Stolberg: „Lichterbrunnen” soll im Dunkel des Vergessens ruhen

Stolberg: „Lichterbrunnen” soll im Dunkel des Vergessens ruhen

Der „Lichterbrunnen” soll da bleiben wo er ist und die Diskussion über das abhanden gekommene Kunstwerk möglichst schnell beendet werden: „Aufgrund des zweifelhaften Nutzens einer Restaurierung und der hohen Folgekosten”, schlägt die Verwaltung dem Rechnungsprüfungsausschuss vor, „auf die Restaurierung und das Wiederaufstellen des Brunnens zu verzichten.”

Zuletzt im Dezember hatte es der Ausschuss abgelehnt, das unrühmliche Kapitel im Umgang mit dem 1983 im Auftrag der Stadt erstellten Kunstwerkes einfach zuzuschlagen.

Bis 1988 zierte das mangels Wasser- und Stromanschlusses unvollendete Werke die Ecke von Steinweg und Sonnentalstraße bis es zum Bau des Victor-Kaufhauses weichen musste.

Damit begann die Odyssee seines Verschwinden. Zunächst in den ehemaligen Bauhof am Duffenter, dann in das 1989 von der Stadt erworbene Anwesen an der Buschstraße, wo auch das Museum Zinkhütter Hof ein Lager erhielt.

„Eigentumsrechte verwirkt”

Als das Gebäude 1999 als Bestandteil des städtischen Immobilienpaketes am die WoGe zwecks kurzfristiger Weiterveräußerung verkauft wurde, „bestätigte der Museumsleiter die vollständige Räumung”, recherchierte das Liegenschaftsamt; der Schlüssel wurde via Kulturamt an die Liegenschaftler zurückgegeben, so dass diese „von der erfolgten Räumung ausgehen konnten”.

Erst durch die Berichterstattung unserer Zeitung wurden im September 2006 Teile des Lichterbrunnens wieder entdeckt: Als Beeteinfassung im Garten des Hauses an der Buschstraße. Seitdem ist „die Verwaltung nach wie vor mit dem jetzigen” Besitzer „über eine Zurückgabe” des Kunstwerkes „an die Stadt nicht einig”.

Die Verwaltung selbst sieht in dem Besitzer auch den Eigentümer des Kunstwerkes, wie eine Stellungnahme des Rechtsamtes darlegt. Denn eigentlich hätte die Stadt ihr Kunstwerk beim Hausverkauf entfernen, zumindest aber einen Anspruch auf Herausgabe geltend machen müssen; das hat sie aber bis dato seit dem Verkauf weder gemacht noch angedeutet. Sollte die Stadt noch Eigentümerin sein, müsste sie das nachweisen können. Sollte sie das wider Erwarten noch können, dürfte sie ihr Eigentumsrecht aber verwirkt haben. Und selbst in dem unwahrscheinlichsten aller Fälle, die Stadt gelänge in den Besitz ihres angekauften Kunstwerkes, stünde sie vor mehr Problemen als Verwaltung und Rat lieb sind. Neben der Frage des Standortes für den Lichterbrunnen stellt sich die Aufgabe der Restaurierung und Vollendung, denn Künstler Wilfried Tertin hatte sein Werk mit Bewässerung kreiert. Mit Kosten von jeweils 25000 Euro kalkuliert die Verwaltung Sanierung und Vollendung des Schaffenswerkes.

Seit Jahrzehnten vergessen

Neben den Kosten führt die Verwaltung auch das Zeitargument an, um das Kunstwerk endgültig in Vergessenheit geraten zu lassen: Denn nach der von der seinerzeitigen Verwaltungsspitze 1988 angeordneten Demontage habe „zehn Jahre lang niemand den Brunnen aufstellen wollen”; das habe dazu geführt, dass beim Hausverkauf 1999 niemand auf seine demontierten Teile geachtet habe. Und auch weitere zehn Jahre habe niemand nach dem Lichterbrunnen gefragt - bis das unsere Zeitung im September 2006 getan hatte.

Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten lassen sich mittlerweile weder bestimmten Ämtern oder Personen zuordnen, und auch der Gemeindeversicherungsverband erklärte, dass längst kein Versicherungsschutz mehr bestehe für das viele Jahre verschollene Kunstwerk.

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