Marco Ganster ist als Pokemon in Stolberg unterwegs

Stolberger Marco Ganster ist ein Cosplayer : Pikachu verhilft zu mehr Selbstbewusstsein

Wenn Marco Ganster auftaucht, dann versammelt sich in Windeseile eine Traube Menschen um ihn herum. Warum? Marco Ganster ist weder ein bekannter Schauspieler oder Sänger noch war er jemals im Fernsehen zu sehen oder im Radio zu hören. Eigentlich ist der gelernte Kinderpfleger sogar ein schüchterner Mensch, sagt er von sich selbst. Davon bleibt allerdings nicht mehr allzu viel übrig, wenn er sein Kostüm überstreift.

Innerhalb weniger Sekunden verwandelt er sich dann vom jungen Mann von nebenan in eine der bekanntesten und wohl auch beliebtesten Figuren, die es im Fernsehen zu sehen gibt: in das Pokemon Pikachu.

Zur Erklärung: Ein Pokemon ist eine Spielfigur mit ganz bestimmten Fähigkeiten. Diese wurden in den 1990er Jahren in Japan entwickelt. Mittlerweile gibt es dazu nicht nur ein eigenes Spiel, sondern auch eine Fernsehserie und Filme. Wenn Marco Ganster sein Kostün überstreift, dann nennt man dies Cosplay. Dabei werden Figuren originalgetrau dargestellt.

Angefangen hat Marco Ganster mit dem Cosplay übrigens vor rund anderthalb Jahren. Damals kam er auf die Idee, Figuren aus verschiedenen Serien und Filmen nachzustellen. Darunter befand sich beispielsweise der Charakter Sora aus einer japanischen Zeichentrickserie – dem sogenannten Anime. Doch nicht nur männliche Figuren regten sein Interesse. Er schlüpfte auch in Frauen-Rollen. Im Rahmen der Abschlusswoche in der Schule stand unter anderem auch das Motto Geschlechtertausch an. Von einer Mitschülerin ließ Ganster sich schminken und sorgte mit seiner Verkleidung bei den Mitschülern für Begeisterung. Doch dabei sollte es nicht bleiben.

Es sollte eine Figur her, die nahezu jeder kennt. „Ich kam auf die Idee, mir ein Maskottchen zu bestellen, das jeder kennt und eigentlich auch jeder liebt. Damit wollte ich dann durch Stolberg rennen, um den Leuten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“, sagt er. Das Pokemon Pikachu sollte genau dieses Maskottchen sein.

Erst ohne und dann mit Kostüm: Marco Ganster ist ein sogenannter Cosplayer. Er verkleidet sich und ahmt auf diese Weise bekannte Figuren nach. In diesen Tagen ist er auf der weltweit größten Computermesse in Köln zu Gast. Foto: ZVA/Sonja Essers

In China bestellte Ganster das Kostüm, das aus mehreren Teilen besteht und rund 400 Euro kostete. Allein zwei Monate dauerte es, bis das riesige Paket in der Kupferstadt ankam. Am 26. April war es dann so weit: Seitdem macht Ganster Stolberg, Eschweiler und Aachen als Pikachu unsicher und hat dabei bereits etliche Erfahrungen machen dürfen – fast ausschließlich positiv. „Nur einmal habe ich mitbekommen, dass jemand negativ reagiert hat. Ansonsten sind die Leute meistens schockiert, weil niemand damit rechnet, dass auf einmal ein Pikachu um die Ecke kommt“, sagt Ganster und lacht.

Doch nicht nur in Stolberg und den umliegenden Städten ist Ganster regelmäßig unterwegs. Immer wieder zieht es ihn auch nach Köln. So beispielsweise auch heute und morgen. Dann findet dort nämlich die Gamescom – die weltweit größte Messe für Computer- und Videospiele statt. Etliche Hersteller aus der ganzen Welt präsentieren dort ihre neue Soft- und Hardware und es gibt auch eine eigene Halle, in der es ausschließlich um das Thema Cosplay geht. „Ein Pikachu habe ich da bisher noch nie gesehen“, sagt Ganster. Für ihn sei die Gamescom eines der Highlights des Jahres.

Das Thema Cosplay spiele in der Region rund um Stolberg allerdings kein großes Thema, weiß der 24-Jährige aus eigener Erfahrung. „Hier kennt man sowas gar nicht. Die Szene fängt eigentlich erst ab Köln an. Köln und Dortmund gehören zu den Hochburgen in Deutschland“, sagt Ganster, der in seinem Kostüm natürlich auch schon auf der Kölner Domplatte unterwegs war. Doch gegen Japan – dem Ursprungsland des Cosplays und des Animes – käme Deutschland nicht an.

In den sozialen Netzwerken hat Marco Ganster bisher noch einen überschaubaren Kreis von 324 Meschen, die ihm folgen. Sie lässt er ab und zu darüber abstimmen, wo er sich blicken lassen soll. Damit er in Zukunft dann auch ohne Kostüm erkannt wird, hat er sich ein entsprechendes T-Shirt drucken lassen, das ihn als Pikachu identifiziert. Seitdem Ganster nämlich mit dem Cosplay begonnen hat, hat sich eine Sache definitiv für ihn verändert: „Ich habe auf jeden Fall mehr Selbstbewusstein bekommen“, sagt er.

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