Stolberg: Mit Cricket die Integration fördern

Stolberg : Mit Cricket die Integration fördern

„Sport ist der erfolgreichste Weg zur Integration“, sagt Stephan Mayer. Er muss es wissen: Seit Jahresbeginn kümmert Mayer sich beim Regiosportbund Aachen (RSB) in den Kommunen des Altkreises um die „Integration durch Sport“.

Der Name ist Programm und spiegelt den neuen Schwerpunkt wider, den der RSB angesichts veränderter gesellschaftlicher Herausforderungen setzt immerhin 70.000 registrierte Vereinsmitglieder im Altkreis, seien geradezu prädestiniert für gelebte und gelungene Integration. „In den Vereinen gibt es ein unheimlich großes ehrenamtliches Potenzial“, betont Robert Voigtsberger, der sich neben seiner Aufgabe als Beigeordneter der Stadt Stolberg als Vizepräsident des RSB engagiert.

Das Konzept sieht vor, dass Migranten nicht nur, aber auch über den Sport eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht werden soll. Diese Aufgabe füllen sogenannte Stützpunktvereine mit Leben. In der Kupferstadt ist dies die Stolberger Turngemeinde (STG). Sie bietet einem völlig neuen Angebot im Altkreis den organisatorischen Rahmen: Cricket.

„Wir möchten Integration einmal anders herum anpacken“, sagen Timur Bozkir und Saskia Wilm vom Kommunalen Integrationszentrum der Städteregion. Cricket sei dafür ein idealer Sport. In Deutschland eher wenig bekannt, ist der Mannschaftssport vor allem in Ländern mit britischer Historie populär wie in hiesigen Breiten Fußball. Eine Einladung zum Cricket-Spiel müsste unter Migranten also mindestens so zugkräftig sein wie unter einheimischen Jungs die Verabredung auf einen kleinen „Kick“. Das ist zumindest einer der Gedanken, die hinter dem neuen Sportangebot stehen. „Nichts anderes verbindet Menschen so sehr wie Sport“, sagt Bozkir.

Menschen zusammenbringen

Entsprechend die Trommel rühren wollen Petra Jansen als Leiterin des städtischen Schulverwaltungsamtes sowie Gerd Schnitzler, STG-Vorstandsmitglied und Vorsitzender des Stolberger Stadtsportverbandes, unter den eingesessenen Vereinen für das neue Cricket-Angebot. „Wir möchten unterschiedliche Menschen zusammenbringen und machen kräftig Werbung dafür“, kündigen Schnitzler und Jansen an. „Die Integration von Menschen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft ist für uns wichtig“, sagt Schnitzler.

Am 4. Juni beginnt das Training montags und mittwochs von 18.30 bis 20.30 Uhr auf dem Rasensportplatz des FC Breinigerberg in der Rüst. „Es ist ein guter Platz, der wunderschön gelegen ist“, sagt FCB-Geschäftsführer Toni Küffen. Der „Balkan“ bietet beste Bedingungen für Sport. Neben dem Rasen- liegt ein Aschenplatz, hinter dem Vereinsheim stehen die beiden Boule-Bahnen des Hahnenvereins bereit und das weitläufige, naturnahe Gelände bietet viele Möglichkeiten zur Kommunikation.

Vieles hat der FC, der vor zwei Jahren das 50. Jubiläum feierte, in der Vergangenheit unternommen, um eine attraktive Adresse für den Fußball zu sein: Turniere, Geselliges, Jugend, Mädchenteam, ...

Spätestens mit dem Stolberger Kunstrasenboom sind die meisten Aktiven weggelaufen. „Dabei kann es doch nichts besseres geben, als auf richtigem Rasen zu spielen“, sinniert Küffen. Aber neben den Alten Herren geblieben ist das Seniorenteam, das im oberen Drittel der Kreisliga C gut unterwegs ist. „Aber es sind fast ausschließlich Jungs vom Breinigerberg“; ist Bernd Bleise stolz auf den Zusammenhalt im Ort. „Geld gibt es bei uns nicht, aber Kameradschaft und Freundschaft“, betont der Vorsitzende. Verein und Platz bieten also beste Voraussetzungen also für das integrative Angebot des Regiosportbundes.

„Wir empfangen die Cricketspieler mit offenen Armen“, sagt Toni Küffen und betont, dass es ein unentgeltliches Angebot ist. Auch der FCB erhält keine Platzmiete, „aber vielleicht bleibt ja ein Cricketspieler als Fußballer bei uns hängen“, schmunzelt Bleise.

Nationaltrainer verpflichtet

Gemeinsam investiert haben SB und Städteregion in die erforderliche Spielausstattung. Schläger, Bälle, Holztore und Schutzkleidung stehen rechtzeitig bereit. Ebenso wie ein hochkarätiger Spielanleiter verpflichtet: Mit Rishi Pillai betreut immerhin der Trainer und Kapitän der deutschen Cricket-Nationalmannschaft das einzigartige Sportangebot im Altkreis, während in Aachen der Polizeisportverein ein ähnliches Cricketangebot nach Absprache mit dem Abteilungsleiter unterbreitet.

In Stolberg wird das Spiel regelmäßig angeboten — für Aktive ab 16 Jahren, für Fans natürlich ohne Altersbegrenzung. Zumindest während der Sommersaison wird der „Balkan“ das Marylebone der Szene, wo der 1787 gegründete Cricket Club auch heute noch Hüter der Spielregeln ist.

„Für den Winter suchen wir noch eine Halle“, setzt Saskia Wilm auf Kontinuität bei Spiel und Integration. Ob sie sich in Stolberg finden lassen wird, ist noch offen. Aber Petra Jansen und Gerd Schnitzler sondieren dazu bereits erste Möglichkeiten. Denn in der Wintersaison soll das Trainingsintervall auf das Wochenende verschoben werden.

In jedem Fall soll zum Ende der „grünen Saison“ ein kleines interkommunales Turnier — inklusive Begleitprogramm — gespielt werden, um auch mit solch einem Wettkampf den Sport populärer zu machen und die Menschen zusammenzuführen. Allerdings ist anders als bei offiziellen Cricket-Turnieren nicht unbedingt an ein Mehrtagesereignis gedacht ...

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