Stolberg: Mehr Auswahl für Patienten in Stolberg

Stolberg: Mehr Auswahl für Patienten in Stolberg

Gicht hatte der Hausarzt schon nach ersten Untersuchungen seines Patienten ausgeschlossen. Rheuma wäre eine weitere mögliche Diagnose. Der Experte dafür sitzt eine Tür weiter.

Der Kollege schaut sich Patient wie Befund an und ordnet konkrete weitere Untersuchungen an, um zu erkunden, ob es eine chronische oder nur punktuelle Erkrankung sein kann - alles ohne große Wartezeiten, Überweisungen, Arztsuche in der Region. Ein aktuelles Beispiel dafür, wie in dem neuen Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) gearbeitet wird. Morgen wird das neue Zentrum im Gebäude der einst kaiserlichen Post am Kaiserplatz eingeweiht.

Rund drei Millionen Euro haben die Büsbacher Mediziner Drs. Bernd und Udo Kallenberg sowie Dr. Udo Neumann in die Sanierung des Denkmals aus der vorletzten Jahrhundertwende investiert, um das historische Gebäude heutigen medizinischen Anforderungen anzupassen. Unter der Regie des Architekten Michael Dahmen, Absolvent des Goethe-Gymnasiums mit Büro in Düsseldorf, wurden die Fassaden saniert, ein Anbau im Innenhof erstellt und das Innere in eine modernes Gesundheitszentrum mit Behandlungs- und Sprechzimmern, Wartebereich und Empfang sowie Sozial- und Besprechungsräume umgestaltet.

Gesundheitsreform als Chance

Das eigentliche Medizinische Versorgungszentrum ist bereits vor drei Jahren aus der Internistischen Gemeinschaftspraxis an der Galmeistraße gewachsen, die schnell für die wachsenden Anforderungen zu klein wurde. „Zunächst haben wir an einen Neubau in Büsbach gedacht”, erzählen Bernd und Udo Kallenberg. Als sich dieses Vorhaben in die Länge zog, nahm Rolf Neumann die alte Post ins Visier. „Dann ging alles sehr schnell”, freuen sich die drei Mediziner auf die neuen Möglichkeiten in der Innenstadt, die sicherlich auch einen belebenden Impuls für das Umfeld des Kaiserplatzes mit sich bringen werden. „Im Schnitt 400 Patienten besuchen uns in Büsbach täglich - mit steigender Tendenz”, bilanzieren die Kallenbergs, die in vierter Generation die medizinische Familientradition fortsetzen.

1995 übernahmen sie die väterliche Praxis und mit der Ausbildung als diabetologischer Schwerpunkt bildete sich die Idee, auch die Folgeerscheinungen des Krankheitsbildes gezielt in die Behandlung der Patienten einbeziehen zu können. Die Praxis wuchs und die Gesundheitsreform eröffnete den Ärzten die Chance zu diesem Medizinischen Versorgungszentrum. Während die Drs. Kallenberg und Neumann ihre Tätigkeit als internistisch orientierte Hausärzte weiter an der Galmeistraße ausüben, werden nun die fachärztlichen Dienste am Kaiserplatz ausgeübt - gemeinsam mit zunächst sieben weiteren Spezialisten unterschiedlicher Fachgebiete.

Diabetes-Patienten haben ein hohes Risiko für Herzerkrankungen, und mit dem Spezialgebiet Herzrhythmusstörung garantiert Dr. Thomas Schimpf gleichzeitig eine gute Anbindung an das Eschweiler St. Antonius-Hospital, wo der Kardiologe gleichzeitig als Oberarzt tätig ist. Nierenbeschwerden können ebenfalls eine Folgeerkrankung sein, die durch die Nephrologin Birte Scheer abgedeckt werden. Analog zur Kardiologie kann das MVZ nun auch den Bereich der Rheumatologie abdecken: Dr. Cay-Benedict von der Decken ist gleichzeitig Oberarzt im Medizinischen Zentrum des Kreises in Würselen.

„Dank der guten Anbindung an die Krankenhäuser ist es erforderlichenfalls möglich, Patienten kurzfristig eine stationäre Behandlung zuzuweisen und umgekehrt eine ambulante Behandlung termingerecht anzubieten”, erläutert Bernd Kallenberg die Vorzüge des MVZ, in dem auch der Schwerpunkt der Magen- und Darmdiagnostik weiter ausgebaut wird mit der Onkologin und Hämatologin Dr. Birgit Pott. Ein separater Bereich für die Durchführung von Chemotherapien ist am Kaiserplatz eingerichtet. Verbessert wird dort auch das interdisziplinäre Angebot für Patienten mit chronisch entzündlichen Gelenkerkrankungen mit den Orthopädie-Fachärzten Dr. Nicola Ihme und zukünftig Prof. Dr. Christof Rader, die sich auch in die Praxisklinik des Aachener Franziskushospitals einbringen.

„Konkurrenz belebt”

Wenn auch morgen erst einmal die Einweihung in der alten Post gefeiert wird, blickt das MVZ bereits in die Zukunft. „Wir können uns vorstellen, innerhalb der nächsten ein bis Jahre das Team zu verdoppeln”, sagt Bernd Kallenberg. Heute zählen neben den neun Ärzten weitere 19 Mitarbeiter zur Mannschaft des MVZ. Und das bietet in der alten Post noch erhebliche Kapazitäten - auch im noch nicht ausgebauten Dachgeschoss. Neben der Kooperation mit Krankenhäusern versteht sich das Versorgungszentrum auch als Alternative. „Konkurrenz belebt das Geschäft”, unterstreichen die Mediziner auch mit Blick auf das „Bethlehem”. Und das könne nur ganz im Sinne der Patienten sein.

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