Stolberg: Maroder Plattenbelag in Büsbach: Eine nie endende Geschichte

Stolberg : Maroder Plattenbelag in Büsbach: Eine nie endende Geschichte

Ob es daran liegen mag, dass sich Klaus F. Kratz dem Anliegen der Bürgerin angenommen hat, weil diese nicht das Gefühl hatte, dass ihre Sorgen bei der Stadt ernst genommen werden? Alle Indizien sprechen zumindest dafür, wenn man die Sitzung des so genannten Beschwerdeausschusses verfolgt hat.

Der beschäftigte sich eigentlich mit zwei Sachen. Weniger spektakulär wäre eigentlich das Anliegen der Anlieger eines Teilstücks der Straße „Am Langen Hein“ gewesen. Die Verwaltung hatte bereits angeraten, dem Wunsch einer Ausweisung als Einbahnstraße sowie Bemühungen zur Einhaltung der Parkordnung im zuständigen Fachausschuss behandeln zu lassen und dabei mögliche Auswirkungen auf angrenzende Wohngebiete im Auge zu behalten.

Fachleute oder lieber nicht?

Naja, das sagten dann auch noch einmal alle Redner der politischen Fraktionen, die sich als Fachleute in Verkehrsfragen zu erkennen gaben und betonten, wie sehr und mitfühlend sie sich doch das Anliegen der Münsterbuscher zu Herzen nehmen und sich darum kümmern wollten.

Nichts von alle diesem Verständnis, keine Spur von Bürgerfreundlichkeit war jedoch zu spüren, als sich Klaus Kratz unter dem Punkt „Einwohnerfragestunde“ zu Wort meldete. Denn eine Chance, als regulärer Tagesordnungspunkt das immer noch schadhafte Pflaster auf dem Gehweg im Einmündungsbereich von Bischof- und Konrad-Adenauer-Straße thematisieren zu können, war dem Einwohner Kratz bereits im Vorfeld verwehrt worden. Zurückgewiesen worden war sein Antrag, weil der Ausschuss den Plattenbelag bereits im März behandelt hatte.

Doch als ehemaliges Ratsmitglied der CDU und nun bei der UWG engagierter Bürger kennt Kratz sich mit den Tücken in Rathäusern durchaus aus. Prompt nutzte er die Gelegenheit als Einwohner nachzufragen. Allerdings mit einer etwas längeren Einführung zum Sachverhalt. Damit den Ausschussmitgliedern noch einmal vor Augen geführt werde, worüber geredet wird.

Doch das wollten die erst gar nicht hören. Sowohl die Verwaltung wie auch der Vorsitzende drängten darauf, dass Kratz seine Ausführungen in eine Frage wandele. Und aus den Reihen der Ausschussmitglieder kam gar die fragende Anregung, wo denn in der Geschäftsordnung stehe, dass die Fragen dieses Bürgers unterbunden werden könnten.

Immerhin seien in diesem Beschwerdeausschuss (auf einmal) keine Fachleute und nur dazu da, um zu entscheiden, ob sich ein Fachausschuss mit dem Anliegen von Bürgern weiter beschäftigen solle. Zur Sache könne ja kein Beschwerdeausschussmitglied ausführen. Und das Anliegen von Herrn Kratz habe man ja schon im März an die Verwaltung und den zuständigen Fachausschuss verwiesen. Sichtlich genervt fühlten sich Verwaltung und Politik angesichts des ständigen Nachbohrens durch den penetranten Mitbürger.

Immerhin schon ein gutes Jahr nervt er mit dem Thema des unebenen Plattenbelags — seitdem dort eine Bürgerin stolperte und sich verletzte. Im vergangenen Winter machte ein ganzes Feld von Warnbaken den Gehweg vor dem Geschäft zum Mikado-Spielfeld.

Von den beiden möglicherweise zuständigen Fachausschüssen — die für Verkehr oder Bauen — hat sich ausweislich der Niederschriften ihrer Sitzungen seit März kein einziger mit dem defekten Plattenbelag in Büsbach beschäftigt. Wohl aber die Verwaltung. Die beauftragte in Ingenieurbüro mit einer Untersuchung.

Herausgekommen sei, dass der Belag nur 25 Prozent der geforderten Standfestigkeit gewährleistet, und einige Platten wurden mittlerweile neu verfugt — was Kratz dann ebenso hinterfragte wie Konsequenzen, die die Stadt daraus ziehen wolle. Antworten gab‘s nicht in der Sitzung, sondern sie soll‘s nur zur Niederschrift geben.

„Der Reihe nach auf die Nase“

Das gilt wohl auch für die Frage der betroffenen Geschäftsfrau. „Mit dem ersten Frost heben sich auch wieder die ersten Platten“, fragte Barbara Hubo: „Was wollen sie machen, damit sich die Leute nicht wieder der Reihe nach auf die Nase legen?“ Etwa wieder Baken aufstellen, mutmaßte die Geschäftsfrau: „Dann bleiben aber die Kunden aus, weil die sich nicht mehr in den Laden trauen.“

Eine Antwort auf diese Frage blieb ebenso aus wie auf die von Klaus Kratz: Ob man sich denn im Beschwerdeausschuss nicht beschweren dürfe, wenn ein Problem nach einem Jahr noch immer nicht beantwortet oder gelöst sei?