Mit Kunst-Projekt "Zoom" der Jugend-Werkstatt Stolberg genau hinsehen

Jugendwerkstatt Stolberg : Genauer hinsehen und den Horizont erweitern

Wenn Fotografen etwas heranzoomen, dann wollen sie genauer hinschauen, mehr Details erkennen. Aus diesem Grund kam Dirk Schulte die Idee, das neue Projekt der Jugendwerkstatt „Zoom“ zu nennen. Im Rahmen dessen soll ein tieferer Blick in die Stadtteile Stolbergs gewagt werden, um gezielt mit den Jugendlichen vor Ort zu arbeiten.

In Mühle, Münsterbusch und Oberstolberg wollen Künstler Dirk Schulte, seine Kollegin Agnes Bläsen und Sozialarbeiter Thomas Bell herausfinden, was die Jugend bewegt und wie man dadurch die Quartiere mitgestalten kann.

Begleitet wird „Zoom“ von Katja Knospe, pädagogische Leiterin der Jugendwerkstatt. „Mit dem Projekt gehen wir erstmals in andere Viertel in Stolberg, das ist auch für uns was Neues“, sagt sie. Der Ansatz dabei sei ein künstlerischer, da dieser erfahrungsgemäß für Jugendliche gut funktioniere. Was aber genau gestaltet wird, ist noch nicht klar. „Es ist sehr ergebnisoffen“, erzählt Knospe, „das ist das Tolle an der Kunst.“ Wichtig sei dabei vor allem, dass die Jugendlichen sich mit den verschiedenen Medien auseinandersetzen. „Sie sollen aktiv mitgestalten und ihr persönliches Sprachrohr in der Kunst finden“, erklärt Thomas Bell.

Auch, wo gearbeitet wird, bleibt den Teilnehmern freigestellt. In der Jugendwerkstatt wurde ein Kreativraum abgezweigt, das ehemalige Gewächshaus ist nun bestückt mit bunten Farben, Kameras und ganz viel Platz. Passend zu den Räumlichkeiten wurde auch ein „Zoom“-Projektbeet angelegt, wo Besucher Samen pflanzen können, die beschrieben sind mit Attributen wie Pflanze der Chancen, Pflanze der Farben und Pflanze des Mutes.

Ein Projekt-Beet bietet die Möglichkeit, Blumen für verschiedene Wünsche zu pflanzen. Foto: ZVA/Caroline Niehus

In den Stadtteilen selbst kann ebenfalls gestaltet werden. „An den Wohnorten der Jugendlichen setzen wir an und schauen, wo der Schuh drückt und was die Jugendlichen verändern möchten“, sagt Agnes Bläsen. Man wolle den jungen Erwachsenen eine Stimme geben. Das geht aber nur, wenn man zu ihnen auch eine gewisse Beziehung aufgebaut hat, wie Dirk Schulte weiß: „Es muss eine Vertrauensbasis entstehen, weil es auch in den biografischen Bereich der Jugendlichen eingreift.“

So sollen die Arbeiten persönlich, individuell und mit Verbindung zum jeweiligen Stadtteil gestaltet werden. Die beiden Künstler bringen dabei ein Repertoire an Ideen mit, Bläsen als Fotografin und Schulte als bildender Künstler haben vielfältige Ansätze. Die Kunstform bestimmen letztlich aber die Jugendlichen. „Da sind zum Beispiel eine Fotoexkursion, ein Buch oder ein Hiphop-Song denkbar“, erzählt Schulte. Grundsätzlich werde man sich aber vornehmlich mit den audiovisuellen Medien der Jugendkultur beschäftigen. „Es geht darum, in jeder Hinsicht Horizonte zu erweitern“, sagt Schulte.

Fließender Beginn

Wann das Projekt in die dritte Phase, nämlich die Umsetzung mit den Jugendlichen geht, steht noch nicht genau fest. Im Moment befinde man sich in den Phasen eins und zwei, in denen eine Bestandsaufnahme der einzelnen Stadtteile von Thomas Bell erfolgt und die Künstler an Bord geholt werden. Der Beginn wird dann eher fließend vonstattengehen, wenn die Jugendlichen zum Mitmachen bewegt wurden. „Wir wollen sie animieren, aktiv zu werden und die Identifikation mit ihrem Stadtteil zu erhöhen“, erklärt Schulte. Momentan werde für das Projekt geworben.

„Ich versuche gerade, mir ein Bild vom Gebiet insgesamt zu schaffen“, berichtet Bell. Dabei habe er bereits Interesse der Jugendlichen feststellen können und bemerkt, dass der Bedarf da sei. Den Anfang macht das Quartier Mühle, als erstes steht ein Projekt im Westside auf dem Plan. „Dort wird es auf jeden Fall ein künstlerisches Angebot geben, das ist bei Leiterin Petra Morgenstern auf positive Resonanz gestoßen“, sagt der Künstler. Was genau es wird, ist noch geheim. Auch der Startpunkt steht noch nicht genau fest, aber es wird der Sommer als grober Rahmen ins Auge gefasst.

Für Knospe ist das Projekt ein Schritt auf die jungen Erwachsenen und deren Lebenswirklichkeit zu. „Es geht ums Hingucken und darum, die Jugendlichen in den Blick zu nehmen“, sagt sie. Das Projekt „Zoom“ als Teil des Integrierten Handlungskonzeptes der Stadt Stolberg hat dabei schwierige Ortsteile ausgemacht, in denen das Projekt ansetzt. Außer Mühle werden auch Münsterbusch und Oberstolberg ins Auge gefasst. „Es ist ja nicht so, dass in den Stadtteilen nichts läuft, es hakt nur an manchen Stellen“, bemerkt Knospe.

Projektphase vier ist im Übrigen die öffentliche Präsentation der künstlerisch erarbeiteten Werke. Wie diese allerdings dann aussehen werden und welche Form sie haben, bleibt bis dahin eine Überraschung.

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