschule der Armee. Das gehört zum Job der Soldaten.

Das ist auch der Grund, weshalb eine Mountainbike-Strecke auf dem Truppenübungsplatz „plattgefahren“ wurde. Die Sprünge hatte eine Gruppe Fahrradsportler gebaut, zu der auch Volker Gessenich gehört.

Eine Erlaubnis dafür durch die Bundeswehr hatten die rund 30 Fahrradsportler nicht. Eigentlich darf man sich in dem Naturschutzgebiet nur auf den Wege aufhalten. Aber die Bundeswehr duldete die Sportler bislang. „Ich habe mal jemanden aus der Gruppe angetroffen. Ich habe ihm gesagt, dass das nicht so vorgesehen ist. Aber wenn sie sich vernünftig verhalten, dürfen sie ihre Hügel bauen“, sagt Eitze. Allerdings habe er den Radfahrern auch gesagt, dass sie damit rechnen müssen, dass die Hügel „plattgefahren“ werden.

Dass die Fahrübungen genau an dieser Stelle stattfinden mussten, findet Gessenich trotzdem schade. „Alles, was wir geschaufelt haben, ist jetzt komplett umgepflügt“, sagt er.

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