Stolberg: ... Marlene Dietrich in der Schauburg

Stolberg : ... Marlene Dietrich in der Schauburg

Ebenfalls in Erstaunen versetzte Altena unsere Leser als der kürzlich neu gestaltete Sayettegarten aufgesucht wurde. Denn an gleicher Stelle hatte einst die Sayettespinnerei gelegen, deren später stillgelegten Gebäudeteile unter anderem vorübergehend von der Feuerwehr der Stadt Stolberg genutzt wurden.

Eine in den frühen 1950er Jahren entstandene Ansicht, zeigt eine Menschenmenge bei der Beobachtung einer Brandschutzübung, die im Innenhof der alten Feuerwache stattgefunden hatte. Dass unsere Leser sich am richtigen Standort befanden, konnten sie anhand eines im Hintergrund liegenden Gebäudes an der Blaustraße feststellen, das heute noch an gleicher Stelle liegt.

Überhaupt machten die direkten Bildvergleiche an den alten Standorten und die sachkundigen und aufschlussreichen Informationen des Stadtarchivars den Reiz und den Gehalt der zweistündigen Wanderung aus.

Ein direkter Bildvergleich war auch an der Kupfermeisterstraße möglich. Dort besuchte unsere kleine Lesergruppe den ehemaligen Innenhof des Kupferhofes Frankenthal. Anstelle der ehemaligen Herrenhauses wurde Mitte der 1950er Jahre das heute als Vereinsheim dienende ehemalige Josefshaus des früheren St.-Vinzenz-Kinderheimes erbaut. An den ehemaligen Kupferhof Frankenthal erinnert heute noch das frühere Torgebäude.

Dieses Gebäude weist Fensterachsen auf, die wie unsere Leser feststellen konnten, teilweise noch mit der ursprünglichen Lage überein stimmen. An der Ecke „Auf der Mühle“ / Bierweiderstraße wurde die frühere Lage der alten, zum Hof Bierweide gehörenden Kupfermühle in Augenschein genommen. Dort hatte man um 1900 eine vermutlich im 16. Jahrhundert entstandene Gebäudegruppe abgelichtet, die weit in den heutigen Straßenverlauf hinein ragte und um 1910 weil man eine Verbreiterung der Trasse anstrebte, abgebrochen wurde.

Zuvor hatte man am Bastinsweiher eine 1889 entstandene Fotografie betrachtet, die die alte Spinnerei und die einstige Größe des Bastinsweihers zeigte, der 1583 als Wasserreservoir der dortigen Ellermühle entstanden ist. Verwunderung löste die Tatsache aus, als Christian Altena darauf aufmerksam machte, dass das dort liegende frühere Reichsbankgebäude — heute eine Arztpraxis mit Kurzaufenthalt — praktisch innerhalb der einstigen Ausmaße des Bastinsweihers oder auch Ellermühlenteiches liegt, während Teile der Bausubstanz an der Blaustraße bereits vorhanden waren. An der Ecke zwischen ihr und der heutigen Rathausstraße fand sich die Villa des Fabrikdirektors Bastin.

Gegenstand des Betrachtung im Verlaufe der Lesertour war auch das einstige Kino Schauburg gewesen. Dort präsentierte der Historiker eine Aufnahme aus den 1930er Jahren, die das Kinogebäude in seiner früheren Architektur zeigte, die der Klassischen Moderne zuzuordnen ist. Eine Architektur, die, wie der Historiker versicherte, im Stadtbild jedoch nur noch anhand der früheren Schwimmhalle an der Grüntalstraße sichtbar wird.

Dabei entpuppt sich die Schauburg auch als ein wesentlicher Bestandteil im Leben der Teilnehmer der Lesertour. Denn Jeder konnte eine persönliche Erinnerung mit dem Stolberger Kino verbinden, das einst 800 Zuschauer fasste und im Dezember 1944 zur Bühne für Marlene Dietrich wurde, nachdem Stolberg als allererste deutsche Stadt am 22. September 1944 von der Nazi-Diktatur noch vor Aachen befreit wurde.

Somit war unsere Lesertour wiederum ein großes Erlebnis für die Teilnehmer: Ein Erlebnis, das mit zahlreichen Überraschungen und bisher nicht wahrgenommenen Details der Stadtgeschichte und -entwicklung angereichert war.

Fotos: Lydia Flink, Stadtarchiv.