Stolberg: Mit der Handy-App durch die Stolberger Kunstsammlung

Stolberg : Mit der Handy-App durch die Stolberger Kunstsammlung

Die Kunstsammlung der Stadt Stolberg hat in der Vergangenheit mehrfach Streit in Verwaltung und Rat ausgelöst. Wie viele Kunstwerke gehören der Stadt? Wie viel Geld sind sie wert? Werden sie ordnungsgemäß aufbewahrt und befinden sie sich auch dort, wo sie hingehören? All das sind Fragen, die noch im Jahr 2009 die zuständigen Stellen nicht zufriedenstellend beantworten konnten, wie der Rechnungsprüfungsausschuss mehrfach anmerken musste.

Dieses Kapitel soll nun endlich abgeschlossen werden, denn die Studentin der Kunstpädagogik, Sarah Smotrycki, hat die Kunstsammlung der Stadt Stolberg neu katalogisiert. Dafür hat sie ein Praxissemester im Büro der Stolberg Touristik damit verbracht, eine Bestandsaufnahme der städtischen Kunstsammlung zu erstellen — durchaus mit dem Anspruch auf Vollständigkeit, die bei den vorherigen Auflistungen wiederholt bemängelt wurde.

Alexey Sychev. Foto: M.-L. Otten

Fünf Monate Arbeit

Fünf Monate hat Smotrycki damit verbracht, alle Standorte abzufahren, an denen Kunst lagert oder ausgestellt ist, die sich im Besitz der Stadt befindet. „Manchmal musste ich die Standorte suchen“, sagt Sarah Smotrycki. „Wenn der Bürgermeister wechselt, ändern sich auch die Büros der Mitarbeiter. Manche nehmen die Kunst mit, andere lassen sie einfach im alten Büro stehen“, erklärt sie.

Anschließend fotografierte die Studentin die Werke und vermerkte, in welchem Zustand beispielsweise Gemälde und Rahmen sind. „Einige Kunstwerke waren mal von den Wänden gefallen, dann sind die Rahmen kaputt. Das wird in der Datenbank vermerkt“, sagt Smotrycki.

Diese Datenbank von der sie spricht, hat sie selbst am Computer als Excel-Tabelle angelegt. Darin stehen mehr als 400 Gemälde und Skulpturen sowie deren Titel, Künstler, Aufbewahrungsort, Anschaffungszeitraum, Kaufpreis und Versicherungswert. Seit der letzten Bestandsaufnahme im Jahr 2012 habe sich einiges getan, sagt die 30-Jährige. „Es sind einige Skulpturen dazugekommen und Kunstwerke, die von Schulen gestiftet wurden“, sagt Smotrycki.

Ausgehend von dieser Tabelle, die nur für den internen Gebrauch der Stadt gedacht ist, hat Smotrycki weitere Projekte entwickelt. Die Fotos der Kunstwerke werden zusammen mit den wichtigsten Informationen bald in einem gedruckten Kunstkatalog erscheinen, der für Bürger und Touristen in der Stolberg Touristik ausliegen wird.

Außerdem hat Smotrycki eine interaktive Karte entwickelt, die bald auf der Internetseite der Stadt aufrufbar sein wird. Hier können sich Besucher virtuell durch die Kunstwerke klicken und deren Standort ausfindig machen. „Bürger sind ausdrücklich dazu aufgefordert, uns Feedback zu geben. Falls ihnen auffällt, dass etwas fehlt, wollen wir das ein oder andere Stück noch mit aufnehmen“, sagt Jürgen Gerres, Abteilungsleiter für Kultur, Tourismus und Veranstaltungen der Stadt.

Besonders viel persönlichen Ehrgeiz hat Smotrycki in die Entwicklung einer App fürs Smartphone gesteckt. Damit will die angehende Kunstpädagogin vor allem Oberstufenschüler ansprechen. „Kunst spricht junge Leute nicht an. Ich möchte Schüler dazu animieren, sich mit der Kunst aus ihrer Heimatstadt auseinanderzusetzen“, sagt Smotrycki.

App für Schüler und Studenten

Mit der App können Schüler und Studenten eine 2,1 Kilometer lange Kunstroute ablaufen, die am Galminus-Brunnen beginnt, durch die Burg, die Altstadt und das Rathaus führt und schließlich am Kulturzentrum endet. Sobald die Schüler ein Kunstwerk passieren, ploppen auf dem Display die wichtigsten Infos dazu auf und die Schüler können alleine oder in kleinen Teams verschiedene Aufgaben lösen und Fragen beantworten.

Damit die App alle wichtigen Informationen rund um die Kunstwerke enthält, musste Smotrycki ausführlich recherchieren. Dabei half ihr der Leiter des Stolberger Stadtarchivs, Christian Altena. „Es gab beispielsweise ein Wappen im Wappenraum der Burg, das nirgendwo verzeichnet war“, erinnert sich Smotrycki. Überhaupt habe sich die Studentin in den vergangenen Monaten intensiv mit der Geschichte der Stadt auseinandergesetzt. „Ich habe sehr viel über die Stadt gelernt und auch Orte gesehen, die ich zuvor nicht kannte, obwohl ich hier geboren und aufgewachsen bin.“

Geschichten hinter der Kunst

Die Geschichten, die hinter den Gemälden stecken, haben die Neugier der Studentin geweckt. „Ich habe viel über ehemalige Bürgermeister gelernt und über Gemälde auf der Stolberger Burg, die auf den ersten Blick gar nichts mit Stolberg zu tun haben“, sagt Smotrycki. Um herauszufinden, in welcher Verbindung die auf den Portraits dargestellten Figuren zur Stadt stehen, musste sie tief in die Recherche eintauchen. Diese Informationen wollte sie ihrer Zielgruppe nämlich nicht vorenthalten.

Am Mittwoch, 27. Juni, wird Smotrycki Datenbank, App und die interaktive Karte im Ausschuss für Schule, Kultur, Sport und Tourismus vorstellen. Danach sollen die Angebote kostenlos online verfügbar sein. Für Sarah Smotrycki endet damit das Praxissemester. Danach wird sie in Mönchengladbach wieder zur Uni gehen.

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