Ein Radweg für die engste Stelle: Lückenschluss über 400 Meter im viel genutzten Routennetz

Ein Radweg für die engste Stelle : Lückenschluss über 400 Meter im viel genutzten Routennetz

„Was lange währt wird endlich gut“: Diese Redensart gilt schon für den Kreisverkehr Nachtigällchen. Zwei Jahrzehnte lang geisterte die Forderung nach der Umgestaltung der gefährlichen Kreuzung der Landesstraßen 238 und 12 durch die Politik.

Nach vielem „Geplänkel und Geplane“ hat im Herbst 2013 der Umbau des Knotenpunktes von Zweifaller Straße und „Am Wasserwerk“ mit Kurt-Schumacher-Straße und „Breinigerberg“ in einen Kreisverkehr begonnen – wie üblich zunächst mit den Versorgungsträgern vor dem eigentlichen Straßenbau. Stolberg geht in finanzielle Vorleistung für den eigentlich zuständigen, aber damals mittellosen Landesbetrieb Straßenbau, damit es endlich voran geht.

Als der schmucke Kreisverkehr im Sommer 2014 fertiggestellt wurde, folgte nicht nur eine weitere Baustelle einen Steinwurf entfernt an der Vichtbachbrücke in der Kurt-Schumacher-Straße, sondern ein Problem bleibt ungelöst. Während der Kreisel als solcher vorbildlich mit einer Radwegeführung ausgestattet ist, endet die Radlerroute in Richtung Innenstadt wenige Meter weiter. Gleich hinter der Bushaltestelle und vor dem Werktor von Leoni Kerpen endet der Radweg auf der viel befahrenen Landesstraße.

Erst 400 Meter weiter wird er auf der gegenüberliegenden Straßenseite in Höhe der Bushaltestelle „Derichsberg“. Zwischen diesen beiden Punkten liegt der wohl gefährlichste und engste Abschnitt der Zweifaller Straße; dort ist die Landesstraße teilweise als 30-km/h-Strecke ausgewiesen. Südlich grenzt der steile Hand rund um Haus Loh und nördlich das Werksgelände von Leoni Kerpen die Verkehrsfläche ein.

Schwierig genug ist bereits eine sichere Führung für Fußgänger in diesem Abschnitt. Eigens für sie wurde vor zwei Jahren eine Stützwand zur Landesstraße mit Treppenanlagen gebaut, so dass man zu Fuß an den Wiesen des Vichtbachtales vorbei zur Bushaltestelle kommen kann. Nur Rad- und Rollstuhlfahrern war damit nicht geholfen. Für sie endet weiterhin die Reise in Höhe des Werktors.

Kreisverkehr Nachtigällchen Lückenschluss Radwegenetz. Foto: Jürgen Lange

Aber sie können sich Hoffnung auf eine baldige Lösung machen. Auf Vorschlag des Technischen Beigeordneten soll der am morgigen Donnerstag tagende Vergabeausschuss einen ersten Planungsauftrag vergeben. „Lückenschluss Nachtigällchen“ hat Tobias Röhm das Projekt überschrieben. „Es genießt für uns die hohe Priorität einer Sofortmaßnahme“, sagt der Beigeordnete und verweist auf das „Integrierte klimafreundliche Mobilitätskonzept der Kupferstadt“. Fast zwei Jahre haben Experten und Politik an dem Konzept gearbeitet, das unterschiedliche Maßnahmen zur Verbesserung der Mobilität unter Gesichtspunkten des Klimaschutzes im Stadtgebiet priorisiert.

Dazu gehört beispielsweise ebenso die Verbesserung der E-Ladeinfrastruktur wie auch der schrittweise Ausbau des kommunalen Radwegenetzes. Der „Lückenschluss am Nachtigällchen ist längst überfällig“, sagt Bernd Kistermann. Dort ist der Flaschenhals für die intensiv genutzten Routen zwischen der Innenstadt sowie Mausbach, Vicht und Breinigerberg sowie weiteren Orten. „Die Route stellt aufgrund der Topographie ein Kernstück des Stolberger Radwegenetzes dar“, sagt der Leiter des Amtes für Immobilienmanagement und technische Infrastruktur.

Alleine fehlten Stadt und Landesbetrieb bislang die finanziellen Möglichkeiten, die 400 Meter lange Lücke zu schließen. Nun erscheint eine Förderung mit 75 Prozent aufgrund der neuen Richtlinie Nahmobilität des Landes greifbar. Angedacht ist, dass die später anfallenden Baukosten durch die Stadt vorfinanziert und dann durch den Landesbetrieb Straßenbau im Rahmen des Projektes „Bürgerradweg“ erstattet werden, erklärt Tobias Röhm.

Für eine Realisierung des Lückenschlusses ist aber ein Zusammenspiel der angrenzenden Grundstückseigentümer, dem Landesbetrieb und der Kupferstadt erforderlich, so Röhm. „Wir haben bereits Gespräche mit den Beteiligten geführt und eine grundsätzliche Bereitschaft zur Mitwirkung erzielt.“

Der Blick auf die Flurkarte zeigt, dass in Teilbereichen schmale Streifen entlang der Zweifaller Straße in städtischem Eigentum sind, teilweise wird der angedachte zwei Meter breite Radweg aber auch auf privatem und Landesbetrieb-Gelände geführt werden müssen.

Und absehbar ist zudem ein Überweg, um einen sicheren Anschluss an den hinter Haus Loh bestehenden Radweg auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu erreichen. Details dazu und Grundlagen für eine mögliche Landesförderung soll das zu beauftragende Ingenieurbüro erarbeiten.

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