Stolberg: Mehr Musiker als Zuschauer beim Konzert der „Big Bandits“

Stolberg : Mehr Musiker als Zuschauer beim Konzert der „Big Bandits“

Mit einem großartigen Konzert haben die „Big Bandits“ das Publikum im Museum Zinkhütter Hof begeistert, als die Jazz-Big-Band ihr neues Programm „Sounds of Today“ präsentierte. Das Auditorium kam dabei in den Genuss eines sehr intimen Konzertes, da weniger Gäste als Musiker anwesend waren: Nur 14 Zuhörer saßen 20 Instrumentalisten gegenüber.

Davon, dass Stolberg scheinbar viel mehr Kupferstadt als Kulturstadt ist, ließen die „Big Bandits“ sich jedoch nicht entmutigen und zeigten sich stattdessen in Bestform, was das erlesene Publikum ihnen mit viel Applaus dankte. Der von Werner Hüsgen geleiteten Big Band gelang es, ein Programm umzusetzen, das anspruchsvoll und eingängig zugleich war. Schon beim ersten Stück „Stella by Starlight“ (Victor Young/Arrangement Frank Mantooth) setzten sich Gastsolist Matthias Strucken am Vibraphon und der „Big Bandits“-Bassist Roman Wollenhaupt brillant in Szene. Es folgte eine virtuose Reise zu verschiedenen musikalischen Kulturen, bei der die „Big Bandits“ als gesamte Formation ebenso glänzten wie die Solisten aus den eigenen Reihen.

Bei den Miles-Davis-Stücken „Nardis“ (Arr. George Stone) und „Milestones“ (Arr. Mike Tomaro) stellte die Big Band ihre Jazz-Qualitäten unter Beweis, und Julia Kriegsmann (Altsoxophon), Mathias Brede (Piano) und Sven Groß (Tenorsaxophon) begeisterten mit ihren Soli. In dem starken Arrangement von Fred Sturm ließen die Musiker den argentinischen Tango „Michelangelo“ (Astor Piazolla) zu einer gelungenen Jazz-Fusion gereichen, die von Guido Kordels Trompetensolo komplettiert wurde.

Unter anderem entführte die Big Band das Publikum auch in den Maghreb, den Norden Afrikas. Von diesem ließ sich der 1974 in Hofheim am Taunus geborene Jazz-Komponist Oli Bott inspirieren, als er „Sis“ schrieb, das die „Big Bandits“ mit getragenem Beginn, ergreifender Steigerung und einem beeindruckenden Solo von Peter Radmacher am Tenorsaxophon atmosphärisch intonierten. Spanische Klänge stimmten die Zuhörer fröhlich, als die Big Band Chick Coreas „La Fiesta“ (Arr. Philip Mossmann) feurig und voller Überraschungen, zu denen das Schlagzeugsolo von Sebastian Schlicht gehörte, präsentierte.

Im weiteren Verlauf des Abends erfreuten Lukas Aretz (Posaune), Lizzy Bacher (Sopransaxophon), Jan Doveren (Gitarre), Jörg Morlack (Posaune), Semmel Sembritzki (Baritonsaxophon) und Guido Kordel (Flügelhorn) die Zuhörer mit gekonnten wie gefühlvollen Soli, und bei einem rein instrumentalen Konzert ließen es die „Big Bandits“ nicht bewenden: Einigen Stücken verlieh Sängerin Andrea Porten hoch ansprechend Stimme, etwa Stevie Wonders „Higher Ground“ (Arr. Jesper Riis) und Al Jarreaus „Spirit“ (Arr. Peter Herbolzheimer), beide von der Big Band funk-jazzig präsentiert.

Porten sang auch verführerisch den „Libertango“ (Astor Piazolla/Arr. Fred Sturm), bei dem Werner Hüsgen selbst das Solo auf dem Altsaxophon beisteuerte. Dies lies der Bandleader sich auch bei einem Werk nicht nehmen, das man selten von einer Big Band hört: Als kraftvoll-dynamischen Jazzrock brachten die „Big Bandits“ den Song „Bodysnatchers“ von „Radiohead“ (Arr. Fred Sturm) zu Gehör.

Der Konzertabend mit den „Big Bandits“ war ein herausragendes Musikerlebnis im zu Ende gehenden Stolberger Kulturjahr, das sicherlich wesentlich mehr Zuhörer verdient gehabt hätte.

Mehr von Aachener Nachrichten