Stolberg: Mit Kräuterhexe Gabi Jansen unterwegs durch „Gehlens Kull”

Stolberg: Mit Kräuterhexe Gabi Jansen unterwegs durch „Gehlens Kull”

„Bereits Kaiser Karl erkannte die Bedeutung und Heilkraft von Kräutern. Das von ihm erlassene Gesetzt ,Capitulare de villis et curtis verpflichtete sowohl Klöster als auch Bewohner der Dörfer Nutzgärten anzulegen, um eine Vielzahl von Heil- und Gewürzkräutern anzubauen”, erklärt die Kräuterhexe den Teilnehmern der Kräuterwanderung.

Die rund 30 Kräuterinteressierten lernen von Gabi Jansen wie sie das richtige Kraut erkennen, wo genau es wächst, wann der genaue Zeitpunkt ist, es zu pflücken, welche Heilkraft es hat und wie man es zubereiten kann. Denn - nicht alles wildwachsende Grünzeug ist Unkraut. „Wussten Sie, dass Brenneseln sechsmal soviel Vitamin C enthalten wie gezüchteter Blattspinat?” fragt die Naturkennerin.

Seit über 30 Jahren beschäftigt sich Gabi Jansen mit Kräutern, sie ist Pilzbeauftragte und bietet zusammen mit der Stolberg-Touristik Kräuter- und Pilzwanderungen an. Viele der Teilnehmer sind zum wiederholten Mal dabei, um ihr Wissen aufzufrischen und etwas Neues über das vermeintliche Unkraut zu erfahren.

„Ich finde die Kräuterwanderung sehr interessant. Unsere Medikamente aus der Apotheke enthalten oft genau die Kräuter, die wir auch selber pflücken könnten”, sagt Teilnehmerin Annette Grösgen. Auf dem zweistündigen Spaziergang rund um die Burg und durch den ehemaligen Steinbruch „Gehlens Kull” erleben die Teilnehmer die Wildkräuter mit allen Sinnen. Viele der am Wegesrand wachsende Kräuter werden von Jansen in seiner Heilkraft erläutert. So zum Beispiel das Johanniskraut. Die selbst herstellbare Tinktur ist ein Wundermittel gegen Rückenbeschwerden und leichte Verbrennungen wie Sonnenbrand. Zur Zubereitung des roten Öls müssen die gelben Blüten in Öl eingelegt und vier Wochen in die Sonne gestellt werden.

Aber die Natur hält nicht nur Heil-, sondern auch Gewürzkräuter bereit. Jedes Kraut hat einen anderen Geruch und Geschmack, die es gilt zu genießen. So verrät die Kräuterhexe das simple Rezept eines Pesto aus Brenneselsamen oder die Zubereitung einer Süßspeise aus den Blüten des Gundermanns. Dabei spielt aber auch die Bedeutung für die Gesundheit immer wieder eine bedeutende Rolle. Bereits Hildegard von Bingen, eine Äbtissin, erkannte die Wirkung des Gundermanns im Mittelalter. Sie verwendete es als Mittel gegen eiternde Wunden und als Bronchialmittel. „Damals war sie die erste Ärztin”, erzählt Gabi Jansen.

Die Kräuterwanderung führt die Gruppe über kleine Trampelpfade zum Teich des Steinbruches. Hier säumt Breitwegerisch den Weg. Wie die Kräuterhexe erklärt, ist dieses Kraut der Wegbegleiter eines jeden Wanderer. In Form eines Wiesenpflasters dient es mit seiner abschwellenden Wirkung denjenigen, die unter Blasen oder Mückenstichen leiden.

Zuletzt wird dem Kräutergarten der Stolberger Burg ein Besuch abgestattet. Diesen hat die Kräuterhexe mit zwei Kolleginnen im Jahre 1998 gegründet und seither gepflegt. Hier riecht es ganz intensiv nach einer Vielzahl von Kräutern. „Sie können alles anpacken, riechen und schmecken” ermutigt die Kräuterexpertin Jansen.

„Auf der Wiese im Steinbruch kann man leider nicht sicher sein, dass die Kräuter wirklich sauber sind, denn es ist eine beliebte Gegend, um mit Hunden Gassi zu gehen”, bedauern Silvia Flam und Trude Meuthen. Dennoch kennen die erfahrenen Kräuterliebhaberinnen Wälder und Wiesen wo sie bestimmte Kräuter finden. Zudem pflegen sie, wie viele andere Teilnehmer, ihren eigenen Kräutergarten. „Das meiste wächst quasi vor der Haustüre. Im Grunde kann man fast alles lecker zubereiten”, erzählen sie.

Zu Beginn des Ausflugs hatte die Kräuterhexe ihren Lehrlingen am Treffpunkt, dem Kupferschläger Brunnen am Alten Markt, bereits einige, zuvor von ihr gesammelte Kräuter vorgestellt. Darunter Löwenzahnblätter, Vogelmiere, Giersch, Gänseblümchen, Spitzwegerich, Brennesselsamen und weißer Wiesenklee, der während der Wanderung in der Küche des „The Savoy” in einen Kräuter-Snack verwandelt wird.

Der frisch zubereitete Kräuterquark wird schließlich mit einer Folienkartoffel und Salat serviert.

Kräuterwanderung rund ums Kloster

Wegen der großen Nachfrage schon am Samstag, 11. August, findet ab 13 Uhr rund ums Kloster in Zweifall die nächste Kräuterwanderung mit Gabi Jansen statt, um mehr über das natürliche Stärkungsmittel für Geist und Körper zu lernen - mit Snack und Führung im Karmel. Eine Anmeldung dazu ist erforderlich bei der Stolberg-Touristik, Zweifaller Straße 5 oder unter Tel. 99900-81.