Stolberg: Lösungen für Radler, Pendler und Autofahrer

Stolberg : Lösungen für Radler, Pendler und Autofahrer

„Jeder von uns ist mal Radfahrer, mal Autofahrer und mal Bahnfahrer“, sagt Georg Trocha. Der Klimaschutz- und Mobilitätsmanager der Stadt Stolberg hat sich zum Ziel gesetzt, die Themen Klimaschutz und Mobilität miteinander zu vereinen.

Dies geschieht unter anderem im Klimaschutzkonzept „klimafreundliche Mobilität“, das nun in den letzten Zügen ist und der Stolberger Politik noch vor den Sommerferien vorgestellt werden soll. Darin enthalten ist eine Vielzahl von Maßnahmen für alle Verkehrsmittelarten.

20 Radrouten

Seit Juli 2015 ist Trocha Klimaschutzmanager der Stadt und begleitet die Umsetzung und Fortschreibung des Integrierten kommunalen Klimaschutzkonzepts, das 2014 vom Rat der Stadt beschlossen wurde. Seit dem vergangenen Jahr ist er auch als Mobilitätsmanager tätig. Seine Aufgaben sind sehr vielseitig. So ist er unter anderem zentraler Ansprechpartner und im Projektmanagement tätig. Das bedeutet, dass er Fördermittel beantragt sowie Sanierungsmaßnahmen, Neu- und Umbauten betreut und begleitet.

Eine weitere Aufgabe von Trocha: das Klimaschutzkonzept „klimafreundliche Mobilität“. In diesem sind Maßnahmen zu allen Verkehrsmitteln aufgeführt. Ein wichtiger Bestandteil ist allerdings der Radverkehr. Unter anderem soll eine öffentliche Ladeinfrastruktur für Pedelecs entstehen. Darüber entscheidet der Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt in seiner nächsten Sitzung (wir berichteten). Der Ausbau der Radverkehrsanalagen soll anhand von 20 definierten Radrouten ebenfalls auf den Weg gebracht werden.

Auch in Sachen Elektromobilität will die Kupferstadt für die Zukunft gewappnet sein und das Thema noch in diesem Jahr auf den Weg bringen. Insgesamt 100000 Euro sind für die verschiedenen Projekte im Haushalt verankert. Neben dem Ausbau der Ladeinfrastruktur, bei dem 80000 Euro investiert werden — davon sollen allerdings 70 Prozent gefördert werden — steht der Aufbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur von Pedelecs am Zinkhütter Hof, dem Hauptbahnhof und dem Rathaus an.

Rund 40000 Euro sollen zudem in ein Elektrofahrzeug für das Dezernat des Technischen Beigeordneten Tobias Röhm fließen. Mit diesem soll der Hausmeisterservice künftig unterwegs sein. Auch das Technische Betriebsamt soll mit einem Fahrzeug für Markierungsarbeiten ausgestattet werden. „Wir prüfen im Moment, ob wir da auch auf ein E-Fahrzeug zurückgreifen können“, sagt Tobias Röhm.

Drei Pedelecs hat die Stolberger Verwaltung bereits angeschafft. Sie erfreuen sich großer Beliebtheit. „In den ersten drei Monaten nach der Anschaffung wurden die 1000 Kilometer bereits geschafft“, sagt Trocha. Die Pedelecs werden unter anderem von den Mitarbeitern des Ordnungsamtes regelmäßig genutzt. „Die Kollegen geben uns immer wieder gutes Feedback. So können sie den direkten Kontakt zu den Bürgern halten und sehen mehr, als wenn sie mit dem Auto unterwegs wären“, sagt Trocha. Ein Teil der Tiefgarage des Rathauses soll zudem für einen Fahrradkeller reserviert werden. Dieser soll auch mit Spinden und Ladestationen ausgestattet werden.

In Sachen Elektromobilität will die Verwaltung „Vorbild sein und gleichzeitig Ängste nehmen“. Schließlich gebe es diesbezüglich noch immer zahlreiche Vorurteile, sagt Trocha.

Um Vorurteile gar nicht erst aufkommen zu lassen, sei es wichtig, dass die Themen Klimaschutz und Mobilität schon bei den kleinen Stolbergern bekannt sind. So gehört auch das schulische Mobilitätsmanagement zu Trochas Aufgaben. Am Goethe- und am Ritzefeld-Gymnasium gibt es mittlerweile Fahrrad-AGs, die den Schülern das Radfahren näherbringen soll. „Es ist toll zu sehen, dass sich auch andere Institutionen auf diesen Weg machen“, sagt Trocha.

Grund zur Freude sollen auch die Stolberger Radfahrer haben. Insgesamt 26 unüberdachte und zehn überdachte Stellplätze sollen am Hauptbahnhof entstehen. Zudem wird es am Hauptbahnhof 16 und am Mühlener Bahnhof acht Fahrradboxen geben. Gefördert werden diese durch den Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR). Die Förderung der 30.000 Euro hohen Investition liegt bei 90 Prozent. Mit der Umsetzung kann nun ebenfalls begonnen werden. Der NVR gab dafür grünes Licht. Entsprechende Modelle werden nun von der Verwaltung gesichtet.

Mehr Radfahrer

„Vor allem, seitdem es das Parkhaus am Hauptbahnhof gibt, ist die Zahl der Fahrräder dort deutlich in die Höhe gegangen“, sagt Trocha. Er hat die Erfahrung gemacht, dass Stolberg in Sachen Fahrradverkehr eine große Dynamik entwickelt habe. Einheitliche Fahrradständer an Rathaus und Kaiserplatz sollen folgen. Und damit nicht genug. Ein Antrag und erste Planungen für die Regionale Radroute Stolberg — ab Dreieck Atsch — nach Eilendorf mit Anschluss an das Radvorrangnetz der Stadt Aachen sind bereits gemacht Die Kosten liegen bei 550.000 Euro, die Förderung bei 80 Prozent.

Es sei wichtig, dass man auch die Pendler im Auge behalte. Schließlich machen die einen nicht geringen Teil aus. Täglich pendeln rund 12.000 Menschen aus und nach Stolberg. Eine gute Verbindung zwischen der Kupferstadt und dem benachbarten Aachen sei deshalb wichtig. Sollte ein positiver Förderbescheid eingehen, könne mit der Umsetzung ab 2019/2020 begonnen werden.

Grundsätzlich werde auch bei Straßenarbeiten darauf geachtet, wie man Fußgänger und Radfahrer bestmöglich mit einbinden könne. Ein Beispiel dafür: die Höhenstraße. Dort wird geprüft, wie eine bessere Fahrradinfrastruktur aussehen könnte. „Uns ist es wichtig, für alle Verkehrsteilnehmer die beste Lösung zu finden“, sagt Tobias Röhm.

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