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Stolberg: Metallwerk: IG Metall und Betriebsrat weisen Kritik zurück

Stolberg : Metallwerk: IG Metall und Betriebsrat weisen Kritik zurück

Die Enttäuschung der Betroffenen sitz tief und ist vor allem ausgelöst durch die Entlassungen, die das Stolberger Metallwerk zum 1. Mai ausgesprochen hat. Doch die 49 Kollegen aus der Frankentalstraße sind noch aus einem anderen Grund wütend.

„Wir fühlen uns über den Tisch gezogen, und zwar von allen”, fasst Otto Roß das Stimmungs- und Meinungsbild in Worte. Zehn Jahre war er als Energieelektriker bei SMW tätig. Doch das hat ihn ebenso wenig wie seine 60-prozentige Schwerbehinderung vor dem Rauswurf bewahrt.

„Der Kündigungsschutz ist ausgehebelt worden”, beklagt auch Oliver Franke, der nach 19 Jahren gehen muss. „Und der Betriebsrat und die IG Metall haben das mit der Geschäftsleitung ausgehandelt.”

Der Betriebsratsvorsitzende Heinz Meuser zeigt sich angesichts derartiger Verbalangriffe schockiert. „Es handelt sich um eine Massenentlassung. Und ich habe mit den Kollegen in den vergangenen Wochen und Monaten darum gekämpft, das Beste für die Mitarbeiter herauszuholen”, gibt er zu bedenken.

Meuser berichtet von „vielen harten Gesprächen, in denen auch bei uns manche Träne geflossen ist”. Und er stellt fest: „Ich bin jetzt seit 46 Jahren hier beschäftigt. Aber eine solche Situation habe ich noch erlebt.” Entwarnung gebe es auch nach dem Vollzug der Entlassungen nicht. „Das gesamte Unternehmen steht auf der Kippe. Wir sind darauf angewiesen, dass sich die Auftragslage verbessert, damit es wenigstens für die verbliebenen 230 Kollegen weitergehen kann.”

Das kann Helmut Wirtz nur unterstreichen und zugleich die Kritik aus der Belegschaft zurückweisen. „Noch nie hat die IG Metall in einer vergleichbaren Situation so viel Zeit und Arbeit investiert wie bei SMW”, betont der Geschäftsführer.

„Die Arbeitgeber wollten eine Billiglösung, aber das haben wir verhindern können.” Vor allem die Einbeziehung einer Beschäftigungsgesellschaft, in der die Entlassenen bis zu maximal zwölf Monaten qualifiziert und somit vor dem direkten Gang in die Arbeitslosigkeit bewahrt werden, sieht Wirtz als ein wesentliches Ergebnis der Verhandlungen mit der SMW-Führung.

„Gewerkschaft und Betriebsrat haben vehement und letztlich mit Erfolg dafür gekämpft, dass sich der Aufwand des Arbeitgebers gegenüber der Ausgangslage vervielfacht hat”, stellt er auch mit Blick auf die zu zahlenden Abfindungen fest.

Für Außenstehende vielleicht schwer nachvollziehbar, aber juristisch absolut korrekt seien die Kriterien, nach denen die 49 Kollegen ausgewählt wurden.

„Alle in Urteilen des Bundesarbeitsgerichtes geforderten Punkte kommen zum Tragen”, verweist Helmut Wirtz auf eine ganze Reihe von Aspekten, die berücksichtigt werden müssen.

„Es geht um eine Gesamtabwägung. Der Betrieb muss für die Zukunft so aufgestellt werden, dass er wirtschaftlich erfolgreich arbeiten kann.” Anders formuliert: Die Mischung des Personals muss stimmen, weshalb auch Mitarbeiter mit langer Betriebszugehörigkeit oder Schwerbehinderte auf der Liste der Entlassenen zu finden sind. Darüber seien die Mitarbeiter vergangenen Woche sowohl von der Peag als auch von der IG Metall in Versammlungen und Einzelgesprächen ausführlich informiert worden.

Die Kritik aus der Belegschaft Helmut Wirtz trifft spürbar hart: „Entlassungen werden immer von den Arbeitgebern ausgesprochen. Uns jetzt auf eine Stufe mit der Geschäftsleitung zu stellen, nachdem wir über Monate für die Kollegen gekämpft und einiges für sie erreicht haben, empfinde ich als unpassend und unfair.”