Stolberg: Leser besuchen Traditionsunternehmen mit Zukunft

Stolberg : Leser besuchen Traditionsunternehmen mit Zukunft

Kaum ein Name ist so sehr mit der Kupferstadt verwurzelt wie die „Stolberger Metallwerke“. An der Eisenbahnstraße ist noch immer das Schild des „ältesten Messingwerks der Welt“ erhalten und auch das Werk an der Kupfermeisterstraße ist tief in die Stadtgeschichte eingeflochten.

Im Rahmen unserer Reihe „7xSommer“ konnten unsere Leser einen Blick in die altehrwürdigen Hallen werfen und auch erfahren, warum die heutige „KMD Group“ dank eines neuen Werks in China wieder eine goldene Zukunft hat.

Im Rahmen unserer Reihe „7xSommer“ konnten unsere Leser einen Blick in die altehrwürdigen Hallen werfen und auch erfahren, warum die heutige „KMD Group“ dank eines neuen Werks in China wieder eine goldene Zukunft hat. Doch zuerst gab es einen Ausflug in die bewegte Geschichte mit Geschäftsführer Martin Thiel und Albert Rumbach, Chef des technischen Marketings, sowie Michael Kasperowski, stellvertretender Produktionsleiter .

400 Jahre Geschichte

Auf über 400 Jahre Geschichte am Standort Stolberg konnte in dem spannenden Vortrag zurückgeblickt werden und auch die heutigen Zahlen sind beeindruckend: Das gesamte „Joint Venture“-Unternehmen, das aus dem Stolberger und chinesischem Werk entstanden ist, kann jährlich einen Umsatz von aktuell über 300 Millionen Euro vorweisen, über 30.000 Tonnen Material produzieren und beschäftigt insgesamt 540 Mitarbeiter.

269 davon sind in der Kupferstadt beschäftigt und dank 20 Auszubildenden sieht auch Thiel die Zukunft des Werkes gesichert. „Wir müssen die Jugend an uns binden“, erklärte Thiel mit Sicht auf den hohen Altersschnitt vieler Mitarbeiter, die das Unternehmen seit Jahrzehnten begleiten.

Selbstverständlich gab es zahlreiche Fragen unserer Leser zu beantworten, die sich unter anderem dafür interessierten, wie aus den Stolbergern Metallwerken der heutige Betrieb wurde und wie man sich in der internationalen Konkurrenz behaupten kann.

Thiel stand ihnen selbstverständlich Rede und Antwort — und das ohne die Vergangenheit schön zu reden. Eigentlich schwebte bereits das dunkle Damoklesschwert der Schließung über der Produktionsstätte, doch nachdem 2014 aus der „Kabelmetall Europe“ die „Kabelmetall Dragon“ wurde und das Werk in Xinxiang entstand, das im Juni eröffnet wurde, kann man wieder positiv planen.

Beide Stätten sollen sich ergänzen und die Mitarbeiter voneinander lernen, wie unsere Leser erfuhren. Dabei ist man in China ein „voll integriertes Werk“, man kann also die gesamte Produktion stemmen, während man sich in Stolberg hauptsächlich auf den Beschnitt und die Verzinnung von Kupfer konzentriert, das schließlich in Kabeln und Steckern zum Einsatz kommen soll.

Angst um leere Auftragsbücher gebe es schon seit Jahren nicht. „Vor zwei Jahren hat ein echter Boom eingesetzt“, erklärte Thiel seinen Gästen. Besonders die Automobilindustrie setzt im Rahmen der E-Mobilität und des autonomen Fahrens auf immer mehr Elektronik im Auto. Gleiches gilt für Smartphones und Entertainmentgeräte, die deutlich stärker produziert werden.

Immer mehr Stecker und Kabel werden dafür benötigt, die keine Fehler aufweisen dürfen — Qualität, für die die „Stolberger Metallwerke“ schon vor Jahrzehnten bekannt waren. Während bei vielen Ausgangsmaterialien zudem in Zukunft Knappheiten befürchtet werden müssten, biete Kupfer erhebliche Vorteile. Das rötliche Metall sei nämlich sehr gut recyclebar und könne immer wieder verwendet werden.

Helm und Warnweste

Nach dem interessanten Vortrag wurde es höchste Zeit sich Helm und Warnweste anzuziehen, denn es ging hinein in die heiligen Hallen des Traditionsunternehmens, das auf einer Fläche von 16 000 Quadratmetern in Stolberg produziert. In der großen Eingangshalle waren bereits die mächtigen Kupfercoils, wie die riesigen Rollen mit bis zu 3,5 Tonnen Gewicht genannt werden, zu sehen.

Diese werden aus der Unternehmensgruppe — insbesondere aus Osnabrück und Italien — angeliefert und warten nur darauf, nach den Wünschen der Kunden weiterverarbeitet zu werden. Rund zwei Wochen braucht ein Coil im Normalfall, um den Produktionszyklus zu durchlaufen, erklärte Rumbach unter neugierigen Blicken der Gäste, unter die sich auch ehemalige Mitarbeiter gemischt hatten, die mit Spannung die Fortschritte begutachteten.

Im Werk boten sich nun die verschiedenen Facetten der Bearbeitung des Kupfers. So verfügt man über eine Kaltwalze, die das Kupfer malträtiert. Das Herzstück der Anlage hat immerhin einen stolzen Wert von über 20 Millionen Euro — ohne sie geht bei der KMD nichts mehr. Auf dem Weg durch die Hallen galt es zudem, stets Vorsicht walten zu lassen, denn dutzende Gabelstapler und Mitarbeiter huschten in ihren Schichten durch die Hallen und kündigten sich beim Abbiegen stets mit einem lauten Hupen an, denn bei der Produktion wird es naturgemäß laut. So ging es nur über die markierten Fußgängerwege weiter hinein.

Richtig heiß wurde es dann in der Halle der Glühöfen. Unter großen Kuppeln wird das Kupfer nacheinander aufgeheizt und dann wieder abgekühlt. Durch den Prozess des Walzens und Glühens kann das Kupfer die gewünschte Härte erreichen. Im nächsten Trakt konnte dann begutachtet werden, wie das Kupfer mit Zinn beschichtet wird — im exakten Mikrometerbereich wird das Kupfer mit dem deutlich teureren Zinn überzogen. Gemessen wird die Schichtdicke von einem Röntgengerät, um die Einhaltung der Kundenforderung zu gewährleisten, wie Rumbach unter dem Dröhnen der Maschinen erklärte.

Bei den Scheren kann das fertige Kupfer schließlich auf die genaue Breite und Länge geschnitten werden. Anschließend werden dann die großen Rollen in die riesige Lagerhalle gebracht, wo sie eingelagert werden und innerhalb kürzester Zeit versandfertig zurück in den Eingangsbereich gebracht werden, wo sich auch die Lkw-Durchfahrt befindet.

Bei der ganzen Anlage immer im Mittelpunkt: Der Platzgedanke. Denn während die chinesischen Kollegen vor zwei Monaten ein riesiges Werk mit modernen Zufahrten eröffnen konnten, muss man in Stolberg kreativ werden und über jeden Quadratmeter genau nachdenken, wie unsere Leser feststellten. Nichtsdestotrotz konnte Albert Rumbach den Gästen an diesem Nachmittag versprechen, dass an der Kupfermeisterstraße noch lange produziert werden soll, das sei allein durch die Tradition des Unternehmens selbstverständlich.

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